Marie Woitke feiert ihren 100. Geburtstag

100jährige Spandauerin, Marie Woitke

LokaleJahrgang 1913 – Rückblick auf ein bewegtes Leben

Marie Woitke feiert ihren 100. Geburtstag
Marie Woitke feiert ihren 100. Geburtstag

Ein Strahlen geht über das Gesicht von Marie Woitke, wenn sie über ihren großen Ehrentag, den 2. Juli, spricht. Sie erwartet ihre Lieben aus nah und fern, um mit ihnen ihren 100. Geburtstag zu feiern. Ihre Enkelkinder reisen mit ihrer Urenkelin sogar aus Schottland an, um ihr zu gratulieren.

100 Jahre, ein ganzes Jahrhundert – das ist eine lange und bewegte Zeit, aus der Marie Woitke zu berichten weiß. Heute ist es ruhig um die Jubilarin geworden. Ihr Mann, Adolf Woitke, der in Spandau eine Bäckerei mit zwei Filialen betrieben hat, ist bereits 1971 verstorben und von ihren beiden Söhnen lebt auch nur noch der ältere der beiden, der sich rührend um seine Mutter kümmert. Freunde gibt es auch nicht mehr und das Tanzen, das sie lange Zeit im Seniorenclub Lindenufer gepflegt hat, hat sie aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben.

Am 2. Juli 1913 erblickte die kleine Marie in dem kleinen Ort Stradow im Spreewald das Licht der Welt und schon früh stand für sie fest, später einmal nach Berlin gehen zu wollen, um dort ihr Glück zu machen. Im Alter von 14 Jahren war es dann so weit. Ein befreundetes Berliner Ehepaar, das sich in ihrem Heimatort immer zur Sommerfrische aufhielt, nahm das Mädchen mit in die Hauptstadt und kümmerte sich um ihr Wohlergehen. Marie absolvierte in der Fasanenstraße / Ecke Pariser Straße in einem Bäckereibetrieb eine Lehre zur Bäckereifachverkäuferin und fand zu Anfang Juli 1930 eine Anstellung in der Spandauer Bäckerei Piater in der Weißenburger Straße.

Dort begegnete ihr auch die Liebe und sie lernte ihren späteren, 16 Jahre älteren Mann, Adolf Woitke, kennen, der bei Piater nach Abschluss seiner Bäckerlehre als Geselle arbeitete und später seinen Meisterbrief ablegte. Ende 1930 überschlugen sich die Ereignisse für das junge Paar, denn ihre Hochzeit und die Eröffnung ihres ersten eigenen Geschäftes sollten zeitgleich über die Bühne gehen. Am 1. Dezember öffnete ihr Betrieb in Wilmersdorf in der Bamberger Straße seine Pforten und nur wenig Tage später, am 15. Dezember, wurde standesamtlich und am 18. Dezember kirchlich geheiratet.

Lange hielt es das junge Ehepaar nicht in Wilmersdorf. Die Geschäfte hätten besser laufen können, wäre es der überwiegend jüdischen Kundschaft im Umkreis nicht verboten gewesen, in deutschen Läden zu kaufen. Da kam im Jahr 1934 das Angebot des ehemaligen Chefs Piater gerade recht, seinen Betrieb für die Summe von 25.000 Mark übernehmen zu können. Schnell entschieden sich Adolf und Marie Woitke, legten 15.000 Mark bar auf den Tisch und wollten den Rest innerhalb von vier Jahren abtragen. Doch bereits nach zwei Jahren war alles abbezahlt.

Neben dem Hauptgeschäft in der Weißenburger Straße 31 versorgte das Ehepaar mit weiteren sieben Gesellen und vier Verkäuferinnen die beiden Filialen in der Pichelsdorfer Straße. Beide Filialen mussten jedoch infolge steigender Mieten geschlossen werden. Die Hauseigentümer veräußerten die Immobilien und die neuen Besitzer hatten so immense Mietforderungen, die der Bäckereibetrieb nicht zahlen konnte. Beide Filialen wurden geschlossen und das Ehepaar Woitke musste die Läden, ohne einen Abstand dafür zu bekommen, verlassen. In einer der Filialen hatten sie sogar noch kräftig investiert und mit den 15.000 DM aus der Lebensversicherung modernisiert.

Das Hauptgeschäft mit seinen zwei Backräumen war nun auch nicht mehr ausgelastet und nach dem Tod ihres Mannes am 28. März 1971 entschloss sich Marie Woitke, das Unternehmen zu schließen, da auch keiner der Söhne den Betrieb weiterführen wollte.

Sie musste ihre Wohnung, die zum Geschäft gehörte, aufgeben und lebt heute noch in einer kleinen Einzimmerwohnung im Falkenhagener Feld nahe der Stadtgrenze. Nach der Schließung des Bäckereibetriebes hat die damals 58jährige Marie Woitke noch einige Jahre bei Hertie in der Konditorabteilung gearbeitet, bevor sie mit 63 Jahren ihren Rentenantrag stellte.

Spandau heute – Juli 2013

Spandau heute - Juli 2013
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Bahnhof, Spandau, Nachts Panoramabild: Ralf Salecker)
Bahnhof, Spandau, Nachts Panoramabild: Ralf Salecker)

 

Lesezeichen: Nächtlicher Blick über den Bahnhof auf das Rathaus Spandau
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Postkarte: Blick auf die Spandauer Stadtmauer am Behnitz/Kolk
Spandau-Postkarte: Blick auf die Spandauer Stadtmauer am Behnitz/Kolk

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