Alte Kolkschänke (Foto: Ralf Salecker)

Alte Kolkschänke, mehr als 100 Jahre Kneipenwirtschaft in Spandau

Ein Hauch von Geschichte im Behnitz

Alte Kolkschänke (Foto: Ralf Salecker)
Alte Kolkschänke (Foto: Ralf Salecker)

Vor 150 Jahren verfügte angeblich keine Stadt Europas über mehr Kneipen als Berlin. Schaut man sich dagegen heute in der Stadt um, sieht die Lage anders aus: Die klassische Eckkneipe und ihre Geschwister, für die es keine Ecke gab, prägen schon lange nicht mehr das Stadtbild. In Spandau, der ehemaligen Arbeiterstadt, sieht es nicht anders aus. Umso mehr fallen verbliebene alte Kneipen ins Auge. In der Spandauer Altstadt galt dies in besonderer Weise für die Alte Kolkschänke auf dem Behnitz, dem ältesten Siedlungsgebiet des Bezirks. Leider ist sie seit 2013 geschlossen. So ist der nachfolgende Text so etwas, wie ein wehmütiger Blick zurück. Der einzige Besuch in dieser besonderen Kneipe ist mir fest in Erinnerung geblieben.

Alte Kolkschänke (Foto: Ralf Salecker)
Alte Kolkschänke (Foto: Ralf Salecker)

Die Straße Kolk, in der die Kneipe zu finden ist, bietet einen einzigartigen Blick in die Vergangenheit Spandaus. Am Ende der Straße liegt die alte Kirche St. Marien. Ein Hauch von Mittelalter scheint hier noch zu wehen. Alte, windschiefe Fachwerkhäuser prägen das Bild der Straße. Bis auf eines sind alle liebevoll restauriert. Die Hausnummer 3 wirkt, als wenn seit 100 Jahren niemand mehr die Tür geöffnet hätte und als ob es gleich in sich zusammenfallen könnte, so sehr hat der Zahn der Zeit an ihm genagt. Das Schild am Haus „Alte Kolkschenke“ – geschrieben mit „e“ – weist auf eine Bauzeit um 1748 hin. Das ist alt. In der Berliner Denkmaldatenbank ist das Haus der Kolkschänke nur recht kurz beschrieben. Das „Baudenkmal eines Wohnhauses“ wird in die Zeit von 1728 bis 1750 datiert. Ganz exakt scheint dies nicht mehr feststellbar zu sein. Angesichts der äußeren Erscheinung des Hauses überrascht es geradezu, dass sich die Tür der Schänke tatsächlich bis 2013 noch für Gäste öffnete. Dann kehrte Leben ein in die vier Wände einer längst vergangenen Zeit.

Im Innern fühlte man sich denn auch wie in einer fremden Welt. Ein großer polierter Tresen dominiert den kleinen L-förmigen Raum. Alles ist in einem braunen Farbton gehalten, bei dem man sich nicht sicher ist, ob es sich um Nikotinspuren der vergangenen 100 Jahre handelt oder eine ganz spezielle braune Farbe, die im Laufe der Zeit eine ganz besondere Patina bildet. Unzählige Risse in der Decke machen deutlich, wie sehr noch Leben in diesem Haus ist. Trotzdem hat es die Wirren des Krieges überlebt. Es gibt keinen freien Platz an den Wänden und in den Regalen. Fotografien, Bilder und allerlei Kneipen-Requisiten lassen ahnen, dass hier alles über einen langen Zeitraum gewachsen ist. Eine Handvoll kleiner Tische, meist nur für zwei Personen, und ein großer runder Stammtisch für ein halbes Dutzend Personen bieten Platz für eine überschaubare Zahl von Gästen. Rot-weiß karierte Tischdecken sind der einzige Schmuck.

Hat man einmal Platz genommen und schaut mit Muße, was so alles an den Wänden hängt, dann kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Wände sind ein lebendiges Museum Spandaus. So erinnern Fotografien vom „Deutschen Rhein“ oder der Stadtmauer an die frühen Zeiten des Behnitz. Und es gibt Zeichnungen des Spandauer Heimatforschers Albert Ludewig, der nach Aussage der Wirtin oft Gast in der Kolkschänke gewesen ist. 1911 sei das Haus zu einer Gaststätte umgebaut worden. Mehr als 100 Jahre Kneipentradition sind eine lange Zeit.

Früher war es in der Schänke deutlich voller gewesen, denn sie war so etwas wie ein Nachbarschaftstreff für die Bewohner des Behnitz. Jetzt kommen einige Stammgäste ab und an hinein und Touristen betreten staunend diesen Ort. Ein Büchlein über Kneipen setzte dem Lokal ein kleines Denkmal: „Berliner Jahrhundertkneipen – Lokale mit Geschichte und Geschichten“.

Das Licht im Gastraum wirkt gelblich, es taucht den Raum in einen unwirklichen Schein. Jederzeit erwartet man Gäste aus der Vergangenheit, die nur noch an diesem Ort in Spandau einen Platz zum Verweilen finde.

Margot Zint, Mutter von zwei Kindern, ist die Enkelin des Erbauers. Sie stand 43 Jahre unermüdlich hinter dem Tresen ihrer „Alten Kolkschenke“. Wenige Kneipen dürften so lange im Familienbesitz sein. Wenn alles gut ging, öffnete sie die Gastwirtschaft immer in der Zeit von 17 bis 22 Uhr. Es ist schade, dass sich die Pforten dieses Lokals wahrscheinlich für immer geschlossen haben. Ein Nachfolger scheint nicht in Sicht. Ungenutzt verfällt das denkmalgeschütze Haus immer weiter.

 

Nun haben sich die Pforten der Kolkschänke endgültig geschlossen…

Alte Kolkschenke

  • Kolk 3
  • 13597 Berlin–Spandau

2 thoughts on “Alte Kolkschänke, mehr als 100 Jahre Kneipenwirtschaft in Spandau

  1. Es ist doch wirklich schade, daß mit Kulturgut in Form eines alten Fachwerkhauses so umgegangen wird. Für viel nichtigere Dinge ist im Bezirk Geld vorhanden, aber der Erhalt der Alten Kolkschenke scheint nicht wichtig genug zu sein. Sehr schade !!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.