Flugzeuge über dem Falkenhagener Feld in Spandau. (Foto: Ralf Salecker)

Die Ruhe über Spandaus Himmel muss warten

Berlin kann weder S-Bahn noch Flughafen …

Weiterhin Flugzeuge über dem Falkenhagener Feld in Spandau (Foto: Ralf Salecker)
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Weiterhin Flugzeuge über dem Falkenhagener Feld in Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Über Spandaus Himmel donnern weiter die Flieger. Der neue Schönefelder Willy- Brandt-Flughafen lässt sich Zeit. Die zum 3. Juni geplante Eröffnung ist verschoben. Von mindestens zwei Monaten ist die Rede. Grund dafür sollen Probleme mit dem Brandschutz sein. Genauer gesagt, scheint die Entrauchungsanlage nicht bestimmungsgemäß ihren Betrieb aufnehmen zu können.

Die Verschiebung des Termins bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Schließlich kann Tegel nun nicht, wie geplant, am 3. Juni dicht machen. Ebenso arbeitet der alte Flughafen Schönefeld weiter, wie bisher. Der Betrieb dort muss weitergehen. Beide müssen nun auch die geplanten höheren Kapazitäten des Willy-Brandt-Flughafens verkraften. Alle Umzugsaktionen sind auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Aktionen, die minutiös schon lange vorher geplant wurden, liegen auf Eis. Teuer wird es für den Flughafenbetreiber selbst. Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe könnten folgen. Ob da alles durch Versicherungen abgedeckt wird?

Betroffen sind aber nicht nur die beiden Flughäfen selbst. Wer jetzt schon einen zukünftigen Flug über den Willy-Brandt-Flughafen geplant hat, muss jetzt umdisponieren. Viele Taxifahrer wird es wohl eher freuen. Denen haben die Bedingungen am neuen Flughafen überhaupt nicht geschmeckt.

Nun ist dies nicht die erste Verschiebung des Eröffnungstermins. Im Oktober 2011 war er schon einmal angedacht. Lang ist´s her. Fast schon vergessen. Tegel sollte in der Nacht vom 29. Auf den 30. Oktober seine Pforten schließen. Das ist Schnee von gestern. Genauso wie der aktuelle Termin.

Berlin mit Image-Schaden?

Es hagelt Hohn und Spott. Von Image-Schaden ist die Rede. So meinte der grüne EU-Abgeordnete Michael Cramer, Berlin kann weder S-Bahn noch Flughafen. In der BZ ließ ein blasierter Hans-Hermann Tiedje die üblichen Negativ-Klischees vom Stapel. Von Berlin, der Nummer 1 bei Hundehaufen und Hartz-IV war die Rede, vom Versagen bei der S-Bahn und der unsäglichen Tradition, tolle Flughäfen zu schließen. Dabei machte er allen Ernstes eine Reihung vom Flughafen Gatow über Tempelhof, bis zum noch zu schließenden Flughafen Tegel auf. Dabei hat er wohl den alten Flughafen Staaken vergessen. In Gatow möchte der Herr nicht tot übern Zaun hängen, so schrecklich findet er den Bereich um den Flughafen. Dabei kennt er wohl das großartige Museum auf dem alten Flughafen Gatow nicht. Vorurteile müssen halt gepflegt werden.

Romantik oder Bequemlichkeit

Mit Tempelhof verbinden die alten Berliner die Luftbrücke. Von Gatows Rolle wissen da schon deutlich weniger. Tegel ist in nur 90 Tagen, während der Blockade gebaut worden. Tegel, als architektonisches Konstrukt war auf eine optimale Nutzung ausgelegt. Ob man sich später im neuen Flughafen ebenso gut zurecht finden wird, muss sich zeigen. Die Mythen der Vergangenheit rechtfertigen aber nicht das romantisierende Jammern. Einen vernünftigen Grund für einen innerstädtischen Flughafen gibt es nicht. Einzig die gewohnte Bequemlichkeit scheint hier das Argument zu sein. Ich höre schon jetzt die empörten Aufschreie …

Willy Brand war politisch gewollt, obwohl es eine bessere Alternative gab

Manch einer dachte an einen verspäteten Aprilscherz. Die Medien suchen nach einem passenden Sündenbock, während die, die es eigentlich hätten wissen müssen, sich noch recht bedeckt halten. Der politische Druck auf den Geschäftsführer wird wohl immens gewesen sein. Der Versuch, den Termin doch noch zu halten, ist lautstark in die Hose gegangen. Hat der Aufsichtsrat wirklich nichts gewusst oder wollte er nichts wissen? Wofür gibt es solche Gremien eigentlich? Augen zu und durch, mag hier die Devise gewesen sein. Schließlich wollte man den Flughafen Willy Brand um jeden Preis.

Bisher sind es nur Außenstehende, die Köpfe rollen sehen wollen. Bald wird das Hick-Hack auch in den Reihen seinen Anfang nehmen. Während dieser Zeit wird es weiterhin laut in Spandau sein. Alle, die sich auf mehr Ruhe im Bezirk gefreut haben, müssen sich nun weiter gedulden. Dafür gibt es sicherlich ein unterhaltsames Sommertheater bei der Suche nach DEM Schuldigen …

Ralf Salecker

 

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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