BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Ein kleines Häufchen Bärgida in Spandau

Wirres Sammelsurium an völkisch, nationalistischem Reichsbürgergerede

BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)
BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Reichsbürger zu Besuch in Spandau. Der Berliner Ableger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Stippvisite in Berlins westlichstem Bezirk.

Bärgida spazieren regelmäßig in Berlin Mitte, um sich dem angeblich drohenden Untergang des Abendlandes entgegenzustellen. Nun wollten sie geballt den Spandauern zeigen, wo der Hammer hängt, auch wenn der bei BÄRDIDA auf dem Kopf steht. Gauland sieht in Pegida die natürlichen Verbündeten der AfD.

Spandau freut sich normalerweise über Gäste, die zu Besuch kommen. Diese aber waren einigen offensichtlich nicht willkommen. Am Rathaus Spandau, gegenüber dem Bahnhof Spandau, wartete schon das Begrüßungskommando, ein buntgemixter Haufen engagierter Spandauer, die deutlichen machen wollten, dass „Nazis unerwünscht sind“. Die Gegendemonstration wurde von der Partei Die LINKE angemeldet, beteiligt waren aber viel mehr unterschiedliche Gruppierungen, wie z.B. NoBärgida. Sehr zum Unmut der Gegen-Demonstranten wurden diese von der Polizei auf die Rückseite des Rathauses verwiesen.

BÄRGIDA-Demo Spandau - Gegendemonstranten (Foto: Ralf Salecker)
BÄRGIDA-Demo Spandau – Gegendemonstranten (Foto: Ralf Salecker)

Etwa 35 BÄRGIDA-Anhänger versammelten sich auf dem Rathausvorplatz, um mit ihrer Rede zu beginnen. Mehr als doppelt so viele Polizisten sorgten dafür, dass beide Demonstrationsgruppen sich nicht zu nahe kamen. Manche BÄRGIDA-Gegner zeigten ihren Unmut sehr lautstark. Die Polizei erteilte einige Platzverweise an Personen, die BÄRGIDA akustisch „zu nahe treten“ wollten. Insgesamt trat sie ruhig und besonnen auf. Sie schützte das Recht auf freie Meinungsäußerung, egal, wie verschroben diese Meinung daherkommt. Ignoranz, Dummheit und falsche Tatsachenbehauptungen sind so, wie sie von BÄRGIDA vorgebracht wurden, nicht strafbar.

BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)
BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Gab es etwas Neues von den Verteidigern des Abendlandes zu hören? Nicht wirklich! In der Werbung werden Botschaften so lange wiederholt, bis sie nicht mehr aus den Köpfen der Leute zu bekommen sind. Inhalte und Fakten sind da eher nebensächlich. Sie lenken nur ab. Inhaltlich können sie nicht einmal ansatzweise überzeugen. Darum werden die immer gleichen Phrasen auch wie ein Mantra wiederholt.

Wenn von bewusst „gesteuerten Millionenheeren von Flüchtlingen“ die Rede ist, von einer drohenden „Umvolkung“ (Nazi-Vokabular), der von Menschen beeinflusste Klimawandel in Zweifel gezogen, politische Gegner als Volksverräter diffamiert werden, die Nähe zu den Identitären als positiv angesehen wird und von einer angeblichen Übersexualisierung in der Grundschule und angeblichem Genderwahn die Rede ist, was soll man dazu noch sagen, wo doch schon 1000 Mal alles gesagt wurde? Verschwörungstheoretikern ist mit Vernunft kaum beizukommen.

BÄRGIDA hat ihre neue Nationalhymne immer und immer wieder durch den Lautsprecher gedudelt. Das Marionettenlied der Reichsbürger. Einem überzeugten Reichsbürger wird man nicht mit Argumenten kommen können. Fakten interessieren ihn nicht. Historische Realitäten werden so lange verbogen, bis sie passend scheinen.

Ein gewisses Geschmäckle hatte es, als der Demonstrationszug mit seinem rechten Gedankengut ausgerechnet durch die Jüdenstraße marschieren musste.

 

Farbe bekennen mit Fahnensymbolik

BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)
BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)
BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)
BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Auffällig war die bunte Mischung an Fahnen, die BÄRGIDA mit sich führte und mehr oder weniger intensiv schwenkte. Fahnen sind deutliche Symbole, sie haben eine Aussage, die jeder erkennen soll, bei der man aber auch zwischen den Zeilen lesen kann.

Klar, die Deutschlandfahne gehört ins Handgepäck jedes dieser Demonstranten. Schade nur, dass diese offensichtlich die Bedeutung der Farben nicht verstehen, für die sie eigentlich stehen – eben nicht für dumpfen völkischen Nationalismus. Interessant sind aber die anderen. Mit der DDR-Flagge, dem Symbol für eine Diktatur, schien hier von BÄRGIDA ein wehmütiger Blick in eine Vergangenheit geworfen zu werden, die bei all denen, die sich über die deutsche Wiedervereinigung freuen, nur ein ungläubiges Kopfschütteln hervorrufen kann.

Über die geschwenkte Russlandfahne (und Putin-Nähe) muss man sich eigentlich nicht mehr wundern, seit BÄRGIDA eine gewisse Klientel unter den Russlanddeutschen für sich entdeckt hat. Die Fakemeldung über das angeblich von einem Flüchtling vergewaltigte russlanddeutsche Mädchen hatte damals für viel Wirbel gesorgt. Neonazis, BÄRGIDA und manch Russlanddeutsche traten damals in trauter Dreisamkeit auf – unterstützt vom russischen Staat. In den nächsten Tagen wird dieser Fall vor Gericht verhandelt.

Da passt der ziemlich müde vorgebrachte Klassiker „Lügenpresse“ von BÄRGIDA wie die Faust aufs Auge. Selbst für sie scheint die Parole inzwischen mehr als abgenutzt. Wie sonst ist der auffällig fehlende Elan der Retter zu erklären? Schon vergessen? „Lügenpresse“ war das Unwort des Jahres 2014, ein Jahr nach „Sozialtourismus“ und eins vor „Gutmensch“.

BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)
BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)

In der Begründung der Jury hieß es damals u.a.: „Das Wort „Lügenpresse“ war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien. … Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit, deren akute Bedrohung durch Extremismus gerade in diesen Tagen unübersehbar geworden ist.“

Natürlich sind nicht alle PEGIDA-Anhänger Nazis. Solch ein Schubladendenken würde einem vergleichbaren Argumentationsmuster folgen, wie es die PEGIDA-Anhänger tun. Die Teilnehmer machen sich die Begriffe und deren Inhalte zu eigen, weil sie mitgehen, die gleichen Parolen skandieren und nicht den Hauch von Nachdenklichkeit zeigen.

BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)
BÄRGIDA-Demo Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Zwei weitere Fahnen sollten sehr nachdenklich machen, zeigen sie doch, wessen Geistes Kind ein großer Teil der Demonstranten ist. Gegen die Schwarz-Weiß-Rote Reichsflagge wäre erst einmal nichts auszusetzen. Aber, diese Flagge war zu Beginn der Weimarer Republik, als diese die Farben Schwarz, Rot, Gold für sich wählte, ein Erkennungszeichen rechter und/oder reaktionärer Organisationen. Auch heute ist dies der Fall. Wenn BÄRGIDA dann daneben noch eine Fahne mit einen eisernen Kreuz schwenkt, dann liegt der Gedanke an die Reichskriegsflagge der Nationalsozialisten auf der Hand. In dieser waren Schwarz-Weiß-Rot und eisernes Kreuz vereint. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Wie kann nun in diesem Zusammenhang die Staatsflagge des Königreichs Preußen interpretiert werden, die je nach Standpunkt, für sehr unterschiedlich Positionen Preußens stehen kann, die scheinbar nicht zusammen passen: Auf der einen Seite sind es Militarismus und ausgeprägtes Untertanentum, auf der anderen Seite Bildung, Ehrlichkeit, Fleiß, Freiheit und vor allem Toleranz. Zu Ehrlichkeit passt das gerade beginnende Verfahren, mit dem die Immunität von Frauke Petry – wegen Meineides – aufgehoben werden soll. Friedrich II. gewährte in Preußen Religionsfreiheit – „Die Religionen Müßen alle Tolleriret werden … Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“ Preußen nahm z.B. unzählige Religionsflüchtlinge aus Frankreich und Österreich auf.

 

Manch einer bemängelte, es wären nicht genügend Spandauer vor Ort gewesen, um für Vielfalt und Toleranz einzustehen. Andererseits war es eine vielfache Anzahl, im Verglich zu den wenigen nicht willkommenen Besuchern aus Mitte. Es war ausreichend. Sie wollen wiederkommen, haben sie angekündigt. Sollen sie doch … sie sind schließlich nicht „Das Volk“.

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

3 thoughts on “Ein kleines Häufchen Bärgida in Spandau

  1. BÄRGIDA, mein Bericht: Nach dem Aufruf hier in Spandau Politik von Uwe Schütte „den Nazis die Suppe (zu)versalzen“ hab ich mich erst einmal informieren wollen, warum der Multi-Kulti Trupp mit verschiedenen Staatsflaggen wedelnd denn „Nazi“ sein soll.
    Mir wurde von Sven Mertinkat erklärt, dass Rassismus keine Nationalität hat und daher sind das sehr wohl Nazis. Susette Wahren weiß das da auch Juden mitmachen, Israel Flaggen schwenkend. Amerikaner ist von denen auch noch einer und trägt ne Kippa. ABER wenn „Netz gegen Nazis“ recherchiert, dass das evtl. nicht stimmen kann, dann stimmt das nicht. Also auch Nazi.
    Da ich auch gegen Nazis bin, bin ich pünktlich zur Gegendemo gekommen. Da ich dort niemand kannte setzte ich mich ein paar Meter entfernt hin. Da ich wohl nicht zu zuordnend war, schickte man 3 Polizisten zu mir. Diese fragten mich, ob ich Links oder Rechts sei. Ich antwortete: Ich lass mich in keine dieser Schublade stecken. Was ich hier mache?: Ich bin Spandauer, mich interessiert was hier passiert. Noch einmal, ob ich Links oder Rechts bin? Ich erneut, nix mit Schublade für mich. PLATZVERWEIS.

    50 Meter weiter setzte ich mich dann unter einen Baum. Kurz daraufhin wurden vor mir dann Lautsprecher aufgebaut. Ca. 40 Personen kamen, meist ältere Menschen, Frauen wie Männer. Es gab einen afrikanisch, einen arabisch aussehenden Menschen. Es gab einen Russen, Tschechen. Sie schwenkten Fahnen verschiedener Menschen. Sie lächelten und einer winkte freundlich. Die erste Rede begann und damit begann die Gewalt der Gegendemonstranten. Mehrere Verhaftungen, körperliche Angriffe. Es wurde versucht das Mikro wegzunehmen. Beim nächsten mal das Banner. Drei körperliche Angriffe. Insgesamt wurden bestimmt ein halbes Dutzend der „friedlichen“ und „toleranten“ Gegendemonstranten verhaftet. Ein 16 jähriger Junge fragte mich warum die Gegendemonstranten so gewalttätig sind, warum sie nicht argumentieren.
    Ich hab noch nie soviel Gewalt in Spandau gesehen wie es die Gegendemonstranten gestern vorm Rathaus Spandau haben eskalieren lassen.
    Die Gegendemonstration wurde von den Linken angemeldet. Man sah Gruppen von der SPD, Die Linke, Die Piraten und Die Grüne.

    Wofür ist eigentlich Bärgida? Bärgida ist für ein Asylrecht, für die Anerkennung des Flüchtlingsstastus nach der Genfer Konvention für Flüchtlinge, für die Einhaltung bestehender Gesetze und Verträge, für direkte Demokratie durch mehr Bürgerbegehren und Bürgerentscheide nach Schweizer Vorbild, für freie und unabhängige Medien.
    Wogegen ist eigentlich Bärgida? Bärgida ist gegen den Missbrauch des Asyl- und Flüchtlingsrecht, 2-Klassen-Strafrecht, EU-Diktatur, Plünderung, TTIP, CETA, TISA, Frühsexualisierung, Reduzierung von Bürgerrechten und gegen die Abschaffung des Bargelds.

    Wofür und Wogegen Bärgida ist, konnte man auf deren Informationsblätter lesen. Diese wurden verteilt an jeden der es haben wollte. Die Gegendemonstranten waren einfach nur gegen das, wofür sie nicht sind. Für was Sie sind konnte man auf den Aufklebern lesen, welche Sie in der Altstadt verteilt habe. Gegen Deutschland und gegen das deutsche Volk, für den Volkstod.

    Als die deutsche Nationalhymne gespielt wurde, pfeiften, schrien und beleidigten die Gegendemonstranten alle und alles, welche nicht auf Ihrer Seite standen. Zwei Momente werde ich nie vergessen. Ein Türke fragte, was machst Du scheiße Deutsche hier, die deutsche ältere Frau guckte verstutzt und fragte woher der Mann den kommt. Er Türke, jetzt Spandau, das ist mein Spandau, hau ab du Deutsche.
    Der zweite Moment: Als die Hymne gespielt wurde, stellte sich eine dunkelhäutige Asiatin gerade und still hin, die Einkaufstüten in der Hand hielt und wohl nur durch Zufall da lang kam und sang die Hymne mit. Der Blick der Gegendemonstranten und der Polizisten war sensationell.

    Für mich sind die Grünen, Linken, Piraten und SPD unwählbar geworden. Warum ? Weil sie die Leute aus der Gruppe hätten zurückhalten können. Sie hätten sich gegen die Gewalt stellen sollen. Sie hätten sich von der Gewalt distanzieren sollen.

    Heute konnte man in den sozialen, asozialen und sonst. Medien lesen: Bärgida= kleines Häufchen, Stoffel, Schwachmaten, so etwas sollten man untersagen, strunzdumme Hohlköpfe, eine Demokratin ärgert sich das die Polizei die Gegendemonstranten getrennt von den Bärgida Demonstranten hielt, Reichsbürger, braune Truppe.

    Also wer neutral eingestellt sich beide Gruppen angeschaut hat, konnte feststellen, die Gegendemonstranten fielen auf durch Gewalt, stören, schreien, pfeifen, Intoleranz und anti-demokratisches Verhalten. Die Bärgida Gruppe, hat eine Demo angemeldet, ging Demonstrieren, verletzte keine Gesetze, keiner von denen wurde verhaftet, es kam zu keinen Beleidigungen, man suchte das Gespräch und wollte informieren.

    Ich bin traurig, Gewalt ist nicht gut, lernt andere Meinungen zu gewaltfrei zu akzeptieren, auch wenn Euch diese Meinung nicht gefällt. Seit tolerant und lieb zueinander. Vielen Dank

  2. Hallo Sascha Schwalbe!

    Ich habe mir mit meiner Antwort auf Ihren Text etwas Zeit gelassen. Manche Dinge sollte man nicht spontan tun. Mit meiner Antwort will ich aber auch gleich einen Schlusspunkt setzen. Es wird also keine weitere Diskussion geben.

    Ich hätte mich ja sehr über einen längeren Kommentar gefreut, wenn er denn einer gewesen wäre. So muss ich ihn aber als Versuch verstehen, nur eine Pro-BÄRGIDA und Pro-AfD-Position breiter zu streuen, vor allem, wenn der gleiche Beitrag auf Facebook erschien. Es ist ja schön, seine eigene Sicht der Dinge zu schildern. Das meine ich ernst. Dies aber in Ignoranz eines bestehenden Beitrages zu tun, ohne auf ihn und die in ihm benannten Kritikpunkte zu den verbreiteten Ideen von BÄRGIDA einzugehen, kann ich nur als SPAM oder trollhaftes Verhalten ansehen – wenn ich mir die Diskussion auf Facebook anschaue. ansehen. Die stundenlange Diskussion auf Facebook hat Ihnen sicherlich viel Spaß gemacht. Auch dort sind Sie kaum auf die Argumente anderer eingegangen, sondern haben gebetsmühlenartig ein paar Gegenfragen gestellt.

    BÄRGIDA, mein Bericht: Nach dem Aufruf hier in Spandau Politik von … „den Nazis die Suppe (zu)versalzen“ hab ich mich erst einmal informieren wollen, warum der Multi-Kulti Trupp mit verschiedenen Staatsflaggen wedelnd denn „Nazi“ sein soll.

    Das hört sich so schön unschuldig an. Da macht sich man, ganz neutral, auf den Weg, um die Welt zu verstehen. Wer würde sich dies nicht immer wünschen. Nun ist jedem vernünftigen Menschen klar, dass es einen 100%ig neutralen Blick auf die Welt nicht geben kann. Also muss man so etwas auch nicht erwarten.

    Mich macht es immer etwas misstrauisch, wenn jemand gleich zu Anfang betonen muss, kein Nazi zu sein.

    Die BÄRGIDA-Truppe als Multikulti-Trupp zu bezeichnen, ist dann doch ein ziemlich extremer Euphemismus, der zeigt, dass es bei dem Versuch der Information und der nachfolgenden Beschreibung um eine sehr eigene Form ging, „denjenigen Anteil einer Beobachtung, der für den Empfänger einen Wert besitzt (=Information)“ zu bündeln und anderen mitzuteilen. Wer, trotz aller Informationen, die zu BÄRGIDA, PEGIDA, AfD und wie sie alle heißen, diesen Weg geht, muss wohl eine bestimmte Absicht damit verbinden. Das äußere Erscheinungsbild von Menschen macht diese noch lange nicht zu „Multikulti“.

    Ich hab noch nie soviel Gewalt in Spandau gesehen wie es die Gegendemonstranten gestern vorm Rathaus Spandau haben eskalieren lassen.

    Da zeigt sich, wie unterschiedlich Menschen die Welt betrachten können. Ihr Verständnis für Gewalt mag anders ausgeprägt sein, als es bei mir der Fall ist. Das ist schon okay. Das Publikum hat teilweise lautstark reagiert. Wenn das schon Gewalt ist … Körperliche Gewalt habe ich an keiner Stelle beobachten können. Nun gibt es gute Gründe, seine Stimme stärker zu erheben. Das ist für mich – in diesem Zusammenhang – noch lange keine Gewalt. Da fallen von Teilnehmern bei BÄRGIDA und PEGIDA ganz andere Worte. In einem normalen Gespräch miteinander könnte man manche Verhaltensweise durchaus als unhöflich bezeichnen.

    Sie sprachen in Ihrem Text von Verhaftungen. Die hat es meines Wissens nach nicht gegeben. Gewalt ging aber deutlich vom Inhalt der Reden der BÄRGIDA aus. Hier wurde Hass gepredigt. Einwanderer und den Islam an sich stigmatisierte man als das ultimate Böse. Flüchtlinge wurden sogar als Waffe, als „Migrationswaffe“, bezeichnet, die von obskuren Gestalten bewusst gegen Europa und Deutschland gelenkt würden. Da ist eine lautstarke Reaktion durch das Publikum durchaus im Rahmen. Solche Verschwörungstheorien sind durch nichts belegt. Ihre stete Wiederholung macht sie nicht wahrer, sie schüren vielmehr Gewalt.

    Sie erwarten Toleranz von den Gegendemonstranten, sind nicht bereit, denjenigen, die das Gegenteil von Toleranz predigen, die rote Karte zu zeigen? Sie selbst haben die Kritiker von BÄRGIDA als Deutschlandhasser bezeichnet und sogar in der Facebook-Diskussion gefordert, dass diese doch einfach auswandern sollen – was Sie selbst ja schon getan hätten.

    Das von BÄRGIDA verbreitete Gedankengut legt die Saat für Gewalt. Diese Erkenntnis ist nichts Neues, naja, für Sie möglicherweise. Wer immer wieder Feindbilder beschwört, muss sich nicht wundern, wenn Menschen dieses für bare Münze nehmen und entsprechend handeln. Die Zahl rechts-motivierter Gewalttaten lässt da wohl nur einen Schluss zu.

    BÄRGIDA nutzt gerne Symbole und Begriffe (Volksverräter, Lügenpresse …), die eindeutig ins rechte politische Spektrum gehören. Dies scheint Ihnen aber keinen Kommentar wert zu sein. Was darauf hindeutet, dass Sie diese Vorstellungen teilen.

    Gegen Deutschland und gegen das deutsche Volk, für den Volkstod.

    So bezeichnen Sie die Gegendemonstranten. Volkstod und Umvolkung sind von den Nazis belegte und genutzte Begriffe. Sie, die 35 Demonstranten, benutzen diese ganz ungeniert. Da könnte glatt die Vorstellung entstehen, dass Sie sich mit Ihrer Einleitung, wenn ich sie mal etwas umformuliere „ich bin ja kein Nazi, ABER …“ in dem verbalen Duktus von denjenigen bewegen, gegen die die Demonstranten zu Recht auf die Straße gegangen sind. Die haben sich nämlich bewusst für demokratische Werte, Toleranz und Offenheit eingesetzt, die es zu verteidigen gilt, wenn sie in Gefahr scheinen – und wenn man sich auf dem Boden von Recht und Gesetz bewegt.

    Einige Demonstranten haben auch nicht wegen der Nationalhymne an sich gepfiffen, sondern sie störten sich daran, in welchem Zusammenhang dies geschah. Die Demonstranten haben eben NICHT alle beleidigt, die nicht auf ihrer Seite standen. Die Mehrzahl der Beobachter im Publikum waren nämlich ruhig. Sie haben sich informiert, ihre Meinung gebildet oder auch gezeigt, wie wichtig es ist Präsenz zu zeigen. Die Pfiffe und wütenden Bemerkungen richteten sich gegen den verbreiteten Hass der sog. Multikulti-Truppe.

    (Der konkrete Anlass für Hoffmann, das Lied zu verfassen, waren französische Gebietsansprüche auf das Rheinland in der Rheinkrise. Diese Ansprüche wies er mit dem Lied zurück, wie es auch mit anderen deutschen Rheinliedern dieser Zeit geschah. Er ergänzte dies mit weiteren Gedanken, vor allem mit dem der deutschen Einigkeit, die allein die Voraussetzung für Abwehr feindlicher Angriffe jeder Größenordnung bieten könne (erste Strophe).

    1922, in der Weimarer Republik, wurde es auf Veranlassung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) zur offiziellen Nationalhymne Deutschlands bestimmt. Zur Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) wurde nur noch die erste Strophe gesungen, auf die das nationalsozialistische Horst-Wessel-Lied folgte. Nach 1945 kam es zu Diskussionen über die weitere Verwendung des Liedes, bis 1952 ein offizieller Briefwechsel zwischen Bundespräsident und Bundeskanzler dahingehend entschied, dass Das Lied der Deutschen insgesamt die Nationalhymne blieb, zu offiziellen Anlässen jedoch nur die dritte Strophe gesungen werden sollte. Nach der Wiedervereinigung wurde im Jahr 1991 in einem weiteren Briefwechsel zwischen Bundespräsident und Bundeskanzler die dritte Strophe zur Nationalhymne Deutschlands erklärt.

    (Quelle: Wikipedia)

    Wird also die erste oder zweite Strophe gesungen, ist das sicherlich nicht verboten. Es ist nur nicht die Nationalhymne, die kann dann auch kein Pfeifkonzert beleidigen, wie Sie es, Sascha Schwalbe, gerne unterstellen möchten. Man singt dann eben nicht die Nationalhymne.

    Es kommt immer sehr stark darauf an, in welchem Zusammenhang etwas geschieht. Wenn also auf einer Veranstaltung, die einen mindestens nationalistischen, wenn nicht in Teilen völkischen Charakter aufweist, dann kann „Deutschland, Deutschland über alles…“, durchaus auf eine bestimmte Art und Weise verstanden werden. Gegen genau diese Vorstellung richteten sich offensichtlich die pfeifenden Zuschauer.

    So, wie BÄRGIDA symbolhaft Fahnen schwenkte, so symbolhaft ist dann auch das Absingen der Hymne. Diesen Zusammenhang nicht sehen zu wollen, macht lässt Vieles klar werden.

    Ihrem Wunsch, in der Facebook-Diskussionen, endlich Fakten präsentiert zu bekommen, sind Sie selbst nicht gerecht geworden. Gegen welche Rasse ist die AfD, bitte sage es mir. … Ich esse kein Fleisch, die meisten von Euch schon. Was seid Ihr jetzt ? Warum könnt Ihr andere Meinungen nicht ab. Echt 33 … Und dann noch Ihr Hinweis, dass Sie mit einer Ausländerin verheiratet sind. Letzteres macht Sie weder zu einem guten noch zu einem schlechten Menschen – oder spricht Menschen generell davon frei, möglicherweise trotzdem rassistisch zu sein.
    Niemand will Ihnen Ihre Meinung streitig machen. Es hat die Facebook-Diskutanten nur verwundert, wie sehr sie die tendentielle Geisteshaltung von BÄRGIDA und Co. nicht wahrnehmen wollen. Sie wollten diesen Einwurf symbolhaft in Ihrem Sinne nutzen. Niemand hat thematisiert, was Sie privat machen, aber Sie mussten es unbedingt in die Diskussion einbringen. Doch wohl nur, um nicht auf echte Fragen antworten zu müssen. Übrigens, Belege für rassistische Äußerungen aus den Reihen der AfD gibt es genügend. Ihr wiederholter Wunsch nach einem Beleg, gegen welche Rasse denn die AfD speziell sein, zeigten Sie, dass es für Sie anscheinend Menschenrassen gibt. Biologisch lassen sich Menschen so nicht einteilen. Davon unabhängig gibt es natürlich rassistisches Verhalten.

    In Ihrem Text sind Sie zu keiner Zeit auf meine Beschreibung des bunten Fahnenmeers eingegangen welches die Demonstranten munter schwenkten. Entweder ist Ihnen die Symbolhaftigkeit entgangen oder Sie wollen sie nicht sehen. Das wäre doch der Beginn einer Diskussion gewesen. Die wollten Sie anscheinend aber nicht.

    BÄRGIDA und deren Sympathisanten wollen keinen Dialog. Das zeigt sich auch in den körperlichen und verbalen Übergriffen gegen echte oder vermeintlich anders denkende, die es auf den Veranstaltungen der vermeintlichen Retter des Abendlandes immer wieder gab. Es sei denn Sie gehen davon aus, dass die Videos, die dies belegen, alle Fake-News waren. Sie, die Abendland-Retter, sonnen sich in ihrer Opferrolle, die sie immer wieder gerne in den Vordergrund spielen. Gerade einmal 35 Personen haben den weiten Weg nach Spandau gefunden. Zwischen 100 und 150 sollen es regelmäßig am Hauptbahnhof sein. Das spricht nicht für eine große Bewegung. Kann es sein, dass diese Form von Populismus sich abnutzt, wenn man immer wieder die gleichen Phrasen anbringt, ohne echte Argumente zu liefern?

    Die Verbindung, gerade von BÄRGIDA, zur NPD, zur AfD, zu den Identitären, in die rechte Szeneallgemein und zu Reichsbürgern und die stete Wiederholung völkischen und nationalistischem Gedankengut ist mehr als genug belegt. Diese Zusammenhänge kann man kaum leugnen – es sei denn, man möchte es. Da genügt es auch nicht, in der Facebook-Diskussion einen Beleg für die Anwesenheit eines AfD-Mitglieds zu fordern. Es muss ja nicht immer jemand dabei sein. Sie selbst haben in der Facebook-Diskussion die Nähe von BÄRGIDA zu Reichsbürgern bewusst ignoriert. Das finde ich verwunderlich, da auf der Veranstaltung die „Neue Nationalhymne“ der Reichsbürger mindestens ein halbes Dutzend Mal gespielt wurde.

    Ich bin traurig, Gewalt ist nicht gut, lernt andere Meinungen zu gewaltfrei zu akzeptieren, auch wenn Euch diese Meinung nicht gefällt. Seit tolerant und lieb zueinander. Vielen Dank

    Ihr Schlusssatz auf Facebook ist so niedlich, klingt nach fast naivem Blick auf eine Welt, wie wir sie uns alle wünschen würden. Leider sagt Ihr selektiver Blick auf das Geschehen und die Ignoranz etwas anderes aus. Sie haben keinen neutralen Blick getan, um sich – und andere – zu informieren. Ich unterstelle, das war auch nie Ihre Absicht. Sonst würden nicht so konsequent die Aussagen von BÄRGIDA verharmlosen.

     

    Ralf

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