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Equal Pay Day in Spandau? Still ruht der See!

23. März 2012

Frauen verdienen weniger als Männer, auch in diesem Jahr …

Equal Pay day
Equal Pay day

Equal Pay Day, wird dieser „2.Muttertag“ genannt. In diesem Jahr fällt er auf den 18. März. Dieser Tag markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied, der nach Erhebungen des Statistischem Bundesamtes aktuell 21 Prozent in Deutschland beträgt. Umgerechnet sind dies 77 Tage, die Frauen mehr arbeiten müssen, um das gleiche Einkommen zu haben.

Sie haben in Spandau noch nichts darüber gelesen? Macht nichts, schließlich ist er geheim. Außer ein paar Eingeweihten kümmert sich eh niemand darum: „Gut, dass wir darüber geredet haben.“ Nach diesem Motto wird anscheinend verfahren – und dies nun schon seit 10 Jahren.

Infomaterial gibt es genügend

 

Wie alles begann

Wie so vieles hat dieser Tag seinen Ursprung in den USA. Der Equal Pay Day wurde dort 1966 durch das „National Committee on Pay Equity“ ins Leben gerufen. Seine Wurzel in Deutschland hat er in der „Initiative Rote Tasche“, die 2007 startete. Rote Taschen sollten augenfällig den Blick auf die Roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen lenken.

2008 wurde der Equal Pay Day, also „Tag für gleiche Bezahlung“, als internationaler Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen, erstmals in Deutschland durchgeführt. Am Equal Pay Day soll auf die deutlich unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen hingewiesen werden. Das gilt so natürlich nicht überall, ja, es soll sogar Berufe geben, in denen Frauen erheblich mehr verdienen, als Männer. Trotzdem kann man diese vereinfachende Aussage so stehen lassen.

Das Datum des Equal Pay Day, der 21. März. markiert den Zeitraum, den eine Frau über den Jahreswechsel hinaus arbeiten muss, um den Jahresverdienst ihrer männlichen Kollegen zu erreichen. Je nach statistischen Erhebungen sollen die Gehaltsunterschiede mal mehr oder weniger ausmachen. Der Termin ist also erst einmal symbolisch zu verstehen.

Warum wandert der Tag?

Wikipedia: Der erste Equal Pay Day in Deutschland fand am 15. April 2008 auf Initiative des BPW statt. Das Berufs-Frauennetzwerk übernahm damit zunächst das in Amerika festgelegte Datum für den Aktionstag. 2009 entschied man sich dafür, den Tag anhand der aktuellen Zahlen zum Entgeltunterschied von Frauen und Männern zu errechnen. In Deutschland errechnet sich das Datum des Equal Pay Day seit 2009 nach folgender Formel: 52 Wochen/Jahr mal 5 Arbeitstage/Woche = 260 Arbeitstage/Jahr mal statistisch aktuell ermitteltem Entgeltunterschied in Prozent. 2009 fand der Equal Pay Day am 20. März, 2010 am 26. März und 2011 am 25. März statt. 2012 fiel der Tag auf den 23. März und in diesem Jahr auf den 18. März.

Die Ursachen des Entgeltunterschieds

Die Ursachen des geschlechtsspezifischen Lohngefälles sind vielfältig. Verschiedene Forschungsaufträge des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend haben ergeben, dass sich die wesentlichen Kausalzusammenhänge des Gender Pay Gap auf drei Ursachen zurückführen lassen:

  • Frauen arbeiten häufiger in schlecht bezahlten „typischen Frauenberufen“
  • Frauen fehlen in bestimmten besser bezahlten Berufen, Branchen und auf den höheren Stufen der Karriereleiter: die horizontale und vertikale Segregation des Arbeitsmarktes ist weiter Realität.
  • Frauen unterbrechen und reduzieren ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger familienbedingt.
  • Individuelle und kollektive Lohnverhandlungen haben gleichermaßen nicht nachhaltig dazu beitragen können, die Schlechterbewertung „typischer Frauentätigkeiten“ zu beenden.

Gleichzeitig stellt die Lohnlücke selbst einen fortbestehenden Fehlanreiz für das Erwerbsleben von Frauen dar. Schlechtere Einkommensaussichten führen zu niedriger Erwerbsneigung; längere Erwerbsunterbrechungen führen zu mehr Entgeltungleichheit – ein Teufelskreis. Damit ist Entgeltungleichheit einerseits Folge überkommener Rollenvorstellungen und andererseits festigt sie die geschlechtshierarchische Verantwortungsteilung in Partnerschaften. Frauen, die durch Arbeitslosigkeit des Mannes, Tod des Partners oder Scheidung zur Familienernährerin werden, müssen ihre Familie dann mit dem niedrigeren Fraueneinkommen versorgen. Die Armutsrisiken dieser Familien sind durch die Entgeltlücke mit verursacht. (Quelle: Wikipedia)

Die oben genannten 21 Prozent ergeben sich bei einem Vergleich der durchschnittlichen Einkommen. Diese Zahl ergibt sich u.a. weil Frauen häufiger nicht in Vollzeit und in weniger gut bezahlten Jobs arbeiten. Betrachtet man dagegen gleiche Tätigkeiten und Qualifikationen, sieht es schon anders aus. Bereinigt um die genannten Ursachen, kommt man „nur“ noch auf ein Lohngefälle von etwa 6 Prozent, so die Statistiker. Manch einer argumentiert dann, dass dies fast schon im Bereich statistischer Schwankungen läge und somit kaum mehr eine Aussage hätte.

Die ehemalige Frauenministerin Kristina Schröder fragte dazu am 18.3. auf Twitter, ob dies nicht eher eine freie Entscheidung (freiwillige Berufswahl), als ein Problem wäre… So kann man es natürlich auch sehen…

Christina Schröder zur ungleichen Einkommensverteilung (Bild: Twitter)
Christina Schröder zur ungleichen Einkommensverteilung (Bild: Twitter)

Equal Pay Day am Ende?

21 ist die symbolische Zahl des Equal Pay Day, auch wenn die Statistik in jedem Jahr neue Zahlen präsentiert. An diesem Tag werden an manchen Orten Dienstleistung und Verkaufsangebote von den Beteiligten für Frauen um 21 Prozent günstiger angeboten. Der Aktionstag ist Teil der Strategie der Bundesregierung, Lohnunterschiede bis 2020 auf 10 Prozent zu senken. Ein Tag für Schnäppchenjäger? Sogar Männer kommen bei einigen Anbietern in den Genuss solcher Vergünstigungen. In Spandau scheint 2017 niemand ein solches Angebot in Erwägung zu ziehen. Im letzten Jahr waren es gerade noch zwei Anbieter.

Anfangs beteiligte sich durchaus eine merkbare, aber nicht besonders bemerkenswerte Anzahl von Firmen, Institutionen und Einzelpersonen an dieser Initiative. Schaut man sich die Internetseite „21-Prozent“ der Initiative des Equal Pay Day an, scheint 2017 keine Aktion mehr stattzufinden.

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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