Charlottenburg-Wilmersdorf, der Teufelsberg im Grunewald mit Radarstation

Erkundung der Wehrtechnische-Fakultät im Grunewald

Die Geheimnisse des Teufelsbergs

Spandauer Erinnerungen von Jörg Sonnabend 1946 – Teil 2

Charlottenburg-Wilmersdorf, der Teufelsberg im Grunewald mit Radarstation
Charlottenburg-Wilmersdorf, der Teufelsberg im Grunewald mit Radarstation - Foto: Ralf Salecker

Es begann also unser erster Erkundungsgang. Nach Dem Betreten des Gebäudes umfing uns eine schummrige Atmosphäre, nur durch die Fensteröffnungen fiel etwas Sonnenlicht ein. Alles war nur grauer, roh gegossener Beton. Steine und anderer Bauschutt lagen herum. Jeder Schritt wirbelte Staubwolken auf. Die Aufgänge im Treppenhaus waren nur schräge Betonflächen ohne Stufen. Treppengeländer waren nicht vorhanden.

Es war also schon ein gefährliches Unternehmen, nur dass wir uns damals der Gefahr nicht bewusst waren. Stockwerk um Stockwerk wurde erkundet, kleinere und größere Säle entdeckten wir. Die größeren Säle sollten bestimmt einmal als Hörsäle fungieren. Aber überall das gleiche Bild: Bauschutt mit einer dicken Staubschicht bedeckt.

Als Überbleibsel des Krieges fanden wir eigenartigerweise auch noch deutsche Gewehrpatronen, vielleicht hatten sich hier während der Endkämpfe Soldaten verschanzt. In einem der Räume entdeckten wir Papiersäcke mit farbigen Glassteinchen. Die Säcke waren aufgerissen und die bunten Steinchen waren auf dem Betonboden verstreut. Es handelte sich um ca. 20 x 30 mm große farbige Mosaikteilchen, vorherrschend waren die Farben gold, rot, schwarz und weiß. Die Bedeutung dieser Mosaikteilchen sollte uns bei weiteren Erkundungen noch bewusst werden.

Nachdem wir uns die Hosentaschen mit diesen Glassteinchen vollgestopft hatten setzten wir unseren Rundgang fort. Neues gab es aber nicht mehr zu entdecken, überall nur grauer staubiger Beton. Wir traten den Rückweg an und befanden uns wieder im Erdgeschoss. Es blieb nur noch das Untergeschoss bzw. der Keller. Die Treppenschrägen setzten sich nach unten fort und endeten irgendwo im Dunkeln.

Wir tasteten uns noch eine Etage nach unten und standen ziemlich im Dustern, wie wir Berliner sagen. Unsere Taschenlampe war am Ende und wir trauten uns nicht weiter. Steine, die wir in den Treppenschacht warfen brauchten einige Zeit bis zum Aufschlag. Wir vermuteten, dass es noch weitere Untergeschosse gab. Aber um hier weiter vorzudringen fehlte uns doch der Mut. Der Rückzug war angesagt und nach kurzer Zeit standen wir wieder vor dem Gebäude.

Nach der langen Zeit in der Dämmerung des Gebäudes, empfanden wir das Sonnenlicht jetzt besonders hell. Wie ich eingangs erwähnte befand sich an der Innenseite des Gebäudes ein Arkadengang, der sich bestimmt mal über den ganzen Hof erstrecken sollte. Als wir zur Decke der Arkaden blickten war uns der Verwendungszweck der gefundenen Mosaiksteinchen klar: an der Decke befand sich ein farbiges Mosaik. Noch nicht fertig aber es war schon einiges zu erkennen. Dargestellt waren Hakenkreuze, Adler und andere nationalsozialistische Symbole, genaues kann ich aber nicht mehr beschreiben.

Damit war unsere erste Erkundung der „Wehrtechnischen Fakultät“ beendet und wir traten hungrig und etwas verstaubt den Rückzug nach Pichelsdorf an. Wir haben diese Ausflüge noch einige Male wiederholt, bis das Interesse so im Jahre 1947 erlahmte und wir uns anderen „Abenteuern“ zuwandten.

Ab 1951 wurden hier die Trümmer der ehemaligen Reichshauptstadt bis zu einer Höhe von 115 Metern aufgeschichtet und damit die „Wehrtechnische-Fakultät“ begraben. Erst in späteren Jahren als ich mit meiner Frau Wanderungen durch den Grunewald und über den Teufelsberg unternahm fiel mir ein, dass sich ja unter diesem „Hügel“ noch Gebäude befinden müssen. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass man sich damals die Mühe gemacht hat diesen Betonklotz abzureißen.

Ein sog. Berliner Heimatforscher, dem ich mal diese Geschichte erzählt habe entgegnete mir skeptisch und wollte mir keinen Glauben schenken. Versichern kann ich nur, dass ich alles so erlebt habe und die Lage sich so darstellte. Die genaue Höhe und auch die äußeren Umrisse des Gebäudefragments können natürlich von meiner Schilderung abweichen, meine Erinnerungen sind immerhin 65 Jahre alt. Es gibt aber bestimmt noch genaue Pläne und Unterlagen. Der Teufelsberg hat sich so in die grüne Landschaft des Grunewalds eingefügt, dass ich heute eigenartiger Weise nicht mehr sagen kann unter welcher Stelle des Berges sich die Gebäudereste befinden.

Ein anderes angefangenes Bauvorhaben, dass auch mit der Planung der „Hochschulstadt-Berlin“ in Verbindung stand, aber heute überhaupt nicht mehr erwähnt wird ist die U-Bahn Verbindung dorthin. Geplant war eine U-Bahnlinie vom Theodor-Heuss-Platz (im Kriege noch Adolf-Hitler-Platz) über den Bahnhof Heerstraße zur Hochschulstadt. Auch diese angefangene Baustelle wurde bei Kriegsbeginn stillgelegt. Für diese U-Bahnlinie, die in offener Bauweise ausgeführt werden sollte, war vom Theodor-Heuss-Platz bis in Höhe des Bahnhof Heerstraße der Fahrschacht bereits ausgehoben und mit Stahlträgern gesichert.

Der Verlauf der Linie war, vom „Theo“ aus gesehen, links neben dem Gleiskörper der Straßenbahn. Da man bei Kriegsbeginn die Ausschachtung rechts und links mit einem Bauzaun sicherte, fuhr man während des ganzen Krieges vom „Adolf-Hitler-Platz“ bis zum Bahnhof Heerstraße mit der Straßenbahn an einer hohen Bretterwand vorbei. Erst nach dem Kriege schüttete man diese Baustelle wieder zu und brachte die Heerstraße wieder auf ihre ursprüngliche Breite.

In Spandau ging zu dieser Zeit das Gerücht um es handelt sich hier um die Anfänge einer, zu damaliger Zeit sehr herbei gewünschten, U-Bahnlinie nach Spandau.

Es gibt in Berlin einen Verein der sich mit den „Berliner Unterwelten“ beschäftigt. Vielleicht kommt diese Gruppe mal auf die Idee, die Geheimnisse des Teufelsbergs zu lüften.

 

Jörg Sonnabend

2011

 

Ende Teil 2 von 2

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