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Evangelisches Johannesstift Spandau

Am Rande des Spandauer Forstes gibt es einen stillen Ort<\/h2>

Kommt der Besucher von der Bushaltestelle zum Haupteingang des Stiftes, dann wird er von dem sich bietenden Blick, durch die Platanenallee in Richtung Stiftskirche, beeindruckt sein. Die von Backsteinhäusern gesäumte Allee endet auf einem Platz vor der Kirche. Linker Hand erweckt der künstlerisch gestaltete Samariterbrunnen die Aufmerksamkeit.
Die Stiftskirche ist das geistige Zentrum und spiegelt durch die exponierte Lage ihren Stellenwert wider. Sie wurde nach Plänen des Architekten Otto Kuhlmann gebaut. Sie hat als Grundriss die Form eines lateinischen Kreuzes. Ihr 56 Meter hoher Turm, mit dem barock geschwungenen Helm, geht in ein Oktogon mit großer Laterne über. Den Abschluss bilden Knauf und Kreuz.


Hinter der Kirche befindet sich der große Festsaal. Außerdem gibt es ein Hotel, ein Krankenhaus, eine Schule, eine Buchhandlung, ein Schwimmbad, eine Gärtnerei und diakonische Einrichtungen.
Das 75 Hektar große Gelände wurde als Park angelegt und hat mit seiner geschlossenen Architektur ein besonderes Ambiente. Alter Baumbestand, ein Karpfenteich und weite Wiesen strahlen Ruhe aus. Empfehlenswert ist ein Besuch des beliebten Erntedankfestes am Sonntag nach dem Michaelistag (29. September) und zu Weihnachten. Der angrenzende Mischwald mit dem Teufelsbruch und ein nahe gelegenes Wildgehege laden zu längeren Wanderungen ein.
Das Evangelische Johannesstift zählt zu den ältesten diakonischen Einrichtungen in Berlin und befindet sich seit über 100 Jahren an der Schönwalder Allee in Spandau. Gegründet wurde es von Johann Hinrich Wichern aber in Berlin-Moabit. Dafür wurde in einem Wohnhaus, unweit des Gefängnisses Berlin-Moabit, in dem „Brüder“ als Gefängnisaufseher arbeiteten, eine Etage angemietet.
Es war eine Ausbildungsstätte, ein so genanntes „Brüderhaus“, für Diakone – für junge evangelische Männer, die zu christlichen Sozialarbeitern und -pädagogen ausgebildet werden sollten.
Wichern war von der Idee der Inneren Mission und Nächstenliebe durchdrungen. Nachdem er im Jahr 1832 eine Stelle als Oberlehrer in der Evangelischen Kirchengemeinde St. Georg angenommen hatte und das Elend in diesem Stadtteil Hamburgs sah, gründete er 1833 das „Rauhe Haus“ – eine Einrichtung, die sich „die Rettung verwahrloster und schwer erziehbarer Kinder“ zur Aufgabe machte. Im Jahr 1848 gründete er dann die erste deutsche Stadtmission. Sie hatte neben der Rechristianisierung der dem Christentum entfremdeten Bevölkerungsteile auch das Ziel Hilfe für Menschen in sozialen Notlagen zu sein.
Ein großes Anliegen Wicherns war es die Gefängnisreform des Preußischen Königs Friedrich Wilhelm?IV. mit seiner Idee der Inneren Mission zu durchdringen und umzusetzen. Mit seinen Ratschlägen wurde 1842 das neue Preußische Mustergefängnis Moabit gebaut, dessen Direktor er im Jahr 1857 wurde.
Im Jahr 1858 gründete er das Evangelische Johannesstift, das 1864 aus Platzgründen nach Plötzensee, in die Nähe des dortigen Gefängnisses, zog. An diesem Standort scheiterte er mit seiner Unterstützung der preußischen Gefängnisreform, weil aus den Vorstellungen, einen neuen Typ von Gefängnisaufseher auszubilden, welcher die Gefangenen nicht nur beaufsichtigt, sondern sie auch sozial, menschlich und seelsorgerisch betreut, nichts wurde. So hieß die neue Aufgabe: Pflege und Therapie für alte, junge und behinderte Menschen.
Auf dem in Plötzensee erworbenen Gelände wurden Schulen, Wohnhäuser, Werkstätten und eine Kirche gebaut. Mit dem Erwerb dieses Stiftgeländes und seinem Ausbau fand die Gefängnisarbeit ein Ende. Angebote für Menschen mit Behinderung und Armenpflege waren die Arbeitsschwerpunkte und wurden eine Wurzel der Berliner Stadtmission.
Im Jahr 1910 mußte das Gelände verkauft werden, weil dort der Westhafen gebaut wurde. Von dem Erlös konnte das Grundstück am heutigen Standort in Spandau gekauft und bebaut werden. Nach Plänen der Architekten Hermann Solf und Franz Wichard entstanden 30 Häuser und die  Stiftskirche.
Für das Evangelische Johannesstift folgten bis zum heutigen Tag ereignisreiche und zum Teil schwere Jahre. Alle historischen Epochen (Erster Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise, Drittes Reich, Zweiter Weltkrieg, Bau der Berliner Mauer, Kalter Krieg, Wiedervereinigung Deutschlands) wurden mehr oder weniger gut überstanden.
Seit 1993 werden in die Diakonausbildung auch Frauen aufgenommen. Aus der Diakonengemeinschaft wurde eine Schwestern- und Brüderschaft.
Ursprünglich wurde das Evangelische Johannesstift mit dem Auftrag, Armen, Kranken, Gefangenen und Kindern zu helfen, gegründet. Dieser Auftrag wird heute von den 2 000 Mitarbeitern des Stiftes in der Altenhilfe, Behindertenhilfe, Jugendhilfe und diakonischen Ausbildung  verantwortungsvoll erfüllt.

Peter Siebke

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