Flüchtlingsunterkunft in der Freudstraße (Bilder: Gewobag)

Flüchtlingsunterkunft in der Freudstraße

Gewobag und Bezirksbürgermeister informierten die Anwohner

Flüchtlingsunterkunft in der Freudstraße (Bilder: Gewobag)
Flüchtlingsunterkunft in der Freudstraße (Bilder: Gewobag)
Flüchtlingsunterkunft in der Freudstraße (Bilder: Gewobag)
Flüchtlingsunterkunft in der Freudstraße (Bilder: Gewobag)

In der Freudstraße 4 Ecke Kraepelinweg 23 im Falkenhagener Feld wird die Gewobag eine Unterkunft in modularer Bauweise für Flüchtlinge errichten. Baubeginn ist voraussichtlich der September 2016. Die Fertigstellung ist für den Mai 2017 geplant. Direkt im Anschluss sollen dann Flüchtlinge dort einziehen. Später werden diese Wohnungen dann nach kleinen Umbaumaßnahmen als reguläre Wohnungen angeboten.

Diese Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge ist eine von 12, die berlinweit von städtischen Wohnungsgesellschaften errichtet werden. 10 weitere lässt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt selbst bauen. Insgesamt 60 entstehen bis 2018 in unterschiedlicher Bauweise in ganz Berlin. Im Idealfall sind diese Bauten nach drei Jahren als reguläre Wohnungen zu nutzen. Das wird die Zeit zeigen. Die Errichtung dieser Unterkünfte ermöglicht es u.a., nach und nach alle Turnhallen wieder für die reguläre Nutzung freizumachen.

Gewobag, Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank und der Staatssekretär für Soziales Dirk Gerstle informierten die Anwohner über das Vorhaben und stellten sich den Fragen aus dem Publikum. Als Gast berichtete Susan Hermenau, die Pressesprecherin von Prisod, einem Betreiber von Flüchtlingsunterkünften, über die Erfahrungen ihrer Arbeit mit Flüchtlingen.

Flüchtlingsunterkunft in der Freudstraße (Bilder: Gewobag)
Flüchtlingsunterkunft in der Freudstraße (Bilder: Gewobag)

kraepelinweg-info-04Im Jahr 2015 sind etwa 80.000 Flüchtlinge nach Berlin gekommen. Diese müssen selbstverständlich menschenwürdig untergebracht werden. Der Senat hat beschlossen, mehr Wohnraum auf landeseigenen Grundstücken zu errichten. Der in der Hauptstadt ohnehin angespannte Wohnungsmarkt muss sich diesem Problem stellen. Inzwischen kommen deutlich weniger Flüchtlinge nach Berlin. Auch wenn der Handlungsdruck auf dieser Seite nicht mehr so groß ist, bleibt die Notwendigkeit, möglichst schnell vernünftigen Wohnraum zu schaffen, eine der wichtigsten Fragen.

Die städtischen Wohnungsgesellschaften haben auf die Anforderung des Senats reagiert und möglich Bauflächen benannt. In den Entscheidungen erfolgt immer eine Abwägung zwischen Vor- und Nachteilen alternativer Orte. So wurde z.B. das nichtgenutzte Parkdeck an der Stadtrandstraße als zu klein in der Fläche zugunsten des Baus in der Freudstraße verworfen.

Die Reaktionen der jeweiligen Nachbarschaft, wenn eine Flüchtlingsunterkunft geplant ist, sind meist recht ähnlich. Deutliche Ablehnung wird von einigen besonders lautstark artikuliert. „Sollen doch die Wohnungen anderswo errichtet werden, nur nicht bei uns in der direkten Umgebung“. Das Sankt-Florians-Prinzip wird immer wieder gerne angewandt.

Nun kann nicht jede „Freifläche“ einfach so bebaut werden. Das wäre schön, ist aber nicht durchführbar. Im Fall der Freudstraße ist die Gewobag, als eines von derzeit sechs kommunalen Wohnungsunternehmen in Berlin, der Bauherr. Es ist nachvollziehbar, dass eine Bauentscheidung nur für Grundstücke getroffen werden kann, die sich auch im Eigentum des jeweiligen Wohnungsunternehmens befinden.

Immer wieder werden von Anwohnern Beispiele von freien Flächen in den Raum geworfen, die man doch „einfach“ bebauen könne. Nicht jede freie Fläche im Bezirk ist dafür geeignet. Abgesehen von den Eigentumsverhältnissen gibt es zu beachtende Bebauungspläne – oder Grundstücke müssten erst teuer und langwierig erschlossen werden. Das Geländer der ehemaligen Landesnervenklinik ist da nur ein Beispiel dafür, dass die Wirklichkeit keine Rücksicht auf Wünsche nimmt.

Zu Beginn der Veranstaltung wies die Gewobag darauf hin, dass sie nicht nur diese Flüchtlingsunterkunft vor Ort errichtet, sondern ihren Anteil zum dringend notwendigen Wohnungsbau in ganz Berlinbeiträgt. Leider wurde dieser Hinweis notwendig, weil wieder einmal der Vorwurf geäußert wurde, es würde ja „nur für Flüchtlinge“ gebaut.

Der modulare Neubau

Von außen wird man dem Gebäude die modulare Bauweise nicht ansehen. Aus vorgefertigten Bauteilen ist schnell ein Haus zu errichten, ohne dass die Qualität darunter leidet. Es wird also kein Container-Dorf entstehen, wie von manchen vermutet. Insgesamt entspricht das neue Haus allen energetischen Anforderungen an eine moderne Wohnunterkunft. Alle Grundrisse für den Bau sind schon festgelegt. Sie werden später – in der Nachvermietung als reguläre Wohnung – etwas angepasst. Zusätzliche Kosten für die nachfolgenden Mieter entstehen nicht, so die Auskunft vom Diskussionspodium.

Die mögliche Gesamtwohnfläche in der Freudstraße 4 Ecke Kraepelinweg 23 beträgt fast 4.000 Quadratmeter. Etwa 320 Flüchtlinge können dort später einziehen. 8,8 Millionen Euro sind als Baukosten für den 7-stöckigen Neubau in modularer Bauweise veranschlagt, der in nur 9-monatiger Bauzeit fertiggestellt werden soll.

Das Gelände soll vollständig mit einem Zaun umgeben sein, ein Umstand, der viel Kritik erntete. Integration und Zaun sind für die Kritiker nur schwer in Einklang zu bringen sein. Weder die Gewobag als Bauherr, noch der Bezirksbürgermeister möchten dies, weisen aber darauf hin, dass der Zaun eine Forderung des LaGeSo ist. Zukünftig könnte sich hier möglicherweise noch etwas ändern.

Zwischen Neubau und Gehweg entlang der Freudstraße und ein Stückchen am Kraepelinweg wird es einen Grünbereich geben, der als Platz für die Muldenentwässerung vorgesehen ist. Regenwasser kann hier oberirdisch in flachen Mulden gesammelt werden, welches dann langsam versickert oder verdunstet. Regenwasser landet so nicht einfach in der Kanalisation.

Hinter dem Gebäude liegt eine Grünfläche, die sich in unterschiedliche Nutzbereiche gliedert: Spielplatz, Freizeitfläche, Picknick-Areal und Fahrradstellfläche. An der rechten Stirnseite des Gebäudes werden sich ein Wachcontainer befinden, Parkflächen für den Sicherheitsdienst und ein separater Müllplatz.

Nicht alle Räume sind Wohnräume. Im Erdgeschoss wird es zusätzlich Aufenthalts-, Wasch- und Beratungsräume sowie Kinderwagenabstellplätze geben.

Das LaGeSo wird die Wohnungen anmieten und einen Betreiber für die Flüchtlingsunterkunft suchen. In der Nachnutzung entstehen daraus 71 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen von 38 bis 76 Quadratmetern.

Die Gewobag verfügt im Gebiet Freudstraße, Kraepelinweg und Falkenseer Chaussee über 186 1-Zimmer-Wohnungen, 107 2-Zimmer-Wohnungen, 291 3-Zimmer-Wohnungen und 1 4-Zimmer-Wohnung. Mit dem Neubau kämen später je 12/34/19 und 6 dazu.

Erfahrungen von Betreibern der Flüchtlingsunterkünfte

In eine Gemeinschaftsunterkunft kommen Flüchtlinge, die eine längere Bleibeperspektive haben. Zu Beginn der Nutzung einer Flüchtlingsunterkunft geht es darum festzustellen, wieviel Kinder in Kitas oder Schulklassen untergebracht werden müssen. Im Regelfall kommen alle schulpflichtigen Kinder für ein Jahr in sog. Willkommensklassen, welche den regulären Schulen angedockt sind. Hier sollen sie ausreichend Deutsch-Kenntnisse erwerben, um anschließend an normalen Unterricht teilnehmen zu können. Sie sind es meist dann auch, die als Sprachmittler zu ihren Eltern auftreten.

In der Regel vergeht rund ein halbes Jahr, bis sich in einer neugeschaffenen Unterkunft alle Vorgänge eingespielt haben. Sozialarbeiter sind als Betreuer vor Ort tätig.

Erfahrungsgemäß wollen die Flüchtlinge nicht nur die passiven Nehmer von Leistungen sein. Sehr oft kommt die Frage, was sie selbst leisten können, um sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen

Gerne werden anfangs gängige Vorurteile bemüht, wenn es um die Eröffnung einer Flüchtlingsunterkunft geht. Probleme mit der Nachbarschaft, zunehmende Gewalt und Eigentumsdelikte sowie eine verstärkte Verschmutzung der nahen Umgebung treten dabei als die häufigsten Aussagen auf. In der Realität lässt sich diese anfängliche Angst nicht bestätigen, wenn nach einer gewissen Zeit die Umgebung befragt. Die Erfahrung an anderen Standorten zeigt, dass z.B. Verschmutzungen Flüchtlingen zugeschrieben wurden, zu Zeitpunkten, als Einrichtungen noch nicht einmal in Betrieb waren. Anderswo ging es um Verschmutzungen, die ohnehin schon vor Ort existierten, also ebenfalls nichts mit den Flüchtlingen zu tun hatten.

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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