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Gartenstadt Staaken, Modell für eine planmäßigen Stadtentwicklung

Modell für eine planmäßigen Stadtentwicklung

Der Brite Howard entwarf im Jahr 1898 das Modell der planmäßigen Stadtentwicklung. Es sollten keine unkontrollierten Stadtviertel an den Rändern der Großstädte wachsen. Deshalb sah das erste Gartenstadt-Konzept im Jahr 1902 so aus: Kleine Wohnstädte werden ringförmig um den Kern der Großstadt angeordnet, mit ihm sternförmig durch Straßen vernetzt und untereinander ringförmig verbunden.

Das Grundkonzept der Gartenstadt sollte so aussehen: Um einem zentralen Platz werden die öffentlichen Gebäude angeordnet. Es folgt ein erster konzentrischer Parkring und ein zweiter,  breiterer Ring, mit Wohngebäuden. In der Ringmitte befindet sich ein Grüngürtel, in dem Schulen, Kirchen und Spielplätze ihren Platz haben.
Im Jahr 1903 entstand die Gartenstadt Letchworth. Sie wurde, abweichend vom kreisrunden Konzept Howards, betont unregelmäßig gebaut.
Die auch in Deutschland Anklang findende Gartenstadt-Idee führte in Berlin im Jahr 1902 zur Gründung der Deutschen Gartenstadt-Gesellschaft (DGG). Die erste deutsche Gartenstadt entstand ab dem Jahr 1909 in Hellerau.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden von Genossenschaften Wohnsiedlungen erbaut, um  günstigen Wohnraum zu schaffen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb von der Idee der Gartenstadt das Einfamilienhaus mit Garten als Ideal übrig.
Unbedingt zu erwähnen ist die im Jahr 1913 als Genossenschaft gegründete Gartenstadt Staaken. Dafür wurden 350 000 Quadratmeter Ackerland außerhalb der Stadt gekauft. Das Gelände wurde der Genossenschaft in Erbpacht übergeben. Die neue Siedlung sollte Wohnraum für die in den Spandauer Rüstungsbetrieben Beschäftigten bieten.
Staaken wurde erstmals im Jahr 1273 urkundlich als Dorf Stakene erwähnt. 1295 gelangte das  Dorf Staaken durch Kauf in den Besitz der Stadt Spandau. Die Dorfkirche wurde im 14. Jahrhundert gebaut. Im Jahr 1900 wurde Staaken an die Lehrter Bahn angeschlossen.
1920 erfolgte im Rahmen der Gründung von Groß-Berlin die Eingemeindung Staakens in den Berliner Bezirk Spandau.
Im Rahmen eines Gebietsaustausches wurde Staaken im Jahr 1951 geteilt. Der westliche Teil wurde gegen Teile der Gemeinden Groß-Glienicke und Seeburg ausgetauscht. Grund des Tausches war der Ausbau des Flugplatzes Gatow für die britische Besatzungsmacht. Die  Dorfkirche lag nun in dem von der DDR verwalteten Gebiet. West-Staaken wurde in die Stadt Falkensee eingegliedert. Nach der Wiedervereinigung wurden die getrennten Ortsteile wieder im Berliner Bezirk Spandau zusammengeführt.
Der westliche Teil Staakens wurde seit 1914 durch Industriebetriebe geprägt. Da waren der Flugplatz Staaken, die Zeppelin- und Filmwerke sowie das Reichsbahnausbesserungswerk, welches ab 1942 als DEMAG-Panzerwerk fungierte.
Von der Abtrennung West-Staakens war die Gartenstadt Staaken nur zum Teil betroffen, denn ihr  ursprüngliches Gebiet erstreckt sich auf einem Gelände zwischen der Lehrter und Hamburger Bahn. Es wird im Osten von der Hackbuschstraße und im Westen vom Finkenkruger Weg, auf dem von 1951 bis 1989 die Grenze verlief, begrenzt. Es liegt nördlich des eigentlichen Dorfes Staaken.
Die Planung der Gebäude der Gartenstadt erfolgte durch den Architekten Paul Schmitthenner und die der Außenanlagen durch den Gartenarchitekten Ludwig Lesser.
In seinem Entwurf für die Gartenstadt Staaken berücksichtigte Paul Schmitthenner die stadtplanerischen und finanziellen Vorgaben. In einem klaren System von Straßen und Plätzen wurden nur fünf Haustypen zu Hausgruppen zusammengesetzt. Sie wurden aus standardisierten schlichten Fassaden- und Ausbauelementen gebaut.
Durch die Verwendung der Materialien Verputz und Backstein und die Gestaltung der Freiräume zwischen den Häusern, erhielt jedes Haus eine eigene Note.
Am 1. Dezember 1914 konnten die ersten Wohnungen bezogen werden. Danach wurde die Schule, mit den am Eingang befindlichen farbigen Terrakottafiguren von Prof. Th. v. Gosen, erbaut. Im Jahr 1917 wurden weitere Häuser und eine zweite Schule errichtet.
Im Jahr 1922 wurde eine evangelische Kirche und 1924 ein Feuerwehrhaus gebaut. Ein neues Verwaltungsgebäude entstand nach Plänen des Architekten Carl Derleder.
Im Zweiten Weltkrieg wurden 18 Wohnhäuser und das kleine Kaufhaus zerstört.
Der Bau der Mauer im Jahr 1961 entlang des Finkenkruger Weges war ein Einschnitt für das Leben in der Gartenstadt. Im März 1990 wurde die Grenze am Torweg in der Gartenstadt Staaken wieder geöffnet.
Im Jahr 2002 kaufte die Genossenschaft die Grundstücke, auf denen ihre Gebäude stehen.
Die Gartenstadt Staaken zählt zu den fortschrittlichsten Siedlungen ihrer Zeit. Sie hatte großen Einfluß auf die Gestaltung vieler Berliner Siedlungen der 1920er Jahre. Deshalb wurde sie 1986 unter Denkmalschutz gestellt.

Peter Siebke

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