Blick zur Wasserstadt Spandau

Gutspark Groß Glienicke in Spandau

Ein alter Park erwacht langsam aus dem Dornröschenschlaf

Ein Rittergut in Spandau? Wo ist dann die dazugehörige Burg? Wie gelange ich dort hin?

Wer von Spandau kommend auf der Potsdamer Chaussee unterwegs ist, kann auf dem Ritterfelddamm Richtung Kladow weiterfahren oder  weiter über die Potsdamer Chaussee nach Potsdam reisen. Am Ritterfelddamm ist rechter Hand ein großes, an ein Märchenschloss erinnerndes neogotisches Eingangsportal (Spandauer Tor 1) zu erkennen. Das Portal ist mehr als sanierungsbedürftig, darum dürfte auch kaum jemand neugierig sein, was sich dahinter verbirgt – es sein denn, Sie sind auf dem Mauerradweg (was auf der Westseite des Glienicker Sees etwas schwierig werden könnte) unterwegs, dann kennen Sie es.

Gutspark Groß Glienicke, Potsdamer Tor

Etwas anders sieht es aus, wenn man von der Groß Glienicker Seite das schönere Potsdamer Tor 2 erblickt. Für viel Geld wurde es saniert. Schmuck und einladend wartet es auf Besucher.

Ein Teil des Gutsparks gehört zu Kladow, der andere zu Groß Glienicke. Bei diesem Namen dürfte vielen ein Licht aufgehen. Natürlich, der Glienicker See, eine der schon zu Mauerzeiten viel besuchten Badestellen Spandaus. Mitten durch den See verlief die Grenze.

An dessen Nordspitze lag das ehemalige Rittergut Groß Glienicke.  Schon als Theodor Fontane seine Wanderungen durch die Mark Brandenburg schrieb und in Groß Glienicke halt machte, warf er nur ein Blick zurück in die Geschichte und sah dort vor allem einen Namen, den der Familie von Ribbek, deren Gebeine mumifiziert in der alten Dorfkirche ruhen.

In dunkler Gruft
Das Gebein;
In Licht und Luft
Der aufgerichtete Marmelstein.
Was ungemessen
Vielleicht gestrebt,
Es ist vergessen, –
Nur das Bild noch lebt.
Fontane

Die Geschichte des Rittergutes reicht bis ins Jahr 1375 zurück. Häufig wechselte es seinen Besitzer. Georg von Ribbeck, Kurbrandenburgischer Amtshauptmann in Spandau, erwarb 1572 das Anwesen. Seine Familie lebte dort bis 1788. Im 18. Jahrhundert entstand die erste Gartenanlage. Im 19. Jahrhundert, unter neuen Besitzern, wurde das Gut völlig umgestaltet. Neben dem Herrenhaus im klassizistischen Stil entstand ein umfangreicher Wirtschaftsbereich zu dem eine Mühle, eine Brennerei sowie eine Ziegelei gehörten. In diese Zeit fällt auch die Ausgestaltung eines englischen Landschaftsparks mit einem großen Teich. In dessen Mitte legte man eine künstliche Insel an, die über Brücken mit dem Park verbunden war.
1945 brannte das Herrenhaus aus, welches nahe dem Kladower Campingplatz lag. Die Zeit der deutsch-deutschen Teilung führte zu weiteren Zerstörungen durch die Errichtung des Grenzstreifens.

Direkt an der Straße Am Park stehen noch der 1900 von Otto von Wollank als Gutskindergarten 3 gestiftete gelbe Backsteinbau – heute liebevoll rerstauriert – und die kleine Schnitterkaserne.

Eine Bürgerinitiative, der Groß Glienicker Kreis, bemüht sich nach Kräften, die noch vorhandenen Relikte vor dem Verfall zu schützen. Langsam erwacht der alte Gutspark zu neuem Leben. Alte Wege werden wieder hergestellt, die Bauten gesichert. Kulturveranstaltungen sorgen für eine weitere Belebung des Parks.

Neben den beiden Toren ist die 1917 erbaute Grabanlage 4 der Familie von Wollank unter günstigen Bedingungen von der Straße aus zu sehen. Acht dorische Säulen stehen im Halbrund mitten im Wald, der eigentlich einmal ein Park war und möglicherweise wieder einer sein wird.

Am auffälligsten, aber erst sichtbar, wenn man von der Straße Am Park in den Wald hineinschaut und dann den kleinen Waldweg wählt, ist eine gotisierende kleine Ruine 5. Hier haben wir endlich unsere ersehnte „Burg“. Endlich ist sie wieder von Strauchwerk befreit und frisch verputzt. Ein kleiner Brunnen davor komplettiert die märchenhafte Szenerie. Am schönsten ist es hier, wenn sich im Frühjahr das erste Grün an den Bäumen zeigt und das Sonnenlicht durch die Wipfel dringt.

Das letzte existierende Teilstück der Mauer in Spandau steht am Mauerradweg 6 an der Gutsstraße.

Verkehrsanbindung:

  • Bus: Gutsstraße, 135,
  • Bus: Am Park, 338, 339

 

Ralf Salecker

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