Guttenberg tritt als Verteidigungsminister zurück

Konsequenz aus der Plagiatsaffäre gezogen

Karl-Theodor zu Guttenberg verkündet am heutigen Dienstag Vormittag den Rücktritt von allen politischen Ämtern.  Sein Nachfolger soll möglicherweise Innenminister Thomas de Maizière (CDU) werden, der gehört aber nicht zur CSU und fällt damit eigentlich als Kandidat heraus. Damit zieht er die Konsequenz aus der zu lange verschleppten Plagiatsaffäre. Zu spät stellte er sich der Kritik. Die Welle der medialen Aufmerksamkeit hat ihn nun erfasst und davon gespült. Bei denen sucht er dann auch die eigentliche Schuld für seinen Rücktritt:

„Die enorme Wucht der medialen Betrachtung meiner Person, zu der ich selbst viel beigetragen habe, aber auch die Wucht der Auseinandersetzung, bleibt nicht ohne Wirkung auf mich selbst und meine Familie. (…) Wer sich für die Politik entscheidet, darf kein Mitleid erwarten.“

„Ich war immer bereit zu kämpfen. Aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.“

Ein wenig nach Selbstmitleid klingt sein Abschied schon. Doch nicht die Medien sind schuld an dem Geschehen, sondern der eigene Umgang mit dem Geschehen.
Auch die Erklärung, politischen Schaden von Amt, Bundeswehr, Politik usw. abwenden zu wollen erscheint nach den jüngsten zwei Wochen etwas fragwürdig. Die Reaktion kam eindeutig zu spät.
Spannend ist die Behandlung in der Öffentlichkeit. Ein großer Teil nahm die Plagiatsvorwürfe eher schulterzuckend hin. Ihnen war das Bild, welches der Politiker und Adlige Guttenberg bot, wichtiger. Eine Lichtgestalt in der deutschen Politikerlandschaft wollten sich die meisten erhalten. Selbstbewusst, klug, unabhängig, vorbildlich und vor allem ehrlich waren scheinbar Synonyme für ihn. Sympathie schien für die Mehrheit wichtiger zu sein, als Glaubwürdigkeit, eine Eigenschaft, die auch die Sympathisanten den meisten Politikern absprechen.
Es waren eher Intellektuelle, die sich mit ihrer Kritik nicht zurückhielten. Zehntausende Doktoranden aus Deutschland unterschrieben einen kritischen Brief.
Nun ist es vorbei damit. Der Rücktritt ist vollzogen.
Die Bild-Zeitung, vorher eher Garant für eine Pro-Guttenberg-Berichterstattung, berichtet schon vorab über einen möglichen Rücktritt des Verteidigungsministers.
Bundestagspräsidenten Norbert Lammert meinte zu Guttenbergs Verhalten: „Das ist ein Sargnagel an der Glaubwürdigkeit der politischen Klasse.“

 

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

One thought on “Guttenberg tritt als Verteidigungsminister zurück

  1. Der Rücktritt dieser Person ist für mich eine der besten Nachrichten seit langer Zeit. Die Politik gewinnt dadurch ein kleines Stück Glaubwürdigkeit zurück.

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