Jaczo-Turm, versteckt hinter Bäumen  (Foto: Ralf Salecker)

Jaczo-Schlucht in der Spandauer Wilhelmstadt

Ein sagenhafter Ort an der Grenze zu Gatow

Jaczo-Turm, versteckt hinter Bäumen  (Foto: Ralf Salecker)
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Jaczo-Turm, versteckt hinter Bäumen (Foto: Ralf Salecker)

Kaum ein Spandauer kennt den Jaczo-Turm in der Wilhelmstadt, obwohl er direkt an der Gatower Straße steht, auf Höhe der Nr. 199. Lange Jahre verhinderte ein Zaun den Zugang. Heute führt ein kleiner Wanderweg an der Südspitze der Weinmeisterhöhe, kurz nach der Havelklinik, durch eine kleine Schlucht hinunter zur Havel.

Karte zur Jaczo-Schlucht  (Foto: Ralf Salecker)
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Karte zur Jaczo-Schlucht (Foto: Ralf Salecker)

Eine alte Legende erzählt die Geschichte des Wendenfürsten Jaxa (Jaczo) von Köpenick, der vormals in der Burg Brandenburg herrschte: „Brennibor (Brandenburg) war endlich nach langer Belagerung von Albrecht dem Bären erstürmt und das Wendenthum, seit langem von der Elbe zurückgedrängt, schien auch das Havelland nicht länger halten zu können. Aber Jaczko, der Wendenfürst, war wenigstens gewillt, die alten Sitze seiner Väter nicht ohne Schwertstreich aufzugeben, und noch einmal sammelte er die Seinen zum Kampf. Bei Spandau kam es zu einer letzten Schlacht.“ (Theodor Fontane)

Jaczoturm Inschrift an der Nordseite  (Foto: Ralf Salecker)
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Jaczoturm Inschrift an der Nordseite (Foto: Ralf Salecker)

Bei dieser Schlacht zwischen den heutigen Orten Gatow und Groß Glienicke erlitt Jaczo eine vernichtende Niederlage gegen Albrecht den Bären, einem Fürsten aus dem Geschlecht der Askanier dem späteren Begründer der Mark Brandenburg. Es blieb ihm nur noch die Flucht. Getrieben von seinen Verfolgern stürzte er sich 1157 samt Pferd und Rüstung „in Spandau“ in die Havel, um das rettende gegenüberliegende Ufer zu erreichen. Er flehte den Slawen-Gott Triglaw an und bat um Hilfe. Als die Kräfte nicht mehr zu reichen schienen und Jaczo dem Tod ins Auge sah, hob er seinen Schild über den Kopf und gelobte, zum Christentum überzutreten, wenn er lebendig auf der anderen Seite ankommen sollte:

„Die Götter meiner Väter haben mich verlassen; Gott der Christen rette mich, so bin ich dein ewiglich!“ (August Kopisch). Durchströmt von neuer Kraft überwand er nunmehr die an dieser Stelle etwa 600 Meter breite Havel. „Seinen Schild aber, den der Finger Gottes berührt, ließ er dem Ort, wo das Wunder sich vollzogen hatte. Der Schild des Heiden war ihm zum Glaubensschild geworden.“ (Fontane)

Jaczoturm, Wappen über dem Eingang (Foto: Ralf Salecker)
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Jaczoturm, Wappen über dem Eingang (Foto: Ralf Salecker)

Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. wollte ein Zeichen für die Verbundenheit der Monarchie mit der Kirche dokumentieren. So entwarf er, die alte Geschichte aufgreifend, ein Denkmal, welches von seinem Architekten Friedrich August Stühler umgesetzt und 1845 als neun Meter hohes Schildhorndenkmal auf der gleichnamigen Landzunge aufgestellt wurde.

Albrecht der Bär, Figur der Siegesallee auf der Zitadelle (Foto: Ralf Salecker)
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Albrecht der Bär, Figur der Siegesallee auf der Zitadelle (Foto: Ralf Salecker)

Theodor Fontane gefiel dieses Denkmal offensichtlich nicht besonders. Er beschrieb es als „grauschwarzes, wunderliches Bildwerk“, das ihn „halb an Telegraphenpfosten, halb an Fabrikschornsteine“ erinnerte.

Ein Spandauer Bürger, der ungenannt bleiben wollte, ließ 1914 auf eigene Kosten auf der anderen Uferseite einen vier Meter hohen Rundturm aus Rüdersdorfer Kalkstein errichten, damit auch Spandau seinen Anteil an der Sage zeigen konnte. Die Westseite des Turmes ziert ein Sandsteinrelief, welches die Flucht Jaczos wiedergibt. Ergänzt wird es um folgende Inschrift:

Has per fauces, Jaczo, princeps slavorum, ab Alberto Ursu pulsus, ad habelam evasit.

Anno Domini MCLVII (Durch diese Schlucht wurde der Slawenfürst Jaczo von Albrecht dem Bären verfolgt und in die Havel getrieben.

Dies geschah im Jahre des Herrn 1157). Über dem Turmtor ist ein kleines Bären-Wappen erkennbar.

Im Laufe der Jahre nagten Zeit und Vandalismus an dem vergessenen Bauwerk. Nur zwei Zinnen blieben auf dem Turm. 1984 schien sich eine Initiative zu entwickeln, um den Verfall des Bauwerkes zu stoppen. Das Berliner Landesamt für Denkmalschutz reklamierte zwar seine Zuständigkeit, unternahm aber nichts.

Im Sommer 2011 schließlich nahm sich eine Initiative des „Fördervereins historisches Gatow“ seiner an und veranlasste die Restaurierung. Nun zieren wieder alle 13 Zinnen den Turm. Wenn das Geld dafür da ist, möchte der Verein auch den unweit gelegenen Wasserfall wiederherstellen.

Ein Denkmal von Albrecht dem Bären ist im Innenhof der Zitadelle Spandau zu finden. Es gehörte einst zum Figurenensemble auf der ehemaligen Berliner Siegesallee. Ein großer Teil dieser Figuren wird restauriert und ab 2012 als Teil der neuen Dauerausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler“ auf der Zitadelle präsentiert.

 

Verkehrsanbindung

  • Bus: Zur Haveldüne oder Biberburg, 134, X34

 

Ralf Salecker

 

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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