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Kirche St. Marien am Behnitz

Ein äußerlich unscheinbares Kleinod

Behnitz, Kolk - Kirche St. Marien: Foto Ralf Salecker - www.unterwegs-in-spandau.de

Behnitz, Kolk - Kirche St. Marien

Nur ein paar Schritte von der Spandauer Altstadt entfernt, steht im Behnitz eine kleine fast unscheinbare, Kirche. Sie ist Spandaus älteste und Berlins zweitälteste katholische Kirche. Wenn man sie so friedlich dastehen sieht, glaubt man kaum, dass der eigentliche Grund für ihren Bau der Krieg oder besser seine Vorbereitung war.

Alles begann damit, dass der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. das brandenburgische Heer mit landeseigenen Waffen ausstatten wollte. Dazu mussten in Potsdam und Spandau Gewehrfabriken errichtet werden. Nun benötigt eine solche Fabrik Facharbeiter, die damals Mangelware waren. In der belgischen Stadt Lüttich wurde der Headhunter des Königs (so würde man heute sagen) fündig. Einen Haken hatte die ganze Geschichte trotzdem. Deren Bewohner waren Katholiken, die Brandenburger und Spandauer dagegen Protestanten. Ihre Bereitschaft, in der Gewehrfabrik zu arbeiten, knüpften sie an die Forderung nach einem eigenen Gotteshaus, freier Religionsausübung und dem Recht, Bier zu brauen. Nur die letzte Forderung wurde abgelehnt.

1723 entstand auf dem Gewehrplan in Haselhorst, also außerhalb der Stadtmauern Spandaus, ein einfaches Gotteshaus aus Holz.  Schon zwanzig Jahre später musste sie wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Der dann 1767 fertig gestellte zweite Holzbau wurde wohl ähnlich mangelhaft errichtet, wie der erste. Reparaturen erfolgten erst wenn es nicht mehr anders ging. Aus nachvollziehbaren Gründen wollten die Gläubigen endlich eine vernünftige Kirche haben. Die Zahl der Katholiken nahm durch angeworbene Soldaten weiter zu.

Nun konnten in Preußen nicht so ohne weiteres Kirchengebäude errichtet werden. Alle Kirchenneubauten dieser Zeit orientierten sich an einem klassischen Ideal antiker Kirchen. Karl Friedrich Schinkel hatte für Friedrich Wilhelm III. eine sogenannte Normalkirche entworfen. Friedrich Wilhelm IV. bevorzugte aber die Bauform einer altchristliche Basilika, wie sich schon im Bau der Kirche in Sacrow zu gezeigt hat.

Als die Katholiken schließlich ihre Pläne für eine Kirche am Behnitz vorlegten, wurden diese erst einmal rundweg abgelehnt. Der Geheime Oberbaurat August Soller, von der zentralen Behörde für das preußische Bauwesen, ein Schüler Schinkels, erstellte dann den Entwurf für einen Ziegelbau, der sich durch ein höheres Mittelschiff auszeichnete.
Für 3000 Taler wurde einem Spandauer Tischlermeister der Grund und Boden am Behnitz abgekauft. 1847 erfolgte die Grundsteinlegung für die dreischiffige Basilika im Rundbogenstil. Den Kirchenbau selbst leitete der königliche Bauinspektor Julius Manger. Wahrscheinlich war er auch für die neoromatische Innenausstattung verantwortlich, die, obwohl die Gemeinde nicht über viel Geld verfügte, doch prunkvoller wirken sollte als protestantische Kirchenausstattungen. Der Innenraum ist durch Säulenreihen in drei Längsschiffe geteilt.

Besonders durch Zuwanderung aus den katholischen preußischen Ostprovinzen, nahm die Anzahl der Katholiken in Spandau erheblich zu. Um 1900 waren es rund 9000. Gerade einmal 750 Gläubige fanden Platz im Inneren der Kirche. Es musste also eine neue her.

Nachdem verschiedene Nutzungskonzepte (Lagerhalle, Kino, Turnhalle) für das Gebäude verworfen wurden, verkaufte man es an die Militärverwaltung. Ein praktischer Test mit 800 Soldaten bewies deren ausreichende Kapazität für die Spandauer Garnisonsgemeinde. Im Stile protestantisch-preußischer Schlichtheit wurde im Inneren alles mit brauner Farbe überstrichen.

Ein wechselvolles Dasein begann. 1921 wurde die Kirche geschlossen, erst 1936 erneut geweiht und bis 1945 als Garnisonskirche genutzt. Beschädigungen im 2. Weltkrieg, brachiale Renovierungsarbeiten in den 1960er Jahren und ein Schwelbrand 1970 ließen sie immer weiter herunterkommen.

2001 erwarb ein Ehepaar das Gebäude vom Erzbistum Berlin, welches mit großem Aufwand dessen ursprünglichen Zustand – ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel – wieder herstellen ließ. Jetzt beeindrucken prachtvolle Malereien die Besucher und die kleine Kirche am Behnitz lockt mit zahlreichen Musikveranstaltungen und Lesungen zu moderaten Preisen.

Ralf Salecker

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