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Der Koeltze Park in der Spandauer Neustadt

Ein ehemaliger Friedhof wurde Grünfläche

Eine der ältesten Parkanlagen Spandaus befindet sich nur 800 Meter von der Altstadt entfernt zwischen den beiden Hauptverkehrsadern der Spandauer Neustadt: der Schönwalder und der Neuendorfer Straße. Benannt wurde der Park nach dem Spandauer Oberbürgermeister Friedrich Koeltze (1852–1939).

Koeltzepark in der Spandauer Neustadt (Foto: Ralf Salecker)

Das 2,8 Hektar große Gelände liegt etwa einen Meter über dem Straßenniveau und erinnert mit seinen leichten Bodenwellen an eine meandernde Flusslandschaft. Im östlichen Teil dominieren Ahornbäume das Bild, während im westlichen Bereich Linden, Eichen und Spitzahornbäume vorherrschen. Insgesamt sorgen rund 20 Baumarten im Sommer für schattige Wiesenplätze.
Der Koeltzepark ist Anziehungspunkt für Jung und Alt; drei Kinderspielplätze und viele Bänke laden zum Verweilen ein. Auch Hundebesitzer kommen auf ihre Kosten: Für die Vierbeiner wurde ein kleines Auslaufgehege geschaffen.
Was längst vergessen scheint: Die Oase im Herzen Spandaus war ursprünglich ein Friedhof. Erst Anfang der 1930er Jahre wurde das Gelände zu einem öffentlichen Park umgestaltet.
Im Jahr 1752 entstand in der Oranienburger Vorstadt der Nikolaifriedhof (im Volksmund „Mauerfriedhof“). Mit ihm wurde der Wunsch nach einem neuen Friedhof für die Bewohner der heutigen Spandauer Altstadt umgesetzt. Er war aufgekommen, weil die Bevölkerung wuchs, die Spandauer Altstadt intensiv bebaut wurde und das Militär Exerzierplätze einforderte.
Erweitert wurde der Friedhof einige Jahrzehnte später um den nahe gelegenen
St. Johannis- und Garnisonsfriedhof. Dieser konnte sich aber nicht lange halten. Aufgrund unzumutbarer hygienischer Zustände verfügte die „Sanitätspolizei“ zwischen 1886 und 1992 seine Schließung.
Nach einer Order Friedrich des Großen wurden auf dem Friedhofsgelände des Nikolaifriedhofs Maulbeerbäume zur Seidenraupenzucht gepflanzt. Im 18. Jahrhundert war die Seidenproduktion in Preußen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die so genannte „Nordische Seide“ wurde von Berlin aus in alle Welt geliefert. Die Maulbeerallee in Staaken erinnert noch an diese Zeit. Bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts schmückten zudem prächtige Begräbnisstätten den alten Friedhof. Davon ist nichts mehr geblieben.
Als mit der Schaffung einer neuen Umwallung 1876 bis 1879 die zuvor geltenden Baubeschränkungen abgeschafft wurden, wuchsen auch in der Spandauer Neustadt schnell neue Häuser aus dem Boden und rückten dem Friedhof so nahe, dass der Ruf nach seiner Schließung laut wurde. Sein Nachfolger wurde der städtische Friedhof „In den Kisseln“ an der Radelandstraße.
Richard Woy, Spandaus Gartenbaudirektor von 1919 bis 1948, gestaltete den Nikolaifriedhof und den nahe gelegenen St. Johannis- und Garnisonsfriedhof im Jahr 1933 zu einer Grünanlage um. Ein Jahr später erhielt der Koeltzepark seinen heutigen Namen.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch im Park seine Spuren. Erst 1962 begann die Berliner Garten- und Landschaftsarchitektin Hannelore Kossel mit den ersten Umgestaltungen.
Später kamen Schmuckanlagen hinzu. Seit den 1990er Jahren gibt es einen Pavillon in der Mitte des Parks sowie eine Pergola als Eingangsbereich zur Schönwalder Straße.

Ralf Salecker

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