Mauerradweg Spandau Kladow Imchen Hafen

Mauerradweg – Von Imchen zur Bürgerablage

Eine Radtour auf den Spuren Spandau jüngerer Geschichte

Eine Tour auf dem Spandauer Abschnitt des Mauerradweges: über 27,5 Kilometer von der BVG-Fähre an der Imchenallee bis zur Bürgerablage.

Von der Fähre (km 0) kommend, bewegen wir uns am Havelufer die Imchenallee entlang in Richtung Süd-Westen. Dem Sacrower Kirchweg folgend, vorbei am Lüdickeweg mit dem Fraenkelschen Garten, erreichen wir an der Sacrower Landstraße am Luisenberg (km 2) den alten Grenzverlauf. Durch den Wald geht es am Sacrower See vorbei zum Groß-Glienicker See (km 4: Südspitze).

Mauerradweg Spandau Kladow Imchen Hafen
  • facebook
  • Google+

Einst verlief die Grenze mitten durch den See. Unser Weg führt uns am Westufer des Sees entlang bis zum Gutspark Groß-Glienicke (km 6: Nordspitze). Vorbei an Spandaus einzigem Mauerstück geht es durch das Spandauer Tor. Wir überqueren den Ritterfeld Damm und nehmen linker Hand den ausgeschilderten Weg entlang der Potsdamer Chaussee. Das Luftwaffenmuseum auf dem ehemaligen Flugplatz Gatow lassen wir hinter uns zurück.

Der Verkehr auf der B2 ist nur selten störend. Meist im Schatten von Bäumen radelnd gelangen wir an die ehemaligen Gatower Rieselfelder (km 8,5). Inzwischen haben sie sich zu einem beliebten Naherholungsgebiet entwickelt. Eine Landschaft aus Obstalleen, Sträuchern, weiten Wiesen; ideal für ein Picknick oder für ausgedehnte Spaziergänge durch das Landschaftsschutzgebiet.

Am Beginn der Wilhelmstraße (km 11,5) biegen wir links in den den Grenzweg ein, ein schmaler Weg, der parallel zum alten Mauerstreifen verläuft. An der Karolinenhöhe verbei, erreichen wir bald den Hahneberg (km 13,5). Mit einer Höhe von 70 Metern ist der aus Bauschutt und Müll errichtete Berg Spandaus höchste Erhebung.

Bis weit nach Berlin und ins Umland kann von oben das Auge schweifen. Eine kleine Sternwarte ermöglicht sogar noch viel weitergehende Blicke. Direkt daneben steht in einem Hügel verborgen das Fort Hahneberg, eine alte Befestigungsanlage von 1886 – erbaut, um Spandau und die Zitadelle vor Feinden zu schützen. 40 Jahre verbrachte sie einen Dornröschenschlaf im ehemaligen Todesstreifen.

Unser Weg führt uns links am Berg vorbei bis zum ehemaligen Grenzübergang Heerstraße (km 14). Ein großes Schild (nun am richtigen Platz) weist auf den geschichtsträchtigen Ort hin. Seit 1990 gehört der Ortsteil West-Staaken wieder zu Berlin. Damit liegt nun auch der ehemalige Grenzübergang – fast zwei Kilometer von der heutigen Grenze entfernt – „mitten im Land“.
Wir überqueren die Fahrbahn und folgen der Bergstraße bis zur Linkskurve. Kurz davor steht ein Holzkreuz, welches an Dieter Wohlfahrt erinnert. Der 20-jährige Student wollte am am 9. Dezember 1961 auf westlicher Seite die Drahtsperren aufschneiden, um einer DDR-Bürgerin die Flucht zu ermöglichen. Von ihr verraten, bezahlte er den Versuch mit seinem Leben.

Weiter geht es über einen schmalen Weg zum Grünzug Bullengraben.
Dieser erstreckt sich vom Ziegelhof 4,5 Kilometer bis nach Staaken hinein. Diesem folgen wir, links abbiegend, bis zur vermutlich 1436-38 erbauten Dorfkirche Alt-Staaken (km?15) am Nennhauser Damm. Nur 500 Meter weiter liegt der Regionalbahnhof Staaken. Die Straße überbrückt hier die Bahngleise. Zu Mauerzeiten konnte man von hier weit in die Grenzanlagen der DDR hineinschauen. Daneben, zwischen Lehrter und Hamburger Bahn, erstreckt sich die Gartenstadt Staaken.

Weiter geht es entlang des Finkenkruger Weges. 40 Jahre lang bildete er die Grenze zwischen Weststaaken (DDR) und Staaken (Berlin). Am Ende, kurz bevor wir den Spektegrünzug durchqueren, erinnert ein Gedenkstein (km 17) an Willi Block, der am 7. Februar 1966 beim Fluchtversuch erschossen wurde.

Über die Falkenseer Chaussee hinweg folgen wir dem Weg, der uns nun immer am Rand des Spandauer Stadtforstes entlang führt. Der Eiskeller (km 22), eine ehemalige West-Berliner Exklave, lassen wir links liegen und fahren geradeaus weiter in Richtung Schönwalde. An der der Steinernen Brücke überqueren wir die Schönwalder Allee (km 23) und folgen dem Weg, am Laßzinssee vorbei, durch den Wald.

Am Oberjägerweg (km 25,5) steht ein  Mahnkreuz für Adolf Philipp, der am 15. Mai 1964 von der Westseite den Grenzstreifen betrat und von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurde.

Zwei Kilometer weiter erreichen wir das Ziel: die ehemaligen Exklaven Fichtewiese und Erlengrund und den Strand der Bürgerablage.

Ralf Salecker

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.