Große Eiswerderbrücke in Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Meilenwerk auf der Insel Eiswerder

Chance oder Risiko für Spandau?

Große Eiswerderbrücke in Spandau (Foto: Ralf Salecker)
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Große Eiswerderbrücke in Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Martin Halder vom „Meilenwerk – Forum für Fahrkultur“ will, gemeinsam mit einem bayrischen Investor etwa 80 Millionen Euro auf Spandaus Insel Eiswerder investieren. Allein 25 Millionen Euro sollen in die Um- und Ausbauten der bestehenden Gebäude an der Südseite investiert werden. Entstehen sollen eine Marina, Event- Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen, ein 100-Zimmer-Hotel, sowie eine exklusive Wohnbebauung mit etwa 100 Wohnungen direkt am Wasser. Die offenen Bereiche zwischen den denkmalgeschützten Backsteinhallen, die einmal zum Königlichen Feuerwerkslaboratorium gehörten, sollen mit Glasüberdachungen nutzbar gemacht werden. Für die erwarteten Besucherscharen soll sogar eine Anlegestelle für Ausflugsdampfer entstehen. Kleingärten und eine Werkstatt an der Südseite Eiswerders mussten schon weichen.

Schlechte Informationen für Spandauer

2012 gab es hier noch grüne Gärten (Foto: Ralf Salecker)
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2012 gab es hier noch grüne Gärten (Foto: Ralf Salecker)

Die Information über die geplanten Investitionen auf Eiswerder kam für die Spandauer sehr überraschend. Selbst der Baustadtrat wurde anscheinend erst eine Woche vor den Presseveröffentlichungen über die geplanten Maßnahmen auf Eiswerder informiert. Entsprechend spät erfuhren auch die Bezirksverordneten davon. Manch einer unkte, „das ist ja wie bei den Rieselfeldern“. Von den Spandauer Medien wurde gerade einmal „Mein Spandau“ (inzwischen nicht mehr aktiv) (Eiswerder wird Insel der schönen Dinge) von der Pressekonferenz im Februar unterrichtet. Alle anderen waren recht verwundert über diese Informationspolitik. Wurde der Rest der Spandauer Medien einfach vergessen (das alleine wäre schon peinlich) oder war es gar Absicht gewesen? Sind diese Medien vor Ort zu unwichtig? Informiert man lieber Hochglanzmedien? Vertrauen entsteht so sicherlich nicht. Vor allem, wenn es dann die unterschiedlichsten Medien, Immobilienzeitungen wie Auto- und Oldtimer-Zeitschriften von den Dächern zwitscherten.

Wird hier Dornröschen wachgeküsst?

Autofahrer kennen die Insel Eiswerder als willkommene Abkürzung zwischen Haselhorst und der Spandauer Neustadt. Sie erleben die Insel eher im Tiefflug und ignorieren dabei die Schönheiten vor Ort und verschwende keinen Gedanken an die Vergangenheit der alten Gebäude, die einmal zum preußischen Königlichen Feuerwerkslaboratorium gehörten.

Für Spaziergänger und Radfahrer ist sie ein Muss bei einer Tour rund um den Spandauer See, der seit einigen Jahren als Uferweg komplett begeh- und befahrbar ist. Früher konnte niemand entlang des Havelufers wandern. Tanklager, Schrottplätze und ähnlich unschöne Dinge säumten das Ufer. Im Zuge der Entwicklung der Wasserstadt sollte der Spandauer See vollständig umrundbar sein. Das ist auch gelungen. Hochfliegend waren die Pläne für die Entwicklung Wasserstadt gewesen. Nur ein Teil davon wurde verwirklicht. Nicht nur der Mauerfall machte den Spekulationen ein Ende. Viele wollten jetzt lieber ins Berliner Umland ziehen. In einem Viertel des Gebiets wurden die Planungsziele erreicht. Für den Rest hieß es, die Entwicklungsabsicht wird weiter verfolgt. Die Insel Eiswerder gehörte dazu. Der Senat änderte im neuen Jahrtausend Zeit seine Wohnungsbaupolitik. Es ging weg, vom geförderten Wohnungsbau zum frei finanzierten Wohnungsbau.

Die jetzt zugänglichen Uferwege auf der Insel Eiswerder wurden mit Steuergeldern errichtet. Obwohl sie seit einigen Jahren nutzbar sind, verirren sich noch recht wenige Menschen hierher. Das könnte sich bald ändern. Nachdenklich macht die Überlegung des Investors, die Freifläche zwischen den drei Backsteinhallen und dem südlichen Ufer der Insel – mit wunderbarem Blick auf die Zitadelle – für Events nutzen zu wollen. Wird der öffentliche Uferweg an dieser Stelle zum Sperrgebiet für Spaziergänger?

Ein Mekka für Oldtimerfans

Die Visionen für diesen Ort scheinen verführerisch. „Eine Insel der schönen Dinge“ hört sich einfach gut an. In der Eigenwerbung heißt es: „Das Meilenwerk ist das größte private Oldtimerprojekt Deutschlands“.  Zurzeit machen die zwischen 1870 und 1915 errichteten Backsteingebäude und das Umfeld nicht viel her. Eine behutsame Sanierung, wie sie Martin Halder vom Meilenwerk verspricht, wäre in jedem Fall eine Bereicherung.

Der bestehende Bebauungsplan von 2008, der ein Mischgebiet für die Insel Eiswerder vorsieht, lässt die geplanten baulichen Maßnahmen problemlos zu. Damals war es der Wunsch der meisten Beteiligten, das Gebiet Eiswerder endlich zu entwickeln. Wenn sanft saniert wird, dürfte auch der Denkmalschutz nichts dagegen haben.

Es gab schon einmal ein Meilenwerk in Berlin. Ein Straßenbahndepot in der Moabiter Wiebestraße wurde zu einem Ort an dem vieles rund um Oldtimer angesiedelt wurde. Heute firmiert dieses Oldtimerzentrum unter dem Namen Classic-Remise. Martin Halder hatte sich von seinen damaligen Partnern getrennt – oder diese sich von ihm …

Das Erdgeschoss, der alten Backsteinhallen soll später die Ausstellungsfläche für die Oldtimer aufnehmen. Im Frühjahr des nächsten Jahres soll es mit dem Ausbau losgehen, damit später Besucher bei freiem Eintritt noble alte Karossen bewundern können. Das Kind im Manne könnte seine helle Freude daran haben. Ergänzend zu den Oldtimern soll es passende Werkstätten geben und ein Angebot an exklusiven Automarken. Nicht nur autogerechte Angebote sind hier geplant. Edles Handwerk, wie Geigenbauer, Uhrenmacher und Produzenten edler Schokoladen sollen hier Eingang finden. Man darf erst einmal gespannt sein. Eine kleine Marina vor den Hallen soll Platz für alte Boote bieten.

Eine Luxusinsel für Besserverdienende?

Manch einer runzelt nachdenklich die Stirne. Benötigt Spandau eine „Luxus-Insel“? Hat der Bezirk, hat die Spandauer Altstadt etwas davon, dass sich hier zukünftig die „Oberen Zehntausend“ vergnügen? Wohl eher nicht. Es gibt Befürchtungen, die Insel könnte zukünftig zu einem abgeschlossenen Areal „der Reichen“ werden, weil es vergleichbare Tendenzen auch an anderen Stellen gäbe. „Reiche wollen unter sich bleiben“, wird es ein wenig platt formuliert.

Bedenken gibt es hinsichtlich des Parks an der Westseite der Insel und der Uferpromenade an deren Südseite. Bleiben alle Grünflächen und Uferwege weiterhin allen uneingeschränkt zugänglich? Was geschieht mit all den bestehenden Angeboten auf der Insel, die nicht in das Investitiosnkonzept des Meilenwerks passen?

Für Künstler auf der Insel Eiswerder könnte es zukünftig teuer werden – zu teuer, befürchtet Peter Dimke vom Institut für KunstForschung.

Investitionspleiten in Spandau

Der Bezirk braucht unbedingt Investitionen! Es ist immer wieder verführerisch, wenn Investoren mit zwei- oder dreistelligen Millionenbeträgen winken. Die angekündigten Investitionen, verbunden mit den Visionen für die Zukunft, der Ansiedlung von 35 Unternehmen und der Schaffung von 120 Arbeitsplätzen könnten den Blick auf mögliche Probleme vernebeln.

Eine der größten Investitionsruinen Berlins steht als „Mahnmal“ am Zitadellenweg in Haselhorst. Der Berliner Immobilien-Unternehmer Gyula Fritz „hinterließ“ Spandau 1995 diesen unfertigen Betonbau. 400 Millionen sollten investiert werden. 150 Millionen Euro wurden in den Sand gesetzt, weil die Telekom, als geplanter Mieter, plötzlich nicht mehr wollte. 2004 übernahm die Dibag Industriebau AG das Gelände. 20 Millionen sollten in die Instandsetzung investiert werden. 2005 wurden die Herlitz-Türme gesprengt www.youtube.com/watch?v=UshLJf4mHN0 Erst 2012 kam wieder Bewegung ins Spiel, als BMW die Ruine des Bürogebäudes von der Dibag erwarb.

Der Medienunternehmer Püschel (Firma Eventisland) die Insel Eiswerder zu einem großen Medienstandort ausbauen. 2005 ging er in die Insolvenz.

Der Bauträger „Insignium – Gebaute Marken GmbH“, der das Düsseldorfer Meilenwerk baute ging 2006 in die Insolvenz (Insolvenzverfahren der Insignium GmbH vor dem Amtsgericht Charlottenburg: Az 36i IN 6029/06). Geschäftsführer war damals Martin Halder. Das Geschäftsmodell hatte dort anscheinend nicht funktioniert.

Es wäre wünschenswert, wenn die Investitionen in Spandau Früchte trügen und der Erholungswert für die Bevölkerung uneingeschränkt erhalten bleibt.

Ergänzung vom 9.2.2016

Berlins 100-Milllionen-Projekt: Das Meilenwerk ist pleite

 

 

Ralf Salecker

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Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

5 thoughts on “Meilenwerk auf der Insel Eiswerder

  1. Mich interessiert hier eigentlich nur eines: Was kostet das alles den Steuerzahler? Wenn es keine Steuergelder kostet, darf der Investor gerne auf den nicht öffentlichen Grundstücken wirtschaften. Der Boden auf Eiswerder ist extrem verseucht durch die damalige Rüstungsindustrie. Der Investor zahlt hoffentlich aus eigener Tasche den Bodenaustausch? Man wird sehen, ob hier das Spandauer Fenster v2.0 entsteht. Und bei Problemen werden wir die Namen der zuständigen Personen im BA nicht vergessen.

  2. Hier muss ich mal selbst auf meinen Kommentar antworten: Das unsägliche Spandauer Fenster wird wohl gerade abgerissen!? Sieht man von der Rückseite, z.B. von der großen Eiswerderbrücke aus. Also Fotografen, ran ans Werk und eine Bausünde im Verschwinden dokumentieren.

  3. Gerade bei der verschneiten Witterung dürfte dies ein dankbares Motiv sein – leider keines für den Fotowettbewerb … 😉

  4. Nun, es muss ja nicht immer einen Wettbewerb sein. Aber in der Tat bietet der fürchterliche Schnee (sorry, ich mag ihn nicht) viele interessante Motive. Heute war der Friedhof „in den Kisseln“ sehr interessant. Und nicht mal kalt, weil kein Wind wehte.

  5. Dieser Friedhof hat wirklich ein paar interessante Ecken zu bieten. Mir war heute eher nach Nieder Neuendorf. Die alte rostige Brücke im Schnee ist ein faszinierendes Motiv.

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