Alternativer Mieter- und Verbraucherschutzbund e. V. - AMV

Nachlese zum 1. Spandauer Wohntag des AMV

Der AMV – Alternativer Mieter- und Verbraucherschutzbund e. V. veranstaltete am 07.10.2017 seinen 1. Spandauer Wohntag unter dem Motto “Wohnen in Spandau“ unter der Schirmherrschaft von Herrn Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank. Die Veranstaltung war mit ca. 75 Bürgerinnen und Bürgern gut besucht.

RA Uwe Piper

Eröffnung durch den 1. Vorsitzenden des AMV

Der 1. Vorsitzende des AMV, Herr RA Uwe Piper, eröffnete die Veranstaltung und führte in die Thematik “Wohnen in Spandau“ ein. Er stellte zunächst den Spandauer Wohnungsmarkt vor: Die Mieten in Spandau stiegen seit 2014 um fast zehn Prozent. Wer 2016 hier eine Wohnung bezog, musste im Schnitt 7,35 Euro kalt pro Quadratmeter zahlen. Im Jahr zuvor waren es noch 6,99 Euro. Das ist eine Steigerung von mehr als fünf Prozent. Die Mieten stiegen dabei viel stärker als die Einkommen. Die Haushaltseinkommen in Spandau sind in den letzten zehn Jahren im Schnitt um sechs Prozent gestiegen. Nirgendwo in Berlin ist die Schere zwischen Einkommen und Mieten so weit auseinandergegangen wie in Spandau, so das Ergebnis einer umfangreichen Datenrecherche des rbb zum Berliner Mietenmarkt. Für Spandauer wird es immer schwieriger, eine günstige Wohnung zu finden.

Das Gebot der Stunde – so Piper – muss deshalb zwingend lauten: Bauen, bauen und nochmals bauen: Das beste Mittel gegen steigende Mieten ist und bleibt der Wohnungsneubau. Anders gewendet: Wenn das Wohnen in Spandau für alle Bevölkerungsgruppen bezahlbar bleiben soll, gibt es nur ein Mittel: Bauen, bauen und nochmals bauen. Es müssen dringend preiswerte Wohnungen im ganz großem Umfang gebaut werden. Hierzu müssen steuerliche Anreize geschaffen werden. Es sollte eine Neue Wohnungsgemeinnützigkeit eingeführt werden. Die Abschaffung der Wohnungsgemeinnützigkeit im Jahr 1990 war ein großer Fehler. In den gemeinnützigen Wohnungen lagen die Nettokaltmieten bis zu 30 % unter den Mieten des freien Wohnungsmarktes. Seit der Abschaffung der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft sind bisher über 2 Millionen günstige Sozialwohnungen in Deutschland verloren gegangen; von ursprünglich 3,6 Millionen sind heute nur noch 1,5 Millionen vorhanden. Dieser Trend muss unverzüglich gestoppt werden, anderenfalls werden jedes Jahr weitere 60.000 Wohnungen aus der Sozialbindung fallen mit der Folge steigender Mieten und Kosten der Unterkunft sowie des Wohngeldes. Bezahlbarer Wohnraum – gerade in Berlin – ist inzwischen eine Mangelware. Von daher bedarf es zwingend einer unverzüglichen Rückkehr zu einer gemeinnützigen Wohnungswirtschaft, um aktiv gegen die Missstände auf dem Wohnungsmarkt vorgehen zu können.

Helmut Kleebank

Grußworte des Schirmherrn Helmut Kleebank

Sodann begrüßte der Schirmherr, Herr Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, die anwesenden Bürgerinnen und Bürger, gab einen Überblick über die Wohnsituation in Spandau und über die in der Zukunft zu bewältigenden Aufgaben. Seine Ausführungen wurden im Anschluss mit viel Applaus bedacht.

Situation auf dem Spandauer und Berliner Wohnungsmarkt

Sodann begann gegen 10:20 Uhr der erste Fachvortrag. Herr Dr. David Eberhart, Pressesprecher und Leiter PR beim BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V., referierte zur Situation auf dem Spandauer und Berliner Wohnungsmarkt.

Spandau im Überblick

Spandau hat aktuell 235.000 Einwohner und ist damit Berlins einwohnerärmster Bezirk mit der zweitniedrigsten Bevölkerungsdichte und der kleinsten Haushaltszahl. In Spandau gibt es 131.100 Haushalte. Der Anteil der Einpersonenhaushalte beläuft sich auf 53,8 %. Die durchschnittliche Personenzahl je Wohnung liegt bei 1,98. Die durchschnittliche Wohnfläche je Wohnung bemisst sich auf 73,9 m² und die durchschnittliche Wohnfläche je Einwohner liegt bei 37,3 m². Der Mittelwert der Angebotsmieten beträgt 7,35 €/m². Der Anteil der Mietwohnungen am Gesamtbestand liegt bei 80 %.

Sozialökonomische Eckpunkte

Bei den Zu- und Fortzügen nach Bezirken in den Jahren 2014 und 2015 liegt Spandau im Mittelfeld. In den Jahren 2010 – 2016 kam es zu einem Einwohnerplus von 9,3 %; berlinweit von 7,8 %. Bei den Menschen unter 25 Jahren konnte Spandau einen Zuwachs von 11 %, bei der Altersgruppe zwischen 25 und 50 von 7,2 %, bei der Altersgruppe zwischen 50 und 65 von 13,6 % und bei der Altersgruppe 65+ von 6,7 % verzeichnen. Spandau hat in der Einwohnerentwicklung in den Jahren 2015 – 2030 eine Prognose von + 7,7 %. Das mittlere Haushaltseinkommen liegt in Spandau per Stand 2015 bei 1.650 €; berlinweit bei 1.775 €.

Wohnungsmarkt-Eckpunkte

In Berlin gibt es rund 1,6 Mio. Mietwohnungen, davon 300.000 (= 17,5 %) bei den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, 200.000 (= 11,3 %) bei den Genossenschaften und ca. 200.000 (=12,5 %) bei privaten Wohnungsunternehmen. 58,8 % fallen auf sonstige Vermieter. Rund 700.000 Wohnungen (= 40 %) werden von BBU-Mitgliedsunternehmen gehalten.

Berlinweit betrug der Leerstand im Jahr 2015 1,7 % und im Jahr 2016 1,6 %. In Spandau waren es 2015 2,7 % und 2016 2,0 %. Die Fluktuatiosrate in 2015 lag in Spandau bei 7,2 % und in 2016 bei 6,4 %. Die Nettokaltmieten bei den BBU-Unternehmen belief sich in Spandau per 31.12.2015 auf 5,56 €/m² und die Neuvermietungsmieten lagen bei 6,53 €/m².

Frank Bewig

Wohnungsneubau in Spandau

Nach einer Kaffeepaus referierte Herr Bezirksstadtrat für Bauen, Planen und Gesundheit Frank Bewig zum Wohnungsneubau in Spandau und stellte exemplarische Neubauprojekte in Spandau vor. Insbesondere stellte er das Entwicklungsband West (Siemensstadt, Gartenfeld, Wasserstadt Oberhavel, Carossa-Quartier) vor und nahm zur verkehrlichen Erschließung neuer Wohnungsbaustandorte sowie zur Integration in bezirkliche Entwicklungskonzepte Stellung. Er sprach von Veränderungen im Bezirk, wie es sie in den letzten 30 Jahren nicht gegeben habe. Bei allen Veränderungen werde Spandau aber seine Identität behalten, versicherte er. Er könne sich Straßenbahnen in Spandau vorstellen, sofern diese ein eigenes Gleisbett hätten. Kleingartenflächen sollten als grüne Oasen erhalten bleiben.

Im Anschluss an sein Referat beantwortete Herr Bezirksstadtrat Bewig diverse Fragen von Bürgerinnen und Bürgern.

 

Pepitahöfe in Hakenfelde

Frau Valentina Gabriel, Abteilungsleiterin Vermietung bei der WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH, stellte nach der Mittagspause das Wohnungsneubauprojekt Pepitahöfe in Hakenfelde vor. Bei diesem Wohnungsneubauprojekt handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der beiden landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften degewo AG und WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH.

Pepitahöfe

Über 1.000 neue Wohnungen rund um die Mertensstraße

Mit 1.024 Wohnungen gehören die Pepitahöfe in Hakenfelde zu einem der größten Wohnungsneubauprojekte Berlins. Es entstehen bis zu sechsgeschossige Wohngebäude mit 1- bis 5-Zimmerwohnungen mit Durchschnittsflächen von ca. 40 bis 124 m². Ausweislich des Wohnungsspiegels werden 69 Einzimmerwohnungen mit einer Durchschnittsfläche von ca. 40 m², 383 Zweizimmerwohnungen mit einer Durchschnittsfläche von ca. 54 m², 329 Dreizimmerwohnungen mit einer Durchschnittsfläche von ca. 76 m², 202 Vierzimmerwohnungen mit einer Durchschnittsfläche von ca. 91 m² und 41 Fünfzimmerwohnungen mit einer Durchschnittsfläche von ca. 112 m² errichtet. Es entstehen 479 Tiefgaragenplätze, ca. 550 m² Gewerbsfläche für Läden und Geschäfte sowie etwa 2.000 m² öffentliche Spielplatzfläche. Das Objekt wird nach Fertigstellung über eine autofreie Flanierpromenade verfügen.

768 freifinanzierte Wohnungen mit Durchschnittsnettokaltmieten von 9,50 €

Von den 1.024 Wohnungen sind 768 freifinanziert, und zwar 1 Einzimmerwohnung, 291 Zweizimmerwohnungen, 268 Dreizimmerwohnungen, 167 Vierzimmerwohnungen und alle 41 Fünfzimmerwohnungen. Die 768 freifinanzierten Wohnungen werden im Durchschnitt zu Nettokaltmieten von 9,50 €/m² Wohnfläche angeboten werden. Die Betriebskostenvorauszahlungen sind mit 2,50 €/m² kalkuliert. Die durchschnittliche Bruttowarmmiete für eine Zweizimmerwohnung mit 53 m² wird sich auf 636 € belaufen.

256 Wohnugen mit einkommensorientierter Förderung

Von den 1.024 Wohnungen sind 256 gefördert, und zwar 68 Einzimmerwohnungen, 92 Zweizimmerwohnungen, 61 Dreizimmerwohnungen und 35 Vierzimmerwohnungen. Diese Wohnungen werden durch eine einkommensorientierte Förderung zu einer Nettokaltmiete zwischen 6 bis 8 €/m² Wohnfläche vermietet. Einkommensabhängig sind hier individuelle Förderungen möglich, die bis zu einer Überschreitung der Bundeseinkommensgrenze von bis zu 60 % – also auch ohne einen Wohnberechtigungsschein (WBS) – gewährt werden. So kann eine Zweizimmerwohnung mit 53 m² Wohnfläche bei Vorliegen eines WBS und einer amtlichen Einkommensbescheinigung bei einer Überschreitung der Bundeseinkommensgrenze gem. § 9 Abs. 2 Wohnraumförderungsgesetz (WoFG) von bis zu 120 % zu einer Nettokaltmiete von 6,00 €/m² bzw. einer Warmmiete von 450,50 €, bei einer Überschreitung der Bundeseinkommensgrenze von bis zu 140 % zu einer Nettokaltmiete von 7,00 €/m² bzw. einer Warmmiete von 503,50 € und bei einer Überschreitung der Bundeseinkommensgrenze von bis zu 160 % – hier ohne WBS – zu einer Nettokaltmiete von 8,00 €/m² bzw. einer Warmmiete von 556,50 € vermietet werden.

Bauabschnittsweise Vermarktung

Die Vermarktung findet bauabschnittsweise statt. Die ersten 312 Wohnungen (Block 7 und 8), unter ihnen alle 256 geförderten Wohnungen, werden voraussichtlich im März 2018 fertiggestellt sein und sollen ab Dezember 2017 in die Vermietung gehen. Block 1 mit 108 Wohnungen soll im Juni 2018, Block 3 mit 108 Wohnungen im Juli 2018, Block 5 mit 73 Wohnungen im August 2018, Block 2 mit 149 Wohnungen im September 2018, Block 4 mit 126 Wohnungen im Oktober 2018 und Block 6 mit 154 Wohnungen im Dezember 2018 fertiggestellt sein.

Informationen zum Projektverlauf

Ab dem 07.10.2017 finden sich aktuelle Informationen zum Projektverlauf und die Möglichkeit der Vorerfassung als Interessent unter www.pepitahoefe.de. Kontakt kann unter vermietung@pepitahoefe.de oder telefonisch unter +49 (0) 30 2471 4444 aufgenommen werden.

Stephan Machulik

Wohngeld – Entwicklung der sozialgebundenen Wohneinheiten in Spandau

Als vierter Referent stellte Herr Bezirksstadtrat für Bürgerdienste, Ordnung und Jugend Stephan Machulik den Zweck des Wohngeldes und die Entwicklung der sozialgebundenen Wohneinheiten in Spandau dar.

Wohngeld nach dem Wohngeldgesetz (WoGG)

Das Wohngeld diene der wirtschaftlichen Sicherung angemessenen und familiengerechten Wohnens. Das Wohngeld werde als Zuschuss zur Miete (Mietzuschuss) oder zur Belastung (Lastenzuschuss) für den selbst genutzten Wohnraum geleistet. Wer die gesetzlichen Bedingungen hierfür erfülle, habe einen gesetzlichen Anspruch auf Wohngeld.

Die Voraussetzungen für den Wohngeldbezug und die notwendigen Anträge seien auf der Internetseite des Bürgeramtes Rathaus Spandau beschrieben. Wohngeldtabellen gäben eine grobe Übersicht, wie hoch der Wohngeldanspruch sein könnte.

Anträge dazu gebe es beim Bürgeramt Rathaus Spandau. Das Bürgeramt Rathaus Spandau arbeite grundsätzlich nach Terminvereinbarung. Die Öffnungszeiten lauteten: montags 08:00-15:00 Uhr, dienstags 08:00-14:00 Uhr, mittwochs 10:00-18:00 Uhr, donnerstags 10:00-18:00 Uhr und freitags 08:00-13:00 Uhr.

Herr Bezirksstadtrat Machulik empfiehlt allen Bürgerinnen und Bürgern, die einen Wohngeldanspruch haben könnten, unverzüglich – sofern noch nicht geschehen – einen Antrag zu stellen. Niemand müsse sich schämen, Wohngeld zu beziehen.

Entwicklung der sozialgebundenen Wohneinheiten in Spandau

In Berlin sei die Lage besonders prekär – so Bezirksstadtrat Machulik, denn seit 1989 hätten zwei Drittel der Sozialwohnungen ihre Bindung verloren. Derzeit gebe es noch knapp 117.000 solcher Wohnungen in Berlin. In Spandau hätten dieses Jahr zahlreiche Wohnungen ihren Sozialstatus verloren. Des Weiteren stünden viele dieser Mietobjekte sozial Schwachen überhaupt nicht zu Verfügung, denn jede dritte Wohnung in Berlin sei fehlbelegt. Spandau benötige dringend neue Sozialwohnungen. Das Neubauprojekt Pepitahöfe mit seinen individuellen Förderungen zeige, dass es für viele Spandauerinnen und Spandauer sinnvoll sei, einen Wohnberechtigungsschein (WBS) zu beantragen.

Schlusswort und Verabschiedung

Gegen 14.00 Uhr fasste RA Uwe Piper den Wohntag zusammen und verabschiedete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die im Anschluss unisono zum Ausdruck brachten, dass ihnen die Veranstaltung sehr gut gefallen habe.

Vielen Dank!

Der AMV dankt ausdrücklich Herrn Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank für die Übernahme der Schirmherrschaft, der Referentin und den Referenten für die inhaltliche Gestaltung des 1. Spandauer Wohntages sowie Herrn Hakan Budak und seinem Team vom Klubhaus Falkenhagener Feld für die perfekte Organisation und die vorzügliche Bewirtung.

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