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Neue Brücken für Spandau – Planfeststellungsverfahren

Planfeststellungsverfahren – Planunterlagen liegen im Bezirksamt Spandau aus

Freybrücke nach der Sprengung; Fotograf/Quelle unbekannt.
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Freybrücke nach der Sprengung; Fotograf/Quelle unbekannt.

Seit einiger Zeit geht´s nur noch mit gemütlichen 30 Stundenkilometern über die Freybrücke (am Stromkilometer 2 der Unteren Havelwasserstraße) — weil sie so marode ist. An den Längs- und Querträgern wurden erhebliche Korrosionsschäden festgestellt. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen dürfen nur noch die rechte Spur nutzen. Auf 164 Metern Länge und 24 Metern Breite ermöglicht sie seit rund 100 Jahren (konstruiert vom Bauingenieur Karl Bernhard) die Überquerung der zwischen Pichelssee und dem Stößensee gelegenen Halbinsel Pichelswerder.

Der noch (?) bestehende Denkmalschutz kann ihr nicht helfen. 2009 werden die Vorarbeiten beginnen um den für 2011 geplanten Abriss der Brücke zu gewährleisten. 1910 wurde diese Brücke als genietete Fachwerbogen-Konstruktion mit abgehängter Fahrbahn errichtet. Rund 60.000 Autofahrer nutzen diese Verbindung über die Havel. Und hier steckt der eigentliche Grund für Arbeiten, die weitere Brücken in Spandau betreffen werden.

Das „Verkehrsprojekt 17“ zum Ausbau der Unteren Havel als „Autobahn“ für große — zweistöckig beladene – Containerschiffe soll eine Durchfahrthöhe von 5,25 Metern garantieren. Bisher sind es nur 4,76 Meter. Gleichzeitig soll die Wasserstraße an dieser Stelle verbreitert werden, denn der Abstand zwischen den Pfeilern sei zu gering, so die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Ferner ist eine Vertiefung der Gewässersohle, also die Ausbaggerung der Havel an dieser Stelle geplant.

Der Leiter des Wasserstraßen-Neubauamts, Rolf Dietrich, meint, die Eingriffe in den Straßenverkehr würden aber „zumutbar“ gestaltet — was auch immer dies bedeuten mag. Die Arbeiten werden sicherlich nicht ohne Folgen für die Tiefwerder Wiesen bleiben, die seit 1960 Landschaftsschutzgebiet sind. Von den Umweltverbänden wird das „Verkehrsprojekte 17“ seit vielen Jahren scharf kritisiert.

Die vor vielen Jahren prognostizierten Steigerungen des Güterverkehrs auf deutschen und europäischen Wasserstraßen wäre viel zu hoch angesetzt. Vielmehr wird heute sogar ein Rückgang des transportierten Volumens angenommen. Von solchen Erkenntnissen unbeeindruckt gehen die Arbeiten aber „zügig“ weiter. Bisher fließt der Verkehr auf  fünf Fahrspuren über die Freybrücke, wobei die mittlere Fahrspur – je nach Verkehrsaufkommen — entweder stadteinwärts oder stadtauswärts nutzbar ist. Vor dem eigentlichen Abriss der Freibrücke wird 2009 mit dem Bau einer Behelfsbrücke begonnen werden, die aber nur noch drei Fahrspuren (gemäß Planfeststellungsverfahren für den Ersatzneubau der Freybrücke vom 29.02.2009 ?! aber vier) haben wird.

Die Planunterlagen liegen in der Zeit vom 16.02.2009 bis 16.03.2009 (jeweils einschließlich) zur allgemeinen Einsicht im Bezirksamt Spandau von Berlin, Abteilung Bauen, Planen und Umweltschutz, Raum 1125, Carl-Schurz-Str. 2-6, 13578 Berlin aus:

  • Montag – Mittwoch 9.00 – 16.00 Uhr
  • Donnerstag 9.00 – 18.00 Uhr
  • Freitag 9.00 – 14.00 Uhr

Einwendungen gegen das Vorhaben sind zur Vermeidung des Ausschlusses innerhalb von zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist, bis spätestens 30.03.2009 (maßgeblich ist der Tag des Eingangs der Einwendung, nicht das Datum des Poststempels) schriftlich oder zur Niederschrift bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost, Gerhart-Hauptmann-Straße 16, 39108 Magdeburg oder im Bezirksamt Spandau von Berlin, Carl-Schurz-Str. 2-6, 13578 Berlin, wo die Planunterlagen ausliegen, zu erheben. Die Einwendungen müssen Namen und Anschrift des Einwenders enthalten, das betroffene Rechtsgut bzw. Interesse benennen und die befürchtete Beeinträchtigung darlegen. Bei Eigentumsbeeinträchtigungen sind möglichst die Flurstücksnummern und Gemarkungen der betroffenen Grundstücke anzugeben.

Nicht nur Autofahrer werden von den Veränderungen betroffen sein. Direkt neben der Brücke, am Mahnkopfweg, hat seit rund 50 Jahren der Paddelclub Wiking sein Domizil. Diese hoffen auf weitere Hilfe des Senats, da die normale Entschädigung keinesfalls einen Neuanfang an anderer Stelle möglich machen würden. Auf der anderen Havelseite leben einige Kleingärtner mit einer ungewissen Zukunft. Auch sie werden wohl der für 2010 geplanten Behelfsbrücke weichen müssen. Südlich der Brücke steht die Botschaft des Haschemitischen Königreichs Jordaniens.

In deren „Vorgarten“ — also auf exterritorialem Gelände — wird in Zukunft ein ein Baukran emporragen. Zusätzlich sollen die dort am Ufer gelegenen Steganlagen entfernt werden. Die Freybrücke wird aber nicht Spandaus einzige betroffene Brücke sein. So sind Abriss und Neubau der Schulenburgbrücke am Rande der Spandauer Wilhelmstadt für den Herbst 2011 geplant. Ein Jahr darauf geht es dann mit den Arbeiten an der Charlottenbrücke in der Altstadt Spandau los. Im Herbst 2013 geschieht Gleiches  an der Dischingerbrücke, die im Verlauf der Ruhlebener Straße in Spandau die Havel überquert.

Am 3.5.1945 wurde die Freybrücke durch eine Fliegerbombe, die die Sprengkammern der Brücke traf, zerstört. Erst am 16.12.1948 wurde von brit. Pionieren eine Notbrücke errichet,… Quelle:

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

2 thoughts on “Neue Brücken für Spandau – Planfeststellungsverfahren

  1. Als Spandauer finde ich es schade, wenn solch eine alte Stahlkonstruktion verschwindet. Der Reiz dieser alten Bauwerke ist schon ein ganz besonderer. Wie die neue Brücke aussehen wird, weiß wohl noch niemand (?).
    Da die Schäden an der Konstruktion aber nicht von der Hand zu weisen sind, ist der Abriss nur folgerichtig. So kann ich in diesem Zusammenhang auch mit einer Anhebung der Durchfahrtshöhe für Schiffe leben.
    Wenn aber, wie geplant, gleichzeitig eine Vertiefung und Verbreiterung der Havel mit einher geht, dann bedeutet dies einen erheblichen Eingriff in die Natur. Vor allem, da nicht klar ist, in welchem Ausmaße die Veränderungen erfolgen sollen.
    Wie stark leidet das nahe gelegene Landschaftsschutzgebiet darunter? Dort wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte Millionen investiert, um einen halbwegs natürlichen Zustand wieder herzustellen.
    Veränderungen an der Geometrie von Flußläufen verändern zweifelsohne die Fließgeschwindigkeit – mit allen dazugehörigen Konsequenzen…

  2. Das Planfeststellungsverfahren führte erwartungsgemäß zu Einwendungen. Dabei ist ein überraschendes, möglicherweise sogar pikantes Detail, zu Tage getreten.
    So soll die Durchfahrtshöhe der Freybrücke nicht, wie von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und dem Wasserstraßen-Neubauamtes angegeben, nur 4,67 Meter betragen. Vielmehr sollen es sogar 5,25 Meter sein.
    Bestimmt hat diese Höhe am 2. März 2009 das Vermessungsbüro „Geodata Werth & Werth“, bei einem Wasserspiegel von 29,58 Meter über Normalnull.
    Dem steht eine Angabe des Wasserstraßen-Neubauamtes von 30,45 Meter entgegen, die aber auf das Jahr 1950 zu datieren ist.
    Seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ist aber einiges geschehen. So hat u. a. mit der Flutung der Tagebaue in der Lausitz die Wasserzufuhr in die Havel durch die Spree erheblich abgenommen. Wasser, welches sonst in die Spree und damit auch die Havel gelangt wäre.
    Diese Veränderung muss dem Wasserstraßen-Neubauamtes bekannt gewesen sein.
    Ferner ist die Freybrücke keine 100 Jahre alt, da sie zum Ende des zweiten Weltkrieges gesprengt worden sein soll. Dies ist z. B. der Chronik auf „http://pichelsdorf.info/geschichte.html“ zu entnehmen. „1945: Schwere Kämpfe um Pichelsdorf und Pichelswerder, Sprengung der Freybrücke, Neubau 1951“. Fotos dokumentieren ebenso die Zerstörung der Brücke. Folgerichtig muss sie – wie schon erwähnt – neu erbaut worden sein.
    Die vorgebliche Baufälligkeit soll sich aber aus Berechnungen ergeben, die ein Alter von 100 Jahren zu Grunde legen…

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