Reines Trinkwasser für Spandau

Reines Wasser für Spandau

Wasserbetriebe verteilen vor dem Rathaus Trinkwasser in Beuteln

Reines Trinkwasser für Spandau
Reines Trinkwasser für Spandau

 

Am Donnerstag gab es eine Warnung der Berliner Wasserbetriebe. In großen Teilen Spandaus könnte das Trinkwasser mit coliformen Keimen verunreinigt sein. EHEC ist schon fast aus den Köpfen der Leute verschwunden. Die Probleme mit dem Trinkwasser  in Potsdam-Babelsberg aber noch nicht. Dort waren die Ursache tote Kleintiere im Reinwasserbecken. Vor kurzem fanden dort Bauarbeiten statt. Der Verdacht liegt nahe, das in diesem Zusammenhang die Tiere in das Becken gelangen konnten und dort verendeten.

In Spandau verteilen die Berliner Wasserbetriebe  am Freitag vor dem Rathaus Spandau Trinkwasser, eingeschweißt in Beuteln zu 1,5 Liter. Die Verteilaktion ist sicherlich erst einmal ein Tropfen auf den heißen Stein und dient eher als Vertrauensbildende Maßnahme.

Die Spandauer selbst nahmen die Warnung bisher sehr gelassen auf. Der strömende Regen schien sie viel eher zu stören. Es gab viele, die eher zufällig von den Problemen erfuhren. So hielt sich  Andrang nach den Wasserbeuteln deutlich in Grenzen. Mitarbeiter der Wasserbetriebe versuchten alle Fragen, so weit als möglich zu beantworten.

Das Gesundheitsamt hätte nach Pressemeldungen von gestern Informationsmaterial in den großen Einkaufszentren verteilen wollen/sollen. Gegen 10.30 war zumindestens in den Spandau-Arcaden davon nichts zu sehen.

Berliner Wasserbetriebe verteilen Trinkwasser für Spandau
Berliner Wasserbetriebe verteilen Trinkwasser für Spandau

Bisher ist die Ursache der Verkeimung noch nicht gefunden. Anders als in Potsdam kam hier schon das Wasser verkeimt aus dem Brunnen. Das große Sammelbecken war also selbst nicht die Ursache. Die Desinfizierung war notwendig, weil verkeimtes Wasser dort hinein gelangte.  Eigentlich hätte die zwischengeschaltete mehrschichtige Filterung nichts durchlassen dürfen, meinte ein Vertreter der Wasserbetriebe vor dem Rathaus Spandau. Noch ist völlig unklar, warum dies geschehen konnte. Die Trinkwasserbecken in Spandau sollen so sicher von der Umgebung isoliert sein, dass es Tieren hier nicht möglich sein dürfte, hinein zu gelangen, meinte der Mitarbeiter der Wasserbetriebe.

Nun fragt sich jeder, warum es so lange dauert, bis Untersuchungsergebnisse vorliegen. Untersuchungen auf mikrobiellen Befall dauern ihre Zeit. Nach 24 Stunden geben nur die Schnelltest erste Auskünfte. Genauere Aussagen kann man erst nach ungefähr drei Tagen treffen. Welche coliformen Keime sich nun im Trinkwasser befinden, muss sich erst zeigen. Ein gesunder Erwachsener wird dadurch wenig Probleme bekommen. Ein leichter Durchfall könnte alles sein, was geschieht. Anders ist es mit kleinen Kinder, alten Menschen oder Kranken. Hier ist wirklich Vorsicht angesagt. Also: „Wasser abkochen“! Aber, 5 Minuten reichen in der Regel aus.

Die Empfehlung der Wasserbetriebe, das Wasser abzukochen und die Warnung, die einen recht großen Teil Spandaus betrifft, wurde eher als Vorsichtsmaßnahme ausgesprochen. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass keimbelastetes Trinkwasser in die Trinkwasserleitungen gelangt ist, so ein Mitarbeiter der Wasserbetriebe. Da man aber erst nach den schon genannten 18 Stunden reagieren konnte, wollte man lieber auf Nummer Sicher gehen und sprach demzufolge die Warnung aus. Es genügt, das eine Verunreinigung denkbar ist. Eine wirkliche Entwarnung kann aber erst gegeben werden, wenn klare Analyseergebnisse zur Verfügung stehen. Darum findet solange eine Beprobung statt, bis der Keimgehalt wieder bei Null Keimen pro 0,1 Liter liegt. Diese Analysen brauchen aber ihre Zeit.

Wir dürfen gespannt sein, was die Ursache der Probleme ist. Ein Grund zur Panik besteht sicherlich nicht.

 

Ralf Salecker

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Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

2 thoughts on “Reines Wasser für Spandau

  1. Das Märchen der toten Kleintiere wird auch für Spandau aus dem Hut gezogen, oder ein ähnlicher Nonsens. Als Bürger fühle ich mich hier total verarscht. Ein Anruf bei den BWB endete mit einem Besetztzeichen. Ob 5 Minuten oder 20 Minuten abkochen ausreichen kann niemand zweifelsfrei beantworten, hier divergieren die Aussagen von Bezirk und Senat diametral. Und was heißt in Ihrem Artikel „in der Regel“? Reicht die Zeit oder nicht? Das muss klar und eindeutig angesagt werden, alles andere ist Stuss. Die Verteilung von Wasserbeuteln ist genauso minderwertig wie die Verteilung von irgendwelchen Gutscheinen. Die BWB sollten lieber GELDSCHEINE an die betroffenen zahlenden Kunden verteilen. Das teuerste Wasser Deutschlands ist jetzt dem Qualitätsniveau der 3. Welt. Danke dafür!

    Ein recht großer, betroffener Teil von Spandau ist auch wohl etwas untertrieben, finden sie nicht? Wenn 130.000 – 200.000 Einwohnern Gülle als Trinkwasser geliefert wird, dann ist das so ziemlich der Ober-GAU!

    Weiter glaube ich nicht daran, dass die Analysen soooo viel Zeit brauchen. Die BWB könnten vielleicht auch einen Teil ihrer fetten Gewinne dafür ausgeben, die Analysen zu verkürzen. Zuletzt ist noch die Frage offen, ob man für die Zeit der verseuchten Wasserlieferung überhaupt Gebühren zahlen muss, auch die Abkocherei oder der Kauf von Mineralwasser muss den BWB in Rechnung gestellt werden können.

  2. Fünf Minuten Abkochen gilt für eine normale bakterielle Belastung. Nach dieser Kochzeit sind die Viecher tot.
    Die Berliner Wasserbetriebe reagierten vorsichtiger, weil sie annahmen, es könnten auch Sporen ins Trinkwasser gelangt sein. Dann wären 20 Minuten gerechtfertigt, auch wenn kaum ein Mensch sein Wasser so lange kochen würde.

    Mikrobiologische Untersuchungen benötigen ihre Zeit, weil auch die Schnelltest erst bebrütet werden müssen, bei definierten Temperaturen. Da lässt sich kaum ein Turbo einschalten. Die Organismen müssen erst ein Weilchen wachsen, damit man sie sehen kann … – in der Menge, nicht der Größe.

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