Klaus Wowereit trägt sich in das goldene Buch Spandaus ein (Foto: Ralf Salecker)

Richtfest für ein bedeutsames Museum auf der Zitadelle

Eine neue Heimat für Denkmale und Skulpturen in Spandau

Klaus Wowereit trägt sich in das goldene Buch Spandaus ein (Foto: Ralf Salecker)
Klaus Wowereit trägt sich in das goldene Buch Spandaus ein (Foto: Ralf Salecker)

Im Herbst 2014 wird es endlich so weit sein. Die Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ im sanierten ehemaligen Magazin-Gebäude auf der Zitadelle Spandau soll für eine Steigerung der Besucherzahlen in der Renaissancefestung von derzeit 75.000 auf 170.000 Besucher sorgen – ein ambitioniertes Ziel. Der lange bestehenden Forderung nach einer besseren Vermarktung der Renaissancefestung dürfte damit endlich Genüge getan werden. Nach dem Richtfest befinden sich die Umbauarbeiten an der ehemaligen Kaserne (Haus 6) und dem Proviantmagazin (Haus 8) praktisch in der Zielgeraden. Beide werden denkmalgerecht zu Museen umgebaut.

Zimmerleute wünschen dem Bau alles Gute (Foto: Ralf Salecker)
Zimmerleute wünschen dem Bau alles Gute (Foto: Ralf Salecker)

Das Richtfest im Beisein des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, des Spandauer Bezirksbürgermeisters, Helmut Kleebank, des Kultstadtrates Gerhard Hanke und der Museumsleiterin der Zitadelle, Andrea Theissen war dem besonderen Anlass entsprechend sehr gut besucht.

Rund 14 Millionen Euro wurden bisher in die zukünftigen Museumsbauten investiert. Mehr als 50 Millionen sind in den letzten Jahrzehnten im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen für die Zitadelle ausgegeben worden. Ohne die Mittel der Deutschen Klassenlotterie dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) wäre eine Finanzierung (je 50 Prozent) nicht möglich gewesen.

Zwei Ausstellungen sollen die Zitadelle über ihre eigentliche historische Bedeutung hinaus zu einem Top-Touristenmagneten in Berlin machen, von dem hoffentlich auch die Spandauer Altstadt ein profitieren wird. Schließlich nennt sich Spandau nicht ohne Grund „Zitadellenstadt Spandau“. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftig Touristen auch den Weg in die Altstadt finden. So findet man im Bereich der Altstadt einen Hinweis auf die Zitadelle, umgekehrt gibt es vergleichbares nicht für die Altstadt. Ein Hinweis auf die dortigen Sehenswürdigkeiten wäre da sicherlich hilfreich.

Neue Museen als Touristenmagnet auf der Geschichtsinsel

Im Herbst soll es endlich losgehen (Foto: Ralf Salecker)
Im Herbst soll es endlich losgehen (Foto: Ralf Salecker)

Derzeit befinden sich fünf unterschiedliche Geschichtsmuseen auf der Zitadelle. Bald kommen zwei neue hinzu. Das ehemalige Kasernengebäude (Haus 6) aus gelbem Ziegelstein, an der Nordseite der Zitadelle, wird Wechselausstellungen zur Festungs- und Militärgeschichte beherbergen. Ins ehemalige Proviantmagazin an der Ostseite, welches in den 1930er Jahren entkernt wurde, ziehen monumentale politische Denkmäler und Skulpturen ein, die schon im Vorfeld zu sehr emotionalen Diskussionen führten. Die Zitadelle soll zukünftig zur „Geschichtsinsel“ werden.

Den Leninkopf aus rotem Granit hätten manche gerne auf dem „Müllplatz der Geschichte“ gesehen. Bis 1991 gehörte er zum Lenindenkmal auf dem heutigen Platz der Vereinten Nationen (früher Landsberger Platz und später Leninplatz) im Berliner Bezirk Friedrichshain. Schon immer wurden Symbole der Geschichte, nachdem „ihre Zeit“ scheinbar abgelaufen war, zerstört oder vergraben. Geschichte sollte aber nicht so einfach „entsorgt werden“. Die Ausstellung will sich mit eben diesem Spannungsfeld auseinandersetzen.

Gerhard Hanke, Klaus Wowereit und Helmut Kleebank: Zimmermannsarbeit als festlicher Akt (Foto: Ralf Salecker)
Gerhard Hanke, Klaus Wowereit und Helmut Kleebank: Zimmermannsarbeit als festlicher Akt (Foto: Ralf Salecker)

Beherrschender Teil der Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ sind in jedem Fall die bis zu 3,5 Meter hohen Figuren der ehemaligen Siegesallee im Großen Tiergarten, die 1898-1901 geschaffen wurden. Könige, Markgrafen, Kurfürsten aber auch Geistesgrößen, kamen vor einigen Jahren aus dem Kreuzberger Lapidarium nach Spandau. 1000 Jahre deutscher Geschichte sollten die Figuren einst symbolisieren. Von den Berlinern bekam die Allee damals schnell den abschätzigen Namen „Puppenallee“ verpasst.

Folgende Epochen wird die Ausstellung im Haus 8 widerspiegeln:

  • vor der Reichsgründung 1871
  • Kaiserzeit 1871 – 1918
  • Weimarer Republik 1918 – 1933
  • Nazizeit 1933 – 1945
  • Ostberlin und Westberlin 1945 – 1989

Alte Gebäude machen die Sanierung oft zu einem unberechenbaren Unterfangen. Schon 2012 hätten die Arbeiten ihren Abschluss finden sollen. Die Tücke liegt, wie so oft, im Detail. Das Magazingebäude war einst nicht für eine Nutzung konzipiert, bei der tonnenschwere Objekte dort präsentiert werden. So war es notwendig, dem 115 Meter langen Gebäude eine Bodenplatte aus Beton zu verpassen, damit es quasi auf dem sumpfigen Untergrund „schwimmen“ kann.

Nun scheinen alle Schwierigkeiten überwunden. Wir können gespannt sein, was uns im Herbst dort erwartet.

Zitadelle Spandau

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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