S-Bahn Berlin

S-Bahn-Entschuldigung ist ein Schlag ins Gesicht der Kunden

Größere Fehlleistung dafür kleinere Entschuldigung

„Normalisierter Betrieb bis Ende 2010. Grube und Homburg sagten die Rückkehr zum Normalfahrplan auf allen S-Bahnlinien bis Ende 2010 zu.“: Das war die Pressemeldung der Bahn, Anfang 2010. Wie wir leidvoll erfahren haben, kam alles anders …

Die S-Bahn bringt sich einmal mehr mit negativen Schlagzeilen ins Gespräch. Nach einer kaum mehr zu unterbietenden Leistung im vergangenen Winter will die S-Bahn ihre malträtierten Abo-Kunden nur noch mit einem Monat „Freifahrt“ um Entschuldigung bitten. Inzwischen könnte man fast denken, es ist ein durchdachter Großversuch der S-Bahn, um zu überprüfen, wie leidensfähig die Berliner Kunden sind. Von der Verkehrssenatorin gab es noch nicht einmal eine Stellungnahme dazu. Sie hat sich wohl auch bös überraschen lassen. Bisher musste die S-Bahn keine Konsequenzen für ihr ständiges Versagen befürchten. Warum also etwas ändern, wird sie sich sagen …

Seit Montag gilt der Winterfahrplan, ein schönfärberischer Name, der in Wahrheit nur ein Not-Not-Fahrplan ist. Schließlich fahren noch weniger Züge, als beim letzten Notfahrplan. Bis Ende des Monats soll er vorerst gelten. Züge fahren nicht nur in geringerer Anzahl, nein, sie sind auch viel langsamer unterwegs. Maximal 60 km/h langsam zockeln sie durch die Stadt, da nur dann sicher gestellt scheint, dass die Bremssysteme funktionieren. Es gab einmal Zeiten, da waren es 100 km/h. Auf Eingleisigen Strecken liegen die Taktzeiten bei 30 Minuten.

Nun könnte man sagen, dass sich auf längeren Strecken die Fahrtzeiten gerade einmal um rund 10 Minuten verlängern. Das ist doch kaum der Rede wert. Dummerweise verlängert sich diese Zeit erheblich, da u. U. die Anschlüsse nicht mehr funktionieren. Fahrgäste sich in der Folge auf längere Wartezeiten einstellen müssen. Für die anderen Verkehsbetriebe ist es unmöglich, sich auf die spontane Fahrplanänderung der S-Bahn einzustellen. Angepasste Reaktionen sind also kaum möglich.

Bisher hatte nur das Land Berlin seine Zahlungen an die Bahn gekürzt. Nun sieht sich auch das Land Brandenburg dazu genötigt.

Ehrlicherweise spricht die S-Bahn selbst nicht von einer Entschädigung, sondern nur von einer Entschuldigung. Sie gibt zu, dass es sich maximal um eine Geste handelt. Waren es Anfang 2010 noch rund 70 Millionen Euro „Entschuldigungsleistungen“, sind es jetzt nicht einmal mehr 40 Millionen.

Den Entschuldigungsmonat erst im November den Kunden zu gönnen, hat möglicherweise ganz pragmatische Gründe. Eine sofortige Entschädigung, wie gefordert, um mindestens zwei Monate, würde später, wenn das Chaos sich fortsetzen sollte, noch einen weiteren, dann dritten Monat, notwendig machen. Das will die Bahn wohl vermeiden. An diesem Punkt scheint das strategische Denken des Bahn-Managements zu funktionieren. Eine funktionieren Strategie, die Berliner S-Bahn wieder fahrtüchtig zu machen, ist wohl noch in weiter Ferne.

Folgende Nettigkeiten sind beabsichtigt:

  • Im November dürfen Abo-Kunden kostenlos fahren. Vom Konto wird dann kein Geld abgebucht.
  • Wer eine Jahreskarte als Neukunde erwirbt, bekommt automatisch einen Monat erlassen.
  • Das Sozialticket und normale Monatskarten werden im Mai um 15 Euro ermäßigt.
  • Bei gleitenden Monatskarten gelten im Mai eine Woche länger.
  • Für reguläre Kunden sollen die normalen Fahrkarten an den Wochenenden im Februar Tageskarten gleichgestellt sein.

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

2 thoughts on “S-Bahn-Entschuldigung ist ein Schlag ins Gesicht der Kunden

  1. Merkwürdig, dass der Eigentümer der Deutschen Bahn hier nicht konsequent eingreift und den Fahrgästen hilft. Es traut sich einfach niemand, das DBGrG zu Gunsten von Fahrgästen zu ändern. Nicht vergessen, die S-Bahn Berlin GmbH ist eine 100% Tochter der DB.

  2. Herr Ramsauer, als zuständiger Minister, muss sich um die Pflege der deutschen Sprache kümmern. Er hat also keine Zeit, sich für solch nebensächliche Unternehmen, wie die Bahn zu kümmern. All die anderen Vertreter der öffentlichen Hand tauchen lieber ab, als sich ihrer Verantwortung zu stellen.

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