Trinkwasser für Berlin (Foto: Ralf Salecker)

Spandau Trinkwasser: Quelle der Verunreinigung eingegrenzt

Im Laufe des Samstag gibt es die Ergebnisse

Keime im Weltall
Keime im Weltall

Der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe (BWB), André Beck, meldete noch am Freitag: “Die Suche konzentriert sich jetzt auf die Brunnengalerien Nord und Süd im Areal Pionierstraße”. 30 Brunnen werden jetzt genauer unter die Lupe genommen. Ergebnisse liegen aber frühestens Samstag Nachmittag oder Samstag Abend vor. Das 1987 in Betrieb genommene Wasserwerk in der Pionierstraße verfügt über insgesamt 44 Vertikalbrunnen und einen Horizontalbrunnen. Deren maximale Förderleistung beträgt pro Tag etwa 160.000 Kubikmeter.

Jens Feddern, der Leiter der Wasserversorgung bei den BWB, sprach die Vermutung aus, das die Verunreinigung durch Fäkalien kommen könne. Die Wasserbetriebe schließen defekte Brunnen oder negative Einflüsse durch Baumaßnahmen nicht aus.
Der kräftige Regen der letzten Tage kann dafür wohl nicht verantwortlich gemacht werden. Erstens dauert es ein paar Wochen, bis das einsickernde Regenwasser den Grundwasserleiter erreicht hat und zweitens müssten diese Probleme dann bei jedem größeren Regen auftrteten, was aber nicht der Fall ist. Vor allem kann der jetzige Regen, auch wenn er im Sommer nervt, nicht als die große Flut angesehen werden.

Probennahme

Neben den Wasserbetrieben hat auch der Bezirk Proben genommen. Sechs waren es am Freitag, erklärte die stellvertretende Gesundheitsstadträtin Stadträtin Daniela Kleineidam. Diese werden im „Landeslabor Berlin-Brandenburg“, dem „Institut für Lebensmittel, Arzneimittel, Tierseuchen und Umwelt“ im Wedding untersucht.

Die Beprobung des Trinkwassers erfolgt in Berlin nur alle zwei Tage. Dies ist mehr, als von der Trinkwasserverordnung gefordert, so die Berliner Wasserbetriebe. Proben würden dabei nach der Entnahme aus den Brunnen und auch im sogenannten Reinwasserspeicher gezogen. Nun hat jetzt aber gezeigt, das dieser Rhythmus nicht unproblematisch ist. Bisher konnte man dies bedenkenlos tun, weil die Wasserqualität in Berlin unstrittig gut war, wenn man einmal die Diskussion um Medikmentenrückstände und Substanzen mit Hormonähnlicher Wirkung außer acht lässt. In Hamburg werden die Brunnen aus denen das Rohwasser gewonnen wird, täglich mindestens einmal untersucht.

Trinkwasseruntersuchung

Für die mikrobiologischen und chemischen Anforderungen an die Wasserbeschaffenheit gilt: Im Trinkwasser dürfen weder Krankheitserreger im Sinne des Infektionsschutzgesetzes noch chemische Stoffe in Konzentrationen enthalten sein, die eine Schädigung der menschlichen Gesundheit hervorrufen können. Dementsprechend wird das Trinkwasser nach 43 chemischen und sechs bakteriologischen Parametern untersucht.

Das hört sich viel und wenig gleichermaßen an. Der Normalbürger dürfte Schwierigkeiten haben, 43 chemische Parameter aufzuzählen, die untersucht werden könnten. Wenn man aber weiß, wie viele Tausend Chemikalien tagtäglich genutzt werden, sei es nun privat oder industriell, der ahnt, wie schwer es sein kann, daraus einen praktikablem Untersuchungsausschnitt zu bestimmen. Die vielen genutzten Chemikalien landen im Abwasser, in Flüssen und Seen und bewegen sich auch in Richtung Grundwasser. Meist reicht die Filterwirkung des Bodens aus. Manche Chemikalien passieren den natürlichen Filter – und möglicherweise auch die Filteranlagen der Wasserwerke. Aus diesem Grund sollte niemand seine Medikamente oder Haushaltschemikalien im Klo entsorgen.

Desinfektion

Das Trinkwasserbecken wurde gleich nachdem die Kontamination mit coliformen Keimen entdeckt wurde gechlort. Die Chlorung des gesamten Trinkwassers wird seitdem kontinuierlich fortgesetzt. Vorher war unser Trinkwasser praktisch chlorfrei. Geschmacklich macht sich dies nicht bemerkbar. Die ständige Chlorung sollte dazu geführt haben, das das Spandauer Trinkwasser inzwischen keimfrei ist. Der Wasserdurchfluss in Spandau ist so groß, das die gesamte Wassermenge im Leitungsnetz innerhalb eines Tages ausgetauscht ist.

Theoretisch ist also nichts zu befürchten. Genauere Untersuchungsergebnisse gibt es im Laufe des Tages.

 

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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