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Spandaus Altbürgermeister Werner Salomon erzählte aus seiner Schulzeit

Schülerdiskussion und Fragen an Zeitzeugen in der Freiherr-vom-Stein-Schule

Werner Salomon mit 16 Jahren als Luftwaffenhelfer am Falkenhagener See
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Werner Salomon mit 16 Jahren als Luftwaffenhelfer am Falkenhagener See

Wie war das damals eigentlich wirklich? Wart ihr alle Nazis? Wie sah euer Schulalltag aus? Derartige Fragen waren Thema einer Schülerdiskussion, die Altbürgermeister Werner Salomon kürzlich mit 16-jährigen Schülerinnen und Schülern seiner alten Schule – der Freiherr-vom-Stein-Schule – führte.

Werner Salomon war von 1937 bis in den Krieg hinein, also vor 75 Jahren, selbst „Stein-Schüler“ in einer von den Nationalsozialisten belasteten Zeit.

Salomon: „Es ist richtig und notwendig, wenn noch lebende Zeitzeugen der Hitlerzeit – und es werden immer weniger – für Darstellungen, Erlebnisberichte, Gespräche und Diskussionen mit jungen Menschen zur Verfügung stehen! Es sind die heute über 80-jährigen, die 12 Jahre Nazizeit noch hautnah erlebt und den Krieg überlebt haben – und sind so als lebendige Zeitzeugen wohl auch die besten Geschichtslehrer für jene Zeit, um darzustellen, dass sich derartige katastrophale geschichtliche Fehlentwicklungen, wie damals von 1933 bis 1945, nie wieder in Deutschland wiederholen dürfen!“

Sicher ist es nicht ganz einfach, die damaligen Gegebenheiten und Gefühlswelten nachfolgenden Generationen, die im Schoße einer friedlichen Demokratie und im Wohlstand aufgewachsen sind, zu vermitteln.

In einer Zeit, die am Überfluss von Informationen fast erstickt, ist es schwer verständlich zu machen, was es bedeutet in einer Welt aufzuwachsen, in der eine gewaltige Propagandamaschine jede Wahrheit manipulieren kann und der Staat bestimmt, was seine Bürger wissen dürfen!

Mit kaum beschreibbaren raffinierten dialektischen Mitteln wurde das Volk – und insbesondere die Jugend – ideologisch systematisch missbraucht und das Propaganda-Trommelfeuer verfehlte seine Wirkung nicht, eben auch nicht auf Halbwüchsige.

Mit persönlichen Erlebnissen und Episoden aus der damaligen eigenen Schulzeit lässt sich ein anschauliches Bild über den damaligen Schulalltag entwickeln der zweifellos von einem nationalsozialistischen Ungeist geprägt war (Fahnenappelle auf dem Schulhof oder in der Aula: „Achtung zum Einmarsch der Fahne“, Bekenntnis zu Führer, Volk und Vaterland) und alles überragt von einem „Naziverrückten“ Schuldirektor!

Im Krieg, etwa ab 1942, wurden wir Jungen weiter durch das Hitlersystem missbraucht: Kriegsbedingter viermonatiger Ernteeinsatz auf dem Lande in Pommern und danach wurden wir 15 bis 16-jährigen Oberschüler zum Kriegsdienst in der Luftwaffe als sog. „Flakhelfer“ eingezogen. „Kinder unter dem Stahlhelm“, welche Perversion!

Werner Salomon: „Die entscheidende Frage, die sich aus all dem Erlebten ergibt, welche Folgerungen, welche Lehren habe ich aus diesem Abschnitt meines Lebens gezogen? Nie wieder eine Diktatur auf deutschem Boden zulassen! Und so bemühe ich mich – mit anderen – zu engagieren gegen ein Vergessen, für eine werteorientierte Demokratie! Diese Demokratie zu verteidigen, gegen extremistische Aktivitäten, derzeit vor allem gegen die Wiederbelebung nationalsozialistischer Parolen und Praktiken, aber auch gegen Ausgrenzung Rassismus, Antisemitismus und Gewalt und jüngeren Menschen anschaulich durch eigenes Erleben vor Augen zu führen, wo es endet, wenn Menschen mit Füßen getreten werden oder was aus ihnen gemacht wird, wenn die Gewalt verherrlicht wird!“

Die 16-jährigen Schülerinnen und Schüler waren sichtlich beeindruckt!

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