Spekte-Grünzug Spandau, zwischen verlängerter Schulzenstraße und Bötzow-Bahn (Foto: Ralf Salecker)

Spekte-Niederung in Spandau

Spekte-Grünzug in Spandau

Spekte-Grünzug Spandau, zwischen verlängerter Schulzenstraße und Bötzow-Bahn (Foto: Ralf Salecker)
Spekte-Grünzug Spandau, zwischen verlängerter Schulzenstraße und Bötzow-Bahn (Foto: Ralf Salecker)

Die Spekte-Niederung gehört zu einem ausgedehnten Senkengebiet, welches sich von Falkensee im Havelland bis nach Spandau hinein erstreckt. Dieser Grünzug ist ein Teil des Warschau-Berliner-Urstromtales. Er entstand während der letzten Eiszeit, der Weichsel-Eiszeit. Schon im Mittelalter wurde dieser Bereich genutzt, damals aber eher als Grünland. Die feuchten Wiesen und flachen Moore ließen eine Viehwirtschaft kaum zu.

Die Spekte-Niederung beginnt am Südrand des Spandauer Forstes, „folgt“ der Berliner Stadtgrenze und knickt mit der Spektelake nach Süden ab. Sie hat eine Länge von fünf Kilometern und eine Breite zwischen 200 und 500 Metern.

Bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein existierte hier noch die Spekte als ein kleiner Fluss, der in den Feuchtgebieten des Havellandes entsprang und bei Spandau in die Havel mündete. Die Urbarmachung des Havellandes in den vergangenen Jahrhunderten, sowie Grundwasserabsenkungen durch die Inbetriebnahme des Wasserwerks Spandau 1897, ließen das Flüsschen praktisch verschwinden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für den Wiederaufbau der Stadt Berlin eine enorme Menge an Sand und Kies benötigt. Die natürlichen Rohstoffe wurden ab 1950 im so genannten Nassbaggerverfahren gefördert. Der Große Spektesee – heute allgemein nur der „Kiesteich“ genannt – im Spektefeld und die in den Spektewiesen liegende Spektelake sind ehemalige Kiesteiche aus dieser Zeit. Beide gehören mit zu den größeren Seen Berlins. In den Jahren von 1955 bis 1965 wurde ein Teil dieser Kiesseen mit Bauschutt, Abraum aus dem Straßen- und U-Bahnbau sowie Hausabfall verfüllt. So hat der Kiesteich heute weniger als die Hälfte seiner alten Größe.

Die geologische Beschaffenheit dieser „Rinne“ führte dazu, dass nur die Randbereiche bebaut wurden. (1965 war Baubeginn der Großsiedlung Falkenhagener Feld – für 50 000 Menschen). Dieser Umstand, kam einer späteren Neugestaltung der Landschaft sehr entgegen.

Im Jahre 1973 begann der Bezirk Spandau von Berlin diesen Bereich zu einem Naherholungsgebiet auszubauen, wenn auch das Gebiet eher als Parkanlage gesehen wurde. 1974 wurden viele alte Planungen, wie etwa ein Schwimmbad oder eine große Anzahl von Kleingartenparzellen, verworfen. Ökologische Interessen traten stärker in den Vordergrund. Auch wenn einige schützenswerte Tiere und Pflanzen dabei den Arbeiten zum Opfer fielen. Bisher gewerblich oder landwirtschaftlich genutzte oder einfach brachliegende Flächen wurden umgestaltet.

Die vormals existierende Situation eines Tales sollte durch Rekultivierungsmaßnahmen in Ansätzen wieder hergestellt werden. Biotope für Pflanzen und Tiere sollten ebenso Teil der landschaftlichen Planung sein, wie der Erholungswert für die Anwohner der Umgebung. Liegewiesen, Spielplätze, Wander- und Radwege gehörten damit ebenso in das Konzept, wie Bereiche, die dem Menschen nicht zugänglich sein sollten, damit die Natur sich dort frei entfalten konnte.

Seit 1980 wurden im Spektefeld aus dem zur Verfüllung verwendeten Bauschutt Hügel errichtet, die inzwischen mit Gehölzen bewachsen sind. Im Sommer 1984 wurde das Areal um den Kiesteich fertig gestellt. Der westliche Uferbereich wurde als Überschwemmungswiese mit passenden Pflanzen für die höheren Wasserstände im Frühjahr gestaltet. Die Pegelstände der Spekteseen schwanken um bis zu zwei Meter. Im nordwestlichen Bereich bieten Steilufer Nistplätze für Uferschwalben, während nordöstlich eine Flachwasserzone mit Unterwasserböschungen angelegt wurde. Mit dem Landschaftsprogramm von 1987 strebt Berlin die Ausweisung des Spekte-Grünzuges als Landschaftsschutzgebiet an. Vorrangig hervorgehoben wird die Entwicklung des Grabens als „Biotop mit Verbindungsfunktion für Arten der Gewässerränder“. Die gesamte Fläche soll der Grundwasseranreicherung wie auch dem Schutz des Stadtklimas dienen. Als Kaltluftentstehungsgebiet führt es mit dem Westwind frische Luft in die Innenstadt.

Im Jahr 2013 wurde im Spektepark, dem Bereich rund um den Kiesteich, viele Sportmöglichkeiten für jung und alt geschaffen.

Noch weiter nach Westen ist, wenn auch eher als symbolische Anlehnung, das alte Fließgewässer der Spektelake (Fertigstellung 1997) wieder in die Natur modelliert worden. Der Spektegraben, für den eine Absenkung des Geländes um drei Meter notwendig war, verbindet die Spektelake mit dem Großen Spektesee. Feuchtwiesen mit ihrer typischen Pflanzenwelt konnten hier wieder entstehen.

Nördlich der Falkenseer Chaussee schließt sich ein Areal an, dass vom Menschen so ungestört wie möglich verbleiben soll. Ziel ist eine naturnahe Flachmoorniederung mit Nass-, Feucht- und Trockenzonen in den Übergangsbereichen zu den höher gelegenen Talsandrücken. Im Juli 2014 beginnt hier ein Beweidungsprojekt mit Wasserbüffeln, die auch schon in der Tiefwerder Wiesen erfolgreich als biologische Rasenmäher eingesetzt werden.

Im Osten des Spektesees, also zwischen Zeppelinstraße und Hohenzollernring, befindet sich die, im Jahre 2003 fertig gestellte Ausbaustufe des Grünzuges. Zweieinhalb Millionen Euro kamen hierzu unter anderem von der Deutschen Bundesbahn als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in die Natur während des Streckenausbaus Berlin-Hamburg. 18 Monate lang wurde hier die Landschaft neu gestaltet. Die weitläufigen Wiesen umfassen eine Fläche von rund 13 Hektar.

Der durchgehender Grünzug von Spandau bis nach Falkensee (von Rathaus zu Rathaus) ist inzwischen kein Wunschbild beider Nachbargemeinden mehr. Auf Spandauer Seite kann man inzwischen durchweg im Grünen unterwegs sein.

Der Versuch einer gemeinsamen Beteiligung an der Landesgartenschau 2009, in der Flächen mit einer Ausdehnung von über 319 Hektar zusammengeführt werden sollten, scheiterte. Oranienburg bekam damals den Zuschlag. Einige Lücken auf Falkenseer Seite müssen noch geschlossen werden bis sich wirklich ein durchgehendes grünes Band zwischen Falkensee und Spandau erstreckt. Die Bereitschaft und entsprechende Aktivitäten sind auf beiden Seiten vorhanden.

Mehr als 20 Millionen Euro sind bis heute in die Umgestaltung des Spekte-Grünzuges als natürlich geprägten Landschaftsraum geflossen. Das Ergebnis ist ein mehr als 60 Hektar großes Parkgelände mit Platz für seltene Pflanzen und Tiere – aber auch für den erholungssuchenden Menschen.

Grenzüberschreitend, Umland

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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