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Tätlicher Angriff im U-Bahnhof Altstadt Spandau

Streit in U-Bahn – Helfender angegriffen

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Ein Mann, der in der vergangenen Nacht einen Streit in Spandau schlichten wollte, sah sich plötzlich einer Attacke ausgesetzt und wurde dabei verletzt.
Der 21-Jährige war gegen 23.40 Uhr in einem Zug der U-Bahnlinie 7 in Richtung Rathaus Spandau unterwegs. An der Station Altstadt Spandau beobachtete der Mann, dass ein im letzten Waggon sitzender Fahrgast die Notbremse zog, worauf eine vierköpfige Gruppe den vorletzten Wagen verließ und zu dem Mann ging. Als die Unbekannten bemerkten, dass der Fahrgast telefonierte, versuchten sie das Gespräch zu unterbrechen. Daraufhin ging der 21-Jährige dazwischen und wollte den Streit schlichten.

Plötzlich erhielt er von einem aus der Gruppe einen Kopfstoß. Der Angegriffene rannte aus dem Zug auf den Bahnsteig, wurde jedoch von der Gruppe eingeholt, festgehalten und erhielt mehrere Faustschläge ins Gesicht. Der 21-Jährige konnte sich losreißen, flüchtete in die in Richtung Rathaus Spandau fahrende Bahn und zeigte dort alarmierten Polizisten den Sachverhalt an. Er kam mit einer Platzwunde, einer leichten Augenverletzung sowie einem abgebrochenen Zahn zur ambulanten Behandlung in eine Klinik.

Die Ermittlungen der Beamten ergaben bisher, dass der telefonierende und die Notbremse ziehende Mann, ein 20-Jähriger, zuvor mit der Gruppe in einem Lebensmittelgeschäft an der Zitadelle Spandau in Streit geraten war. Als er dann zur U-Bahn ging, verfolgte ihn die Gruppe und stieg in dieselbe Bahn. Da er nun Schlimmeres befürchtete, rief er beim Polizeinotruf an und zog an der Station Altstadt Spandau die Notbremse.

Die vier Angreifer flüchteten derweil unerkannt. Der 20-Jährige blieb unverletzt, fuhr ebenfalls bis zur Endstation und meldete sich bei den Polizisten, die dort mit dem 21-Jährigen sprachen. Die Beamten leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung zum Nachteil des Zeugen ein, das nun bei der Kriminalpolizei der Direktion 2 bearbeitet wird.

Wie geht man mit gewalttätigen Situationen um?

Wieder ist ein Helfender zum Opfer geworden. Daraus sollte nun nicht der falsche Schluss gezogen werden, solches in Zukunft zu unterlassen. Es ist mutig, als einzelner, sich in einen Streit einmischen zu wollen. In manch einer Situation mag dies auch die richtige Entscheidung sein. Wichtig ist in jedem Fall, das richtige Verhalten der angreifenden Gruppe gegenüber. Ein falsches Wort, eine falsche Geste oder Körperhaltung oder schon der falsche Tonfall und schon wird man selbst zum Angegriffenen. Mit falschen Heldentum oder dem Versuch selbst drohend zu erscheinen, kommt man selten weiter. Es ist müßig, über den aktuellen Fall diskutieren zu wollen, da der Hergang nicht bekannt ist.

Ein spannendes Buch von Ralf Bongartz mit dem Titel „Nutze Deine Angst“ thematisiert genau solche Situationen. Der ehemalige Kriminalkommissar, der selbst als Trainer für Konfliktmanagement und Körpersprache tätig ist, beschreibt in alltäglichen Situationen oder anhand von realen Fallbeispielen, wie Gewalt entsteht und wie man mit Konfliktsituationen umgehen kann. Aus Angst und Unsicherheit meiden viele den Konflikt, sie verlagern die Hilfe auf andere, die ja eingreifen können. Je mehr Menschen gefährliche Situationen beobachten, um so geringer ist die Wahrscheinlich Hilfe zu bekommen. Man spricht von Diffusion der Verantwortung.

Was kann ich tun, wenn es gefährlich wird? Bedrohliche Situationen in Bahnen, kommen in dem Buch von Ralf Bongartz ebenso vor, wie Angstsituationen auf einer nächtlichen Straße. Gerade die Vielzahl der Fallbeispiele und die anschließende Analyse der Situation bietet eine Hilfe, in Konfliktsituationen zu bestehen. Die manchmal klischeehafte Beschreibung von Situationen erweckt ein wenig den Eindruck, dass es nur DIE EINE logische Reaktion gäbe oder Menschen sich immer berechenbar nach einem bestimmten Muster verhalten würden. Trotzdem ist das Buch sehr empfehlenswert, weil es einen möglichen Weg aufzeigt, wie deeskalierend mit bedrohlichen Momenten umgegangen werden kann. Wegschauen ist niemals eine Lösung. Zivilcourage sollte für jeden selbstverständlich sein. Diese muss nicht den eigenen körperlichen Einsatz notwendig machen. Aktiv für Hilfe und Aufmerksamkeit zu sorgen sollte aber für jeden selbstverständlich sein!

Nutze deine Angst

  • Wie wir in Gewaltsituationen richtig reagieren
  • 272 Seiten
  • FISCHER Taschenbuch
  • ISBN 978-3-596-18919-9
  • Preis: 9,99 €

 … Erstaunlich ist, dass es um diese Zeit keine weiteren Zeugen im U-Bahnhof gab. Hier zeigt sich, wie wenig die Video-Überwachung in den Zügen wert ist. Zu Vermeidung von Verbrechen sind sie in keinster Weise geeignet. Deren Bildqualität ist meist so schlecht, dass die eigene Oma kaum mehr zu erkennen wäre…

 

Spandau-Kalender 2014

Spandau-Kalender 2014 - Titelbild
Spandau-Kalender 2014 – Titelbild

Ab sofort im gut sortierten Buch- und Zeitschriftenhandel in Spandau erhältlich.

3 neue Spandau-Postkarten aus der Serie „Unterwegs in Spandau“
zu haben, bei jedem gut sortierten Buch- und Zeitungshandel,
sowie im Gotischen Haus in der Spandauer Altstadt

Postkarte: Typo-Motiv aus Spandau – Spandau ist eine Wolke; auch als großes Poster erhältlich
Postkarte: Typo-Motiv aus Spandau – Spandau ist eine Wolke; auch als großes Poster erhältlich

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Postkarte: Motiv-Mix Altstadt Spandau  Fotograf: Ralf Salecker
Postkarte: Motiv-Mix Altstadt Spandau
Fotograf: Ralf Salecker

Postkarten aus Spandau

 

Postkarte: 100 Jahre Rathaus Spandau  Fotograf: Ralf Salecker
Postkarte: 100 Jahre Rathaus Spandau
Fotograf: Ralf Salecker

Postkarten aus Spandau

 

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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