Trinkwasser für Berlin (Foto: Ralf Salecker)

Trinkwasser in Spandau abkochen! Coliforme Keine gefunden

Leitungswasser mit Fäkalkeimen verunreinigt

Trinkwasserbelastung in Spandau: 28.7.2011
Trinkwasserbelastung in Spandau: 28.7.2011 (Foto: Salecker)

Vorsorgliches Abkochgebot für den Berliner Bezirk Spandau

Bei routinemäßigen Trinkwasseruntersuchungen durch die Berliner Wasserbetriebe im Wasserwerk Spandau wurden coliforme Keime im Rohwasser gefunden. Als Rohwasser wird das geförderte aber noch unbehandelte Wasser bezeichnet (Vom Rohwasser zum Trinkwasser).  Coliforme Keime können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hervorrufen.

Bis Samstag, den 30. Juli, soll das Trinkwasser nur nach 20-minütigem abkochen genutzt werden!  So schlagen es die Wasserbetriebe vor.

Dies gilt für die Zubereitung von Speisen und Getränken ebenso, wie für das Zähneputzen. Wer sein Baby badet, sollte vorsorglich vermeiden, dass es aus Versehen Wasser verschluckt. Baden dürfen sie die Kinder aber trotzdem. Für den Betrieb von Geschirrspülern wird eine Temperatur von 60 Grad empfohlen.

Leider sind sich die Experten nicht einig, wie lange das Wasser nun abgekocht werden muss, um eine sichere Desinfektion zu erreichen. Abgesehen davon, dass eine Kochzeit von 20 Minuten realistisch von den wenigsten eingehalten wird, vermeldet das Gesundheitsamt in Spandau: 5 Minuten sind ausreichend! Dies ist ein Wert, den auch viele andere Experten als sicher annehmen. In Potsdam war sogar nur von 3 Minuten, als ausreichender Zeit die Rede.

Stadträtin Daniela Kleineidam: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass 20 Minuten erforderlich sind.“

Bezirksamt Spandau: Abteilung Soziales und Gesundheit

Vor dieser Entdeckung floss das belastete Wasser schon mindestens 18 Stunden in das Trinkwassernetz! Rund 130.000 Einwohner Spandaus könnten betroffen sein. Bisher haben die Wasserbetriebe noch keine genauen Angaben zur Höhe der Keimbelastung treffen können. Der Grenzwert von coliformen Keimen im Trinkwasser beträgt Null Keime in 100 ml Wasser. Es darf also kein Keim nachweisbar sein!

 

Das Gesundheitsamt Spandau wird am Freitag Merkblätter in den großen Einkaufszentren Spandaus verteilen.

Die Berliner Wasserwerke haben den belasteten Reinwasserbehälter umgehend desinfiziert, damit kein weiteres belastetes Trinkwasser in das Leitungsnetz gelangen kann. Bis Samstag werden regelmäßig Proben genommen,bis eine Keimfreiheit eindeutig nachgewiesen ist.

Vorsorglich haben die Behörden ein Abkochgebot für Spandau ausgesprochen.

 

Hotline der Wasserwerke

Das Bezirksamt hat am Donnerstag Nachmittag einen Notfallplan aktiviert. Krankenhäuser, Gesundheits-, Kinder- und Senioreneinrichtungen wurden per E-Mail, Fax und Telefon gewarnt.

  • Hotline der Wasserbetriebe (kostenfrei aus allen Netzen):  0800 2927587 erreichbar (Donnerstag bis 22 Uhr und Freitag ab 8 Uhr)

 

Betroffene Gebiete in Spandau

Trinkwasserbelastung in Spandau - Karte: 28.7.2011
Trinkwasserbelastung in Spandau - Karte: 28.7.2011

In einer Simulation wurde berechnet, wie weit sich das belastete Wasser im Spandauer Trinkwassernetz ausbreiten konnte. IOm Wasserwerk Spandau werden etwas 24.000 Kubikmeter Wasser produziert. Auf Grundlage dieser Berechnung wurde eine Karte erstellt.

Eine Ursache für die Verkeimung konnte bisher nicht gefunden werden. Bauarbeiten werden nicht ausgeschlossen. Die Annahme, der durch die Regenfälle der letzten Sage gestiegene Grundwasserspiegel könnte mit Fäkalien verunreinigt worden sein, erscheint etwas unwahrscheinlich. Es gab in den letzten Monaten erheblich stärkere Regenfälle – ohne diese Probleme zu verursachen.

Betroffen sind die Wohngebiete nördlich der Heerstraße bis zum Spandauer Forst und westlich der Havel bis zur Stadtgrenze zu Falkensee.

Diese Vorsichtsmaßnahmen gelten zunächst bis zum Samstag, 30. Juli 2011 und betreffen folgende Postleitzahlenbereiche:

Spandau:

  • 13581
  • 13583
  • 13585
  • 13587

Staaken:

  • 13581
  • 13589
  • 13591
  • 13593

Wilhelmstadt:

  • 13581
  • 13593
  • 13595

Falkenhagener Feld:

  • 13583
  • 13585
  • 13589
  • 13591

Hakenfelde:

  • 13585
  • 13587
  • 13589

 

Coliforme Keime

Coliforme Keime bedeuten in der Regel immer eine Belastung durch Fäkalien.

Als coliforme Bakterien oder coliforme Keime bezeichnet man Escherichia coli und andere laktosespaltende Enterobakterien.
Unter dieser Gruppe fasst man Bakteriengattungen zusammen, die bei der Wasseraufbereitung und bei der Nahrungsmittelindustrie Verschmutzung meist fäkalen Ursprungs anzeigen.
Definiert sind diese Bakterien hauptsächlich durch biochemische Eigenschaften: Sie sind aerob und fakultativ anaerob, gram-negativ, sie sind Stäbchen und bilden keine Sporen. Sie fermentieren Laktose innerhalb 48 Stunden bei 35 °C und bilden dabei Säure und Gas.
Pathogene E. coli haben Bedeutung als Lebensmittelvergifter. Bei Schwächung der Resistenz kann es vor allem bei älteren Menschen und Kleinkindern zu Erkrankungen kommen. Diese Erkrankungen können sein: Harnwegsinfektionen, Bauchfellentzündungen, Entzündungen der Gallenwege, Meningitis bei Säuglingen, Lungenentzündung, Diarrhöen (Durchfälle).
Zu den coliformen Bakterien zählen unter anderem die Gattungen Citrobacter, Enterobacter, Escherichia und Klebsiella. (quelle: Wikipedia)

 

Trinkwasser

„Trinkwasser“ oder – nach Sprachregelung der EG-Trinkwasserrichtlinie und der Trinkwasserverordnung – „Wasser für den menschlichen Gebrauch“ muss bestimmte, rechtlich vorgegebene und im technischen Regelwerk festgelegte Güteeigenschaften erfüllen. Zu den Grundanforderungen gehört, dass Trinkwasser rein und genusstauglich ist, keine Krankheitserreger aufweist und keine Stoffe in gesundheitsschädigenden Konzentrationen enthält.

In Deutschland ist die Überwachung des Trinkwassers durch die Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) geregelt. Sie enthält Vorgaben zur Beschaffenheit des Trinkwassers, zur Aufbereitung und zu den Pflichten der Versorgungsunternehmen und Überwachungsbehörden.

2007 wurden 65,49 Millionen Personen, das sind 79,9 % der Bevölkerung Deutschlands, mit 4 697,47 Millionen m³ Trinkwasser aus zentralen Wasserversorgungsanlagen versorgt, die die o. g. Kriterien bezüglich ihrer Größe erfüllen. Das Rohwasser für die Aufbereitung zu Trinkwasser kam in diesen Anlagen zu 74,5 % aus Grundwasser, zu 15,5 % aus Oberflächenwasser und zu 10 % aus sonstigen Ressourcen, wie Uferfiltrat oder künstlich angereichertem Grundwasser.

Das Trinkwasser aus den o.g. berichtspflichtigen, großen Wasserversorgungsanlagen besitzt eine gute bis sehr gute Qualität. Die im Rahmen der Überwachung durchgeführten Messungen belegen, dass bei den meisten mikrobiologischen und chemischen Qualitätsparametern zu über 99 % die Anforderungen eingehalten und die Grenzwerte nicht überschritten werden. Grenzwertüberschreitungen in über 1 % (bis 2 %) der Messungen zeigten sich nur in den Untersuchungen auf coliforme Bakterien und im Berichtsjahr 2006 beim Parameter Nitrat.

Das Auftreten coliformer Bakterien im Trinkwasser ist nicht immer als direkte Gesundheitsgefahr zu sehen, sondern zeigt oft eine allgemeine Verschlechterung der Wasserqualität an und damit die Notwendigkeit, weitere Untersuchungen als vorbeugende Maßnahme zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung einzuleiten. Es handelte sich oft um sporadische Überschreitungen, die bei weiterer Untersuchung nicht bestätigt wurden.

Über die in diesem Bericht zusammenfassend dargelegten Informationen hinaus können sich Verbraucherinnen und Verbraucher bei dem zuständigen Gesundheitsamt oder dem Wasserversorger über die Beschaffenheit des Trinkwassers informieren. Nach § 21 Abs. 1 TrinkwV 2001 ist der Wasserversorger (unabhängig von der Größe der Wasserversorgungsanlage) verpflichtet, die Verbraucherinnen und Verbraucher durch geeignetes und aktuelles Informationsmaterial über die Qualität des von ihm zur Verfügung gestellten Wassers für den menschlichen Gebrauch zu informieren. Viele Wasserversorgungsunternehmen stellen die aktuellen Analysedaten und weitere Informationen zum Trinkwasser auch im Internet zur Verfügung. (Quelle: Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamtes an die Verbraucherinnen und Verbraucher über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasser) in Deutschland; Berichtszeitraum: 1. Januar 2005 bis 31. Dezember 2007; Bonn/Dessau, Dezember 2008)

 

So steht es auf der Internetseite der Berliner Wasserwerke:

  • Wissenswertes zur Wasserqualität. Wissen Sie schon, dass man das Berliner Trinkwasser bedenkenlos genießen kann?

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

5 thoughts on “Trinkwasser in Spandau abkochen! Coliforme Keine gefunden

  1. Was genau ist „18 Stunden“ in’s Trinkwassernetz geflossen? Die Wasserwerke behaupten ja in ihrer PR folgendes:

    „Durch die sofortige Desinfektion des Reinwasserbehälters ist sichergestellt, dass kein belastetes Wasser in das Trinkwasserversorgungsnetz gelangen kann.“

  2. Nach Angaben der Wasserbetriebe soll Rohwasser aus den Trinkwasserbrunnen praktisch „ungefiltert“ ins Becken gelangt sein. Theoretisch darf so etwas nicht passieren. Wasser durchläuft viele Filterschichten. Es wird dabei mechanisch, chemisch und biologisch gereinigt. Dieser Filter hat anscheinend aus unerfindlichen Gründen versagt. Die Mitarbeiter der Wasserbetriebe konnten dazu keine Auskunft geben, weil sie offensichtlich selbst im Dunkeln tappen. Da mikrobielle Untersuchungen recht lange brauchen, wird ein belastbares Ergebnis erst in einigen Tagen vorliegen können. An toten Tieren im Reinwasserbecken soll es „ganz sicher“ nicht gelegen haben – heißt es.

  3. Wer würde auch glauben, dass tote Kleintiere ein Wassernetz mit x-Mio m³ Wasser verunreinigen könnten. Sollten die Colibakterien aus deren Gedärm heraus das Wasser verseuchen. Glaub ich nicht dran.

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