Trommelbau mit dem Klang-Holz e. V. - Ein Projekt des Quartiersmanagements im Falkenhagener Feld Ost (Foto: Ralf Salecker)

Trommelbau in Spandau mit dem Instrumentenbauverein Klang-Holz

Musikinstrumente selbst bauen, ist die Devise, denn kaufen kann jeder

Trommelbau mit dem Klang-Holz e. V. - Ein Projekt des Quartiersmanagements im Falkenhagener Feld Ost (Foto: Ralf Salecker)
Trommelbau mit dem Klang-Holz e. V. – Ein Projekt des Quartiersmanagements im Falkenhagener Feld Ost (Foto: Ralf Salecker)

Klang-Holz auf der Zitadelle Spandau war schon eine Institution im Bezirk, als er noch kein eingetragener Verein und nicht Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband war. Früher einmal werkelten auf der Renaissancefestung die Polizei-Feuerwerker auf der Suche nach Hinterlassenschaften einer Forschung zur chemischen Kriegsführung im 3.Reich. Glücklicherweise wurde kaum etwas gefunden. Als dann die Zitadelle wieder zur allgemeinen Nutzung freigegeben wurde, kam der alte Kunstamtsleiter Gerd Steinmöller auf die Idee, die vormals ausschließlich militärisch genutzte Festung zu einem Ort des Handwerks und der Kunst zu machen.

Der Instrumentenbauer Norbert Dobisch mit seiner Werkstatt Klang-Holz (Haus 4) und die Bildende Künstlerin Dorothea Nerlich mit ihrer Keramik-Werkstatt (am Hafen unter der Kusnstbastion) waren die „ersten zivilen Nutzer“. Aus der Werkstatt Klang-Holz entwickelte sich der Verein Klang-Holz. Viele, die dort ein Musikinstrument bauten, wollten auch weiterhin dabei bleiben.

Musikinstrumentenbau – ein großes Geheimnis?

Trommelbau mit dem Klang-Holz e. V. - Ein Projekt des Quartiersmanagements im Falkenhagener Feld Ost (Foto: Ralf Salecker)
Trommelbau mit dem Klang-Holz e. V. – Ein Projekt des Quartiersmanagements im Falkenhagener Feld Ost (Foto: Ralf Salecker)

Für viele ist der Bau von Musikinstrumenten ein Mysterium. Um manche Musikinstrumente ranken sich Mythen und große Geheimnisse. Der Geigenbau ist das Paradebeispiel dafür. Was wird nicht alles in eine Stradivari oder Guarneri hineininterpretiert? Sind diese Musikinstrumente wirklich soooo geheimnisvoll und besonders? Ja und Nein!

Der Bau von Musikinstrumenten war in der Vergangenheit meist Spezialisten vorbehalten, die sich ihr gutes Handwerk – zu Recht – auch gut bezahlen ließen. Mit der maschinellen Fertigung wurden Musikinstrumente erschwinglicher aber gleichzeitig auch beliebiger. Gitarren werden heute im Supermarkt für zweistellige Euro-Beträge verramscht. Das hierbei keine Qualität zu erwarten ist, sollte allen bewusst sein. Vor allem fehlt den Instrumenten die Seele. Das mag sich jetzt etwas esotherisch anhören, ist aber so nicht gemeint.

Selbstbau bringt eine neue Wertschätzung mit sich

Heute ist alles konsumierbar. Möchte ich etwas, dann kaufe ich es mir. Mag ich es nicht mehr, dann werfe ich es weg. So einfach ist die Geschichte. Den ökologischen Gedanken dabei lasse ich einmal völlig außen vor. Wie auch in anderen Bereichen, bedeutet die intensive Beschäftigung mit einer Sache gleichzeitig auch eine besondere Wertschätzung. Das Verständnis für die Hintergründe und sei es nur den Aufwand bei der Herstellung, lässt jeden anders mit dem fertigen Ergebnis umgehen. Gerade weil heute kaum jemand im Rahmen seiner Arbeit ein vollständige Produkt, sondern höchstens ein en winzigen Baustein produziert, ist die Sehnsucht groß, einmal alles komplett selbst zu machen. Selbst machen ist angesagter denn je.

Trommelbau mit dem Klang-Holz e. V. - Ein Projekt des Quartiersmanagements im Falkenhagener Feld Ost (Foto: Ralf Salecker)
Trommelbau mit dem Klang-Holz e. V. – Ein Projekt des Quartiersmanagements im Falkenhagener Feld Ost (Foto: Ralf Salecker)

Klang-Holz geht diesen Weg seit rund 20 Jahren. Jeder soll die Möglichkeit haben, sein Wunschinstrument selbst zu bauen. Unter fachkundiger Anleitung wird dies auf der Zitadelle im Haus 4 seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert. Die Motivation von Norbert Dobisch, der diese Werkstatt ins Leben gerufen hat, war Anfangs der Wunsch ein eigenes Instrument zu haben, welches nach eigenen Vorstellungen gestaltet wurde. Aus dem Selbstbau wurde die Anleitung zum Selbstbau. Nach dem Tod von Norbert Dobisch führten die Vereinsmitglieder diese Idee weiter. Nadja Dittmar nahm die Geschicke der Werkstatt in die Hand und baute dabei die Arbeit mit Kindern weiter aus.

Trommelbau im Falkenhagener Feld Ost

Klang-Holz hat schon immer auch außerhalb seiner Räume Workshops zum Musikinstrumentenbau angeboten. Sei es in einer Behindertenwerkstatt in Halberstatt oder einem großen Museum in Bonn. In den Sommerferien startete im Klubhaus an der Westerwaldstraße ein vom Quartiersmanagement im Falkenhagener Feld Ost gefördertes Projekt, bei dem sich Kinder eine hochwertige Trommel bauen konnten. Dabei ging es nicht darum, aus einem Blumentopf und ein wenig Papier eine „Trommel“ zu fertigen. Das Instrument sollte schon etwas besonderes sein! Das Bauangebot für Kinder konnte mit einer Förderung  durch das Quartiersmanagement kostenlos angeboten werden. Es gibt sie also noch, die kostenlosen Angebote für Kinder in den Ferien!

Ein weit verbreitetes Vorurteil sagt, Mädchen wären handwerklich nicht begabt, Jungen wären immer besser. Im Trommelbau-Workshop zeigte es sich, Mädchen waren meist geduldiger, aufmerksamer und sorfältiger bei der Sache.

Die Spandauer Handtrommel

Wer Trommel hört, denkt oft an die Afrikanische Djembe. Die Djembé ist eine einfellige Bechertrommel aus Westafrika, deren Korpus aus einem ausgehöhlten Baumstamm besteht. Sie hat Form eines „Eierbechers“ und ist mit einem sehr dicken Fell bespannt, welches nicht nur kräftige Schläge verträgt, sondern diese auch erfordert, wenn man ihr Töne entlocken möchte.

Etwas anders gestrickt ist die orientalische Darbuka (auch Darabukka und Darbukka). Becherförmig, wie die Djembe aber viel kleiner, ist sie mit einem hauchdünnen Fell bespannt. Ihr können schon mit dem sanften Tipp  der Fingerspitzen Töne entlockt werden.

Die Spandauer Handtrommel versucht den Spagat zwischen diesen beiden Varianten. Sie ermöglicht gleichermaßen das kräftige Spiel mit der flachen Hand, aber auch das sanfte mit den Fingerspitzen.

„Die Spandauer Handtrommel trägt in sich eine große Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten. Leises Tröpfeln, stetes Prasseln, hartes Peitschen lässt sich ebenso darstellen, wie sanftes, rhythmisches Wiegen, diffiziles Begleiten und harter Beat. „

Trommelkorpus in Küferbauweise

Trommelbau mit dem Klang-Holz e. V. - Ein Projekt des Quartiersmanagements im Falkenhagener Feld Ost (Foto: Ralf Salecker)
Trommelbau mit dem Klang-Holz e. V. – Ein Projekt des Quartiersmanagements im Falkenhagener Feld Ost (Foto: Ralf Salecker)

Eine klassiche Djembé zu bauen ist recht mühselig und vor allem eine Verschwendung von Ressourcen, weil hierzu ein Baumstamm ausgehöhlt werden muss. Klang-Holz hat sich schon immer bemüht, Arbeitsschritte zu vereinfachen. Der Schritt, eine Trommel, ähnlich wie ein Fass in Küferbauweise zu bauen, war dann nicht mehr weit.

Einzelne Trommeldauben werden grob vorgefertigt. Je nach Größe der Trommel muss ein bestimmter Schnittwinkel eingehalten werden, um am Schluss eine saubere runde Verbindung zu ermöglichen. Die Fleißaufgabe, die Anzahl der notwendigen Dauben und den richtigen Winkel zu bestimmen und diese dann zu schneiden und zu hobeln, hatte Klang-Holz den Kindern schon abgenommen.

Mit Hilfe eines kleinen Tricks konnten die zu einem Fächer ausgelegten Dauben nach der Verleimung zum Trommelkorpus zusammengerollt werden. Manchmal sind es wirklich Kleinigkeiten, die das Leben leichter gestalten helfen. Jetzt ging es daran, aus dem „eckigen Rund“ wirklich einen sauberen runden Korpus zu formen. Der Einsatz eines Hobels war für alle Neuland. Trotzdem ging es erstaunlich gut. Für einige bedeutete es manchmal eine herbe Geduldsprobe, weil die Arbeit doch länger dauerte, als gewünscht. Die Qualität der Arbeit lag letztendlich in der ruhigen Ausdauer, am Schluss eine glatte Oberfläche zu erzeugen. Ziehklinge und Schleifpapier gaben dem Kiefernholz  den letzten Schliff.

Je nach Wunsch konnte der fertige Korpus gewachst oder geölt werden.

Spannseile

Ein Fell muss unter Spannung stehen, damit ein Ton entstehen kann. Die notwendigen Seile wurden – wie Zöpfe – aus dünnerem Material geflochten.

Trommelfell

Das dünne Pergament gegerbte Ziegenfell ist im trockenen Zustand viel zu spröde, um verarbeitet werden zu können. Ein Weilchen in Wasser eingelegt und schon ist es weich und flexibel. Dieses wird mit ein wenig Leim auf einen Stahlring aufgezogen. Wäscheklammern, als Spezialwerkzeug, lassen am Schluss eine schöne Sonnenblume entstehen.

Die geflochtenen Spannseile werden über einen weiteren Metallring auf dem Fell und einem kleineren am Fuß der Trommel miteinander „verbunden“.

Knebel

Mit Hilfe von Knebeln werden die Seile gespannt. Feile und Schleifpapier sorgen für saubere Kanten.

Das Spiel auf der Trommel

Wie alle anderen Instrumente auch, erfordet das Spiel auf der Trommel eine Menge Übung. Kinder haben den großen Vorteil, im Vergleich zu Erwachsenen, dass sie intuitiver – aus dem Bauch heraus – spielen. Genau dies ist müssen kopfgesteuerte Erwachsene meist erst mühselig erlernen. Wir habend das Kind in uns längst vergessen.

Stadtteilfest im Falkenhagener Feld

Auf dem traditionellen Stadtteilfest im Falkenhagener Feld auf den Wiesen am Wasserwerk (Falkenseer Chaussee Ecke Wasserwerkstraße) werden die Kinder ihre Trommel vorführen. Während des Bauworkshops entstand spontan ein kleiner Trommelbau-Rap, der den Bau der Trommel zum Inhalt hat.

Stadtteilfest im Falkenhagener Feld

  • Samstag, der 25.8.2012 von 15 bis 20 Uhr
  • www.falkenhagener-feld.de

Ein paar Bilder vom Trommelbau-Workshop im Falkenhagener Feld

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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