Afghanistan-Nie wieder Krieg von deutschem Boden1

Von Spandau aus, über die zerstörte Freybrücke zur Wehrtechnischen Fakultät

Die Geheimnisse des Teufelsbergs

Spandauer Erinnerungen von Jörg Sonnabend 1946 – Teil 1

Freybrücke nach der Sprengung; Fotograf/Quelle unbekannt.
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Freybrücke nach der Sprengung; Fotograf/Quelle unbekannt.

Jeder Berliner kennt den Teufelsberg mit der weithin sichtbaren, oben thronenden ehemaligen amerikanischen Radarstation. Er ist mit seinen 115 m zusammen mit dem Müggelberg, die höchste Erhebung Berlins. Entstanden ist dieser künstliche Berg aus dem Trümmerschutt des im 2. Weltkrieg zerbombten Berlins. Der Teufelsberg hat sich durch seine Begrünung seiner Umgebung angepasst, sodass man ihm heute seinen Ursprung nicht mehr ansieht. Die Wenigsten wissen, dass sich dort mal eine Skisprungschanze befand und dass hier sogar mal ein Ski-Weltcuprennen ausgetragen wurde.

In Berlin kursierte zu damaliger Zeit folgender Witz: Ein Berliner sagt zu einem Bayrischen Besucher: „Eure Berge sind zwar höher, aber unsere sind selbst gebaut!“

Als ich kürzlich das hochinteressante Buch „Hauptstadt der Spione“ las, in dem die Entstehung und die Geschichte der Amerikanischen Radarstation auf dem Teufelsberg beschrieben wurde fiel mir die folgende Begebenheit wieder ein. Zum besseren Verständnis, hier noch einige geschichtliche Hintergründe: Vor der Aufschichtung der ca. 12 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt befand sich hier, zwischen Heerstraße und Teufelssee, ein weitläufiges Gelände. Nach dem Willen Hitlers, sollte auf diesem Areal die sog.“Hochschulstadt Berlin“ entstehen. Mit der Planung wurde der spätere Rüstungs-Minister Albert Speer beauftragt, Speer war in den dreißiger Jahren noch Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt.

Das erste und auch einzige Gebäude das errichtet wurde bzw. errichtet werden sollte war die „Wehrtechnische-Fakultät“. Baubeginn war 1937, den Grundstein soll Hitler selbst gelegt haben. Der Kriegsbeginn 1939 unterbrach die Bautätigkeit und die Bauruine der „Wehrtechnischen Fakultät“, ein fünf- oder sechsstöckiger Betonklotz, überdauerte den Krieg. Soweit ich mich erinnern kann war es ein L-förmiges Gebäudefragment mit einem Arkadengang, ähnlich dem ehemaligen „Reichsluftfahrt-Ministerium“ in der Wilhelmstraße (heute Bundes-Finanzministerium).

Soweit die Vorgeschichte bzw. die Situation, wie sie sich nach Kriegsende 1945 dort darstellte. 1946 war ich 12 Jahre alt und wohnte mit meinen Eltern in Spandau-Pichelsdorf, in der Scharfen Lanke auf der Lanke-Werft (heute Marina-Lanke-Werft). Einige Freunde von mir, die quasi „über uns“, d.h. auf der Weinmeisterhöhe wohnten besuchten die Waldschule, die heute noch existiert und sich in der Nähe der Teufelssee-Chaussee befindet.

Auf ihrem Schulweg hatten sie die Bauruine der „Wehrtechnischen Fakultät“ von weitem schon immer beäugt, sich aber noch nicht so richtig ran getraut. Da sie wussten, dass ich für Abenteuer immer zu haben war, machten sie mir eines Tages den Vorschlag die Bauruine zu erkunden. Gesagt, getan, wir rüsteten unsere kleine „Expedition“ aus und zogen los. Der Ausdruck“ Ausrüsten“ ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber auf alle Fälle bewaffneten wir uns mit Stöckern und besorgten uns eine Taschenlampe.

Das wir unsere „Katschis“ (Katapulte) mitnahmen war natürlich selbstverständlich, wir wussten ja nicht was uns erwartet. Zu Fuß war dieser Weg dorthin zu lang, wir mussten die Straßenbahn benutzen. Unsere Jahrzehnte lange Spandauer Straßenbahn-Verbindung nach Berlin, die Linie 75, war 1946 noch unterbrochen, weil die Frey-Brücke noch zerstört war. Die Bahn fuhr nur von Hakenfelde bis Pichelsdorf, dann musste man über die schwankende Notbrücke laufen, die Britische Pioniere an der Nordseite der zerstörten Frey-Brücke errichtet hatten, um auf der anderen Seite der Havel in Richtung Zoo weiterzufahren.

Wir bestiegen also an der Frey-Brücke die Straßenbahn und fuhren bis zum Bhf.-Heerstraße. Nach einem kurzen Fußweg über die Teufelssee-Chaussee erreichten wir die besagte Bauruine. Ein Schlauer von uns hatte damals schon herausgefunden, dass es sich hier um die einmal geplante „Wehrtechnische-Fakultät“ handelte. Da uns dieses Wort zu monströs war, sprachen wir nur noch von der „Fakultät“, obgleich wir damals die Bedeutung dieses Begriffes überhaupt noch nicht verstanden hatten.

Da lag nun das besagte Bauwerk vor uns, ein grauer vier- oder fünfstöckiger Betonklotz mit vielen Fensterhöhlen. Auf der Innenhofseite befand sich am Gebäude ein Arkadengang. Da die Fakultät mal ein quadratischer Gebäudekomplex werden sollte, kann es sich bei dem was wir sahen und was halbwegs fertiggestellt war nur um einen Seitenflügel gehandelt haben. Der Rest des Baugeländes war mit Baumaterialien übersät, Baugruben und angefangene Fundamente waren zu erkennen. Soweit ich mich heute erinnern kann war das alles eine ziemliche „Klamottenwüste“.

 

Jörg Sonnabend

 

Ende Teil 1 von 2

 

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