Letzter Besuch Galls in Spandau: v. re. K. Birkholz, A. Theissen, W. Gall, S. Hauff, K.-H. Bannasch

Wladimir Gall – Der Retter der Zitadelle Spandau im Alter von 92 Jahren verstorben

Als junger Parlamentär der Roten Armee erreichte er die kampflose Übergabe

Letzter Besuch Galls in Spandau: v. re. K. Birkholz, A. Theissen, W.  Gall, S. Hauff, K.-H. Bannasch
Letzter Besuch Galls in Spandau (v. re. K. Birkholz, A. Theissen, W. Gall, S. Hauff, K.-H. Bannasch)

Vor wenigen Wochen erreichte Spandau die Nachricht vom Tod Wladimir Galls, gemeinhin als Retter der Zitadelle Spandau bekannt. Er hatte als 26jähriger Offizier am 1. Mai 1945 Kontakt mit der militärischen Besatzung der Spandauer Zitadelle aufgenommen und eine kampflose Übergabe ermöglicht. Dadurch blieb ein unsinniger Kampf um das Festungswerk erspart und viele Menschen wurden vor dem sicheren Tod gerettet.

Als ein Freund des Retters der Zitadelle hat der ehemalige Bezirksbürgermeister Sigurd Hauf den Tod des Freundes sehr bedauert und erinnert an die mutige Tat des ehemaligen sowjetischen Soldaten.

Eine der damaligen Bedingungen war es, die Zitadelle nie wieder militärischen Zwecken zuzuführen. „Die Zitadelle ist ein Zentrum der Begegnung, der Kultur und der Völkerverständigung geworden, dies alles haben wir Wladimir Gall zu verdanken“, meint Karl-Heinz-Bannasch, Vorsitzender der Heimatkundlichen Vereinigung Spandau, und fügt hinzu: „Wir Spandauer werden Wladimir Gall ein ehrendes Gedenken bewahren.“

Gedenkworte zum Tod von Wladimir Gall:

Freunde nehmen Abschied von Wladimir Gall

Wladimir Gall, der „Retter der Zitadelle Spandau“, der am 20. Januar 1919 in Charkow geboren wurde, ist am 9. September im Alter von 92 Jahren in Moskau gestorben.

In seinem Buch „Mein Weg nach Halle“ hat Wladimir Gall die dramatische Szene beschrieben, die ihm für immer die Dankbarkeit und Zuneigung der Spandauer sichern wird und die auch eine zentrale Rolle in dem Film seines Freundes Konrad Wolf „Ich war neunzehn“ spielt. Damals hatte er nämlich am 1. Mai 1945 als junger Parlamentär der Roten Armee mutig, selbstlos und umsichtig erreicht, dass die von SS und Wehrmacht besetzte Spandauer Zitadelle kampflos übergeben wurde. Dadurch wurden Hunderte von Menschen, darunter auch Frauen und Kinder aus Spandau, die sich dort aufhielten, vor dem sicheren Tod bewahrt.

Es war ein bewegender Augenblick, als ich Wladimir Gall genau vierzig Jahre danach am Beginn der Perestroika zum ersten Mal wieder auf der Zitadelle begrüßen und ihm im Namen Spandaus unseren Dank aussprechen konnte.

Seitdem besuchte er jedes Jahr Berlin und Spandau, um seine Freunde wiederzusehen, in Erinnerung an schwierige Zeiten und als Botschafter für Frieden und Verständigung auf seinen Reisen in ganz Deutschland. Mit Recht steht sein Name im Goldenen Buch von Spandau. Und mancher erinnert sich an den Baum, den wir schon in den achtziger Jahren gemeinsam mit ihm am Lindenufer in Spandau gepflanzt haben.

Wladimir Gall, mit dem mich ein Vierteljahrhundert Freundschaft verband, war ein hervorragender Kenner der deutschen Sprache, mit dem man wunderbar über die deutschen Klassiker plaudern und sich an alte Schlager erinnern konnte. Er hatte Freude an Gesprächen und der Vermittlung dessen, was man aus der Geschichte lernen sollte. Seine humanistische Haltung beeindruckte jeden, der ihn kennen lernte.

Bis zu seinem 92. Lebensjahr hat er seine Kraft der Vermittlung seiner Erfahrungen und Erkenntnisse gewidmet. Wir trauern mit seiner Familie und werden diesen bedeutenden, liebenswürdigen und zugleich bescheidenen Menschen nicht vergessen.

Spandau heute – Ausgabe Oktober 2011

 

Spandau heute - Oktober 2011
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Spandau Kalender "Unterwegs in Spandau 2012"
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Lesezeichen: Nächtlicher Blick über den Bahnhof auf das Rathaus Spandau
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Postkarte: Blick auf die Spandauer Stadtmauer am Behnitz/Kolk
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