Zitadelle Spandau,  Blick von der Südkurtine auf  Kommandantenhaus und Juliusturm (Foto: Ralf Salecker)

Zitadelle Spandau – Bastion König; Juliusturm; Palas

Zitadelle – Juliusturm und Palas

Zitadelle Spandau,  Blick von der Südkurtine auf  Kommandantenhaus und Juliusturm - Foto: Ralf Salecker
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Südlich des Juliusturmes erstreckt sich die Bastion König. Der Verteidigungshof an der Südseite hatte die Aufgabe, die Südkurtine (Verbindungswall zwischen den Bastionen König und Königin) mit dem Torhaus zu sichern. Die Bastion König besitzt hinter ihren Außenmauern zwei Gangsysteme. Die obere Feuergalerie war mit schweren Geschützen bestückt. Von der unteren Feuergalerie (»Minengang«) aus sollten Angreifer durch Handfeuerwaffenbeschuss am Durchschwimmen des Zitadellengrabens gehindert werden. Im 2.Weltkrieg dienten die Kasematten mit ihren schweren Schutzmauern als Luftschutzkeller. Erst 1809 wurden die im 17.Jahrhundert absichtlich zugeschütteten oberen Kasematten wiederentdeckt.

Der Juliusturm, das Wahrzeichen Spandaus, ist das älteste Bauwerk Berlins. Die genaue Bauzeit ist unbekannt. Die Findlinge des Turmsockels ermöglichen eine Datierung in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Er ist gemeinsam mit dem Palas Teil des erhaltenen Restes der spätmittelalterlichen Burganlage Spandau, die eine der Wachburgen im Zuge der sog. Havel-Nuthe Linie war. Die Namensgebung ist nicht eindeutig belegt. Erstmals erscheint der Name im Jahre 1400. Urkundlich erwähnt wird er dann 1560, wahrscheinlich benannt nach Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Der im Grundriß kreisrunde Turm hat einen äußeren Durchmesser von I2,60 m. Seine Höhe, inklusive Zinnenkranz beträgt 30,73 m. Statiker berechneten sein Gewicht auf 6000 Tonnen. Das aufstrebende Backsteinmauerwerk ist im Laufe der Zeit mehrmals überarbeitet worden. In der Renaissance erhielt der Turm einen Verputz im Geschmack der Zeit. Ferner wurde das Mauerwerk im oberen Teil des Innenraumes verstärkt und eine Wendeltreppe zugesetzt. Die Schießscharten erhielten eine neue Gestaltung.

Folgenschwer für den Turm war der Beschuss der Zitadelle durch preußische Truppen 1813, – er brannte aus. Als Folge stürzte 1822 die Mauerkrone herunter. 16 Jahre blieb der Turm ohne Zinnenkranz. Karl Friedrich Schinkel erhielt 1836 den königlichen Befehl, einen neuen Zinnenkranz zu entwerfen. Sein Entwurf, der Kranz mit 24 Zinnen, paßt sich harmonisch dem gotischen Bau an. Wegen der Schrägstellung des Turmes um etwa 0,81 m musste der Baumeister Schinkel zum Ausgleich den Schaft des Kranzes auf der Westseite überhöhen.

1842 erhielt der Turm den Eingang an heutiger Stelle. Bis zu dieser Zeit erfolgte der Zugang in die Wohnetage vom Palas aus. Bei mittelalterlichen Türmen war es üblich, den Zugang etwa 10-15 Meter über das Erdniveau zu legen. (Übergang vom Museum zum Juliusturm). Eine Wendeltreppe im Stil der Neugotik führte durch das Angstloch in die Wohnetage. Durch diese Öffnung wurden ursprünglich die Gefangenen in das Verließ abgeseilt. Wegen seiner sicheren Lage innerhalb einer Festung diente der Turm bereits 1650 als Aufbewahrungsort des kurfürstlichen Silberschatzes. Nach den Kriegen 1870-1871 wurde der Juliusturm zum Lagerort für den Reichskriegsschatz bestimmt und über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Die Tresortür, 3000 Kilo schwer, stammt aus dem Jahre 1910.

1964 wurde der Juliusturm restauriert und zur Besichtigung freigegeben. 1997 durchschnitten Kulturstadtrat G. Hanke und Kunstamtsleiterin A. Theissen ein symbolisches Band, um den Juliusturm nach umgerechnet 45.000 Euro teuren Bauarbeiten wieder freizugeben.

Der Palas, Wohn- oder Saalbau für die Herrschaft einer Burg und das älteste Gebäude Berlins, schließt sich in nordöstlicher Richtung an den Juliusturm an. Wie die Untersuchung der Hölzer und der im Fundament verbauten jüdischen Grabsteine (Dauerausstellung in der Bastion Königin) belegt, stammt der Palas aus dem 15. Jahrhundert. Er besaß einen Kamin und eine Küche. Die Innenräume waren unverputzt. Im ersten Stock befand sich ein großer durchgehender Festsaal. Die Wohnräume lagen im Obergeschoss. Zugang in das Haus ermöglichte eine Außentreppe an der Nordseite.

Das Spandauer Schloss, wie die Burg später hieß, war seit 1451 Wohnort der Witwen der brandenburgischen Kurfürsten und zeigt eine für dortige Verhältnisse recht aufwendige Architektur. Als erste residierte dort von 1470-76 die Gemahlin von Kurfürst Friedrich I., Katharina. Bei der Explosion des Pulverturmes der Bastion Kronprinz (1691) wurde auch der Palas in Mitleidenschaft gezogen. Er erhielt beim Wiederaufbau eine Innenausstattung im Stil des Barock. 1703 waren die Arbeiten beendet. 1813 beim Beschuss der Zitadelle brannte das Gebäude aus. Nach der Wiederherstellung kam 1817 ein Geheimes Raketenlaboratorium in die Räume. (In den klaren Formen des preußischen Klassizismus erstand es 1821 neu.) Eine erneute Umgestaltung zum Offizierskasino erfolgte 1936. Das heute wieder unverputzte Haus wurde 1976 nach vorgefundenen Architekturresten restauriert und rekonstruiert. Es enthält Veranstaltungs- und Ausstellungsräume.

Unter dem Dach ist das Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums untergebracht.

Zitadelle Spandau

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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