Zitadelle Spandau, altes und neues Zeughaus, im Hintergrund die Brücke zwischen Ost und Südkurtine - Foto: Ralf Salecker

Zitadelle Spandau – Italienische Höfe; Magazin; Bastion Königin; Zeughaus

Zitadelle – eine Königin und die Italienischen Höfe

Architektonisch interessant sind die 1822-1824 erbauten »Italienischen Höfe« mit ihren Schwibbögen, die im Entwurf ebenfalls auf Lynar zurückgehen. Auf der Bastionsoberfläche bestimmen die 1936 erbauten Gebäude des Heeres-Gasschutz-Laboratoriums das Bild. Um sie zu erbauen, wurden der Kavalier und einzelne Kanonenstellungen abgetragen. 1979/1980 begann die historische Rekonstruktion der Anlage. Wacherker, Schützenaufstand mit Erschließungstreppe, sowie Mauerabschnitte der linken und rechten Flanke wurden wieder freigelegt.

An der Ostseite des Zitadellenhofes steht das ehemalige Magazingebäude. In seiner heutigen Form wurde das Magazin 1814-1817 erbaut, nachdem es 1813 beim Beschuss der Zitadelle ausgebrannt war. Zu Beginn des 19.Jahrhunderts waren hier Festungsgefangene untergebracht. Im Erdgeschoss sind heute historische Boote und Gebrauchsgegenstände der Havelfischer eingelagert. An besonderen Tagen werden hier geräucherte Havelfische angeboten.

Die Bastion Königin wurde zwischen 1558 und 1578 nach Entwürfen des Baumeisters Chiaramella erbaut. Sie besaß wie die Bastion König eine obere und untere Verteidigungsgalerie. Am 18.April 1813 explodierte das in der Bastion Königin befindliche Pulvermagazin nach Beschuss durch preußische Truppen. In den Jahren 1832-1842 vollzog sich der Wiederaufbau. Auch heute finden hier noch umfangreiche Baumaßnahmen statt. Ein Rundbogenportal bildet den Zugang vom Zitadellenhof her. Die Bastion Königin besitzt heute nur noch eine Verteidigungsgalerie.

Am Beginn der Kasematten sind jeweils Magazinräume angeordnet. Im linken Magazin ist eine Ausstellung zu Funden jüdischer Grabsteine auf der Zitadelle zu besichtigen. Aus den Fundamenten von Palas und Ringmauer wurden 75 jüdische Grabsteine geborgen. Als älteste Datierung eines Steines wurde 1244 festgestellt.

Vor der Südkurtine wurden 1978-1980 Teile des ehemaligen Alten Zeughauses freigelegt und restauriert. Das Zeughaus stammt aus der ersten Zitadellenbauzeit und brannte beim Beschuss der Zitadelle am 18.4.1813 ab. Im Schutt der Ruine fand man zahlreiche Kürasse, Brustharnische und Keramikteller der Zeit um 1800.

Als Ersatz für das zerstörte Zeughaus vor der Südkurtine, wurde 1856-1858 nach einem Entwurf des Geheimen Baurates Busse das »Artellerie-Zeughaus« oder »Neue Zeughaus« errichtet, ein typischer Bau in der Nachfolge Schinkels. Die Konstruktion besticht durch ihre einfache Gestaltung. Die Zweifarbigkeit der Ziegel betont dies noch. Ursprünglich waren im Erdgeschoss Kanonen, im Obergeschoss Gewehre stationiert.

Direkt neben dem Neuen Zeughaus befindet sich der Exerzierschuppen. Der Fachwerkbau stammt aus der Zeit um 1880. Manchmal dient der Exerzierschuppen als zusätzliche Ausstellungshalle.

Ralf Salecker

 

Zitadelle Spandau

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Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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