Bereits am 10. Mai hat Deutschland rechnerisch alle natürlichen Ressourcen verbraucht, die ihm für das gesamte Jahr 2026 zustehen. Was danach kommt, geht auf Kosten künftiger Generationen. Ein Haupttreiber dieser Verschwendung sind Einweg-To-Go-Verpackungen: kurzlebig, ressourcenintensiv und ein wachsendes Problem für unsere Städte.
Der BUND Berlin fordert deshalb die rasche Einführung einer Verpackungssteuer auf alle To-Go-Artikel in der Hauptstadt. Die Steuer würde Mehrweglösungen attraktiver machen, die Vermüllung des öffentlichen Raums reduzieren und gleichzeitig den Stadthaushalt entlasten – denn steuerfreie Mehrwegalternativen wären für Verbraucher*innen automatisch günstiger.
Was die Zahlen zeigen
Die Untätigkeit hat ihren Preis: Tobias Quast-Malur vom BUND Berlin rechnet vor, dass Berlin jährlich rund 40 Millionen Euro an möglichen Steuereinnahmen verschenkt – während die Kosten für die Beseitigung illegal entsorgten Mülls zuletzt auf über 13 Millionen Euro im Jahr 2025 gestiegen sind. Höhere Bußgelder und zusätzliches Kontrollpersonal ändern daran kaum etwas, solange die Erfolgsquote beim Identifizieren von Müllsündern unter einem Prozent bleibt.
Bewährte Beispiele aus anderen Städten
Tübingen und Konstanz belegen, dass die Verpackungssteuer funktioniert: Sie fördert Mehrweg spürbar und verringert das Verpackungsaufkommen im öffentlichen Raum. Seit Anfang 2026 gilt die Steuer auch in Freiburg; Potsdam zieht ab Juli 2026 nach. Berlin hingegen diskutiert noch, obwohl sich zuletzt sogar alle Bezirke im Rat der Bürgermeister dafür ausgesprochen haben, einschließlich der CDU-Bürgermeister*innen.
Blockade trotz breitem Rückhalt
Das zentrale Hindernis ist die CDU auf Landesebene, die konkrete Schritte bisher ablehnt, trotz eines eigenen Beschlusses des Landesvorstands, in dem festgehalten wird: „Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht.“ Zusätzlich bremsen unrealistisch hohe Kostenschätzungen der Senatsfinanzverwaltung von rund zehn Millionen Euro jährlich die Umsetzung. Realistischer wären laut BUND etwa 3,5 Millionen Euro – hochgerechnet auf Basis der Erfahrungen aus Tübingen, wo die gesamte Steuer von einer einzigen Person verwaltet wird.
Mitmachen und informieren
Wer die Initiative unterstützen möchte, kann den Aufruf gegen die To-Go-Flut unter berlin-plastikfrei.de unterzeichnen. Am 23. Juni um 18:30 Uhr findet im Haus der Demokratie und Menschenrechte (Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin) eine Podiumsdiskussion statt. Anmeldung und Infos unter: eveeno.com/Podiumsdiskussion-Verpackungssteuer



