Für insgesamt 90 Bäume sucht das Bezirksamt Spandau Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Nutzungsberechtigte von Grundstücken, die einen Baum pflanzen, pflegen und dauerhaft erhalten möchten. Bewerbungen sind bis zum 9. Oktober 2026 möglich.
Baustadtrat Thorsten Schatz betont, Bäume leisteten gerade in dicht bebauten Quartieren einen wichtigen Beitrag für ein besseres Stadtklima. Sie spendeten Schatten, kühlten ihre Umgebung und böten Tieren Lebensraum und Nahrung. Mit den Stadtklimabäumen unterstütze der Bezirk Menschen, die selbst etwas für ein grüneres Spandau tun wollen.
Die Bäume und das nötige Pflanzmaterial stellt das Bezirksamt kostenlos zur Verfügung; finanziert wird die Aktion aus Naturschutzmitteln. Nach Prüfung des Standorts werden die Bäume ab November 2026 zum künftigen Pflanzort geliefert. Die Hochstämme sind dann etwa 3,5 bis 4 Meter hoch und bringen rund 25 bis 30 Kilogramm auf die Waage. Zum Paket gehören außerdem ein Baumpfahl, Kokosstrick und eine Pflanzanleitung.
Die Teilnehmenden übernehmen Pflanzung, Pflege und dauerhaften Erhalt des Baumes! Im folgenden Frühjahr melden sie dem Bezirksamt, ob der Baum angewachsen ist.
Zur Auswahl stehen in diesem Jahr die Gewöhnliche Traubenkirsche, die Vogelkirsche, die Mehlbeere, der Feld-Ahorn und die Europäische Hopfenbuche. Bewerben können sich Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Nutzungsberechtigte von Spandauer Grundstücken, außerdem eingetragene Vereine, soziale Einrichtungen, Kindergärten und Schulen im Bezirk. Voraussetzung ist ein geeigneter Standort von mindestens 15 bis 20 Quadratmetern.
Auch der Abstand zum Nachbargrundstück muss stimmen: Mehlbeere, Vogelkirsche und Hopfenbuche brauchen drei bis vier Meter Platz, Feld-Ahorn und Traubenkirsche kommen mit 1,50 Meter aus. Bewerbungen sind per E-Mail mit Standort und Wunschbaum möglich; berücksichtigt werden sie nur solange der Vorrat reicht. Ausgenommen sind Bäume, die bestehende Ersatzpflanzungspflichten nach der Berliner Baumschutzverordnung erfüllen sollen.
Für die aktuelle Klimaanpassung sind vor allem Trockenheits- und Hitzetoleranz, Wurzeltiefe, Standortanspruch und die Empfindlichkeit gegen Verdichtung entscheidend.
| Art | Klimatauglichkeit für Berlin | Bodenbedarf | Pflegebedarf | Widerstandsfähigkeit |
|---|---|---|---|---|
| Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) | eher mittel bis gut, aber nur an passenden, nicht zu trockenen Standorten | feucht, humos, gut drainiert; eher frisch bis feucht | eher hoch in Trockenphasen, besonders jung | gut gegen Kälte, aber nur mäßig gegen Dürre und Hitze |
| Vogelkirsche (Prunus avium) | mittel, für trockene Innenstadtlagen nur bedingt | tief, frisch, nährstoffreich, durchlässig | mittel bis hoch | empfindlicher bei Trockenstress, braucht gute Wasserversorgung |
| Mehlbeere (Sorbus aria) | gut bis sehr gut für warme, trockene Standorte | kalk- bis neutral, durchlässig, eher trocken als nass | niedrig bis mittel | sehr robust gegen Trockenheit, aber empfindlich gegen Verdichtung und Staunässe |
| Feld-Ahorn (Acer campestre) | sehr gut für Stadtklima und Hitzeanpassung | breit tolerant, aber durchlässig; keine Staunässe | niedrig bis mittel | sehr robust, hitze- und trockenheitsverträglich, urban erprobt |
| Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) | sehr gut für warme, trockene Stadtstandorte | kalkhaltig bis neutral, gut drainiert, eher trocken | niedrig | sehr trockenheits- und hitzeresistent, aber empfindlich gegen Staunässe und teils streusalzempfindlich |
Einordnung nach Klima
Für die heutigen Berliner Bedingungen schneiden Feld-Ahorn, Mehlbeere und Europäische Hopfenbuche am besten ab, weil sie Trockenheit und Wärme deutlich besser verkraften als klassische frische- oder feuchtliebende Stadtbäume. Der Feld-Ahorn gilt als besonders anpassungsfähig und wird als trockenheits- und hitzetolerant beschrieben.
Die Mehlbeere ist ebenfalls stark, vor allem auf kalkigen, eher mageren und gut drainierten Böden. Sie ist für trockene, sonnige Lagen sehr geeignet, leidet aber unter verdichtetem oder dauerhaft nassem Boden.
Die Traubenkirsche und die Vogelkirsche sind ökologisch wertvoll, aber im Klimastress anspruchsvoller. Prunus padus bevorzugt eher feuchte Standorte, Prunus avium braucht frische bis tiefe Böden und reagiert auf Trockenheit empfindlicher.
Bodenbedarf
Bei Bodenansprüchen gibt es klare Unterschiede. Die Traubenkirsche braucht eher feuchte, humose und gut drainierte Böden und ist damit für sehr trockene Straßenräume nur eingeschränkt geeignet.
Die Vogelkirsche verlangt tiefe, frische und nährstoffreiche Böden; sie ist deshalb eher ein Baum für größere Pflanzgruben, Parks oder gut vorbereitete Standorte als für harte Verkehrsstandorte.
Mehlbeere und Hopfenbuche kommen mit kargen, kalkigen und trockenen Standorten besser zurecht, solange der Boden nicht staunass oder stark verdichtet ist. Der Feld-Ahorn ist am flexibelsten und verträgt eine breite Palette von Böden, solange Drainage vorhanden ist.
Pflegebedarf
Der Pflegebedarf ist bei der Traubenkirsche und der Vogelkirsche höher, weil beide in Trockenphasen zusätzliche Bewässerung brauchen und in den ersten Jahren sorgfältiger etabliert werden müssen. Besonders die Vogelkirsche zeigt bei Wassermangel schneller Stresssymptome.
Feld-Ahorn, Mehlbeere und Hopfenbuche sind nach der Anwuchsphase pflegeärmer. Sie brauchen zwar in den ersten Jahren ebenfalls regelmäßige Wassergaben, kommen später aber deutlich besser ohne intensive Bewässerung aus.
Geschätzte Kosten eines Stadtbaumes
In Berlin kostet ein neuer Stadtbaum nach den offiziellen Senatsangaben im Regelfall rund 3.000 Euro für Kauf, Pflanzung und etwa drei Jahre Pflege. Die Stadtbaumkampagne nennt zugleich einen niedrigeren Orientierungswert von rund 1.200 Euro pro Straßenbaum für Pflanzung plus besondere Pflege in den ersten drei Jahren; im Haushalts- und Verwaltungskontext werden außerdem teils 2.700 Euro als durchschnittliche Bausumme und zusätzlich rund 400 Euro für Baubegleitung angesetzt.
Was in den Kosten steckt
Zur Pflanzung gehören nicht nur der Baum selbst, sondern auch Pflanzarbeiten, Verankerung, Bewässerung und die Anwachspflege. Laut Berliner Standards müssen frisch gepflanzte Bäume sofort gewässert werden; im ersten Standjahr sind mindestens 12 bis 15 Wässerungsgänge mit jeweils etwa 100 bis 200 Litern vorgesehen, in den Jahren zwei bis vier noch etwa 10 bis 12 Gänge pro Jahr.
Die Kosten steigen also nicht durch den reinen Setzling, sondern vor allem durch die Folgearbeiten. Der Senat schreibt selbst, dass ein Stadtbaum „aufwändig“ ist und über mehrere Jahre erhalten werden muss; deshalb ist die Pflanzung ohne Pflege in Berlin praktisch kein vollständiger Kostenbegriff.
Durchschnitt pro Baum
- 1.200 Euro als Untergrenze für Pflanzung plus dreijährige Pflege in der Kampagnenlogik.
- 2.000 bis 3.000 Euro als realistischere Gesamtkosten, wenn Kauf, Pflanzung, Bewässerung und mehrere Pflegejahre zusammengezählt werden.
- rund 120 Euro pro Jahr und Baum als angenommener Mittelwert für nachhaltige Pflege und Unterhaltung des vorhandenen Straßenbaumbestands; das ist keine Neupflanzung, zeigt aber die laufenden Folgekosten.
| Kostenbestandteil | Jahr 0 / Pflanzung | Jahr 1 | Jahr 2 | Jahr 3 | Jahr 4 | Summe 5 Jahre |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Baumkauf + Pflanzung + Verankerung | 800 € bis 1.500 € | 0 € | 0 € | 0 € | 0 € | 800 € bis 1.500 € |
| Anwachspflege / Kontrolle | 200 € bis 500 € | 150 € bis 300 € | 120 € bis 250 € | 100 € bis 200 € | 80 € bis 150 € | 650 € bis 1.400 € |
| Wässerung | 100 € bis 300 € | 150 € bis 300 € | 120 € bis 250 € | 100 € bis 200 € | 80 € bis 150 € | 550 € bis 1.200 € |
| Gesamt | 1.100 € bis 2.300 € | 300 € bis 600 € | 240 € bis 500 € | 200 € bis 400 € | 160 € bis 300 € | 2.000 € bis 4.100 € |
Rechnet man Pflanzung, Anwachspflege, Bewässerung und Kontrolle zusammen, kostet ein neuer Berliner Stadtbaum je nach Ansatz grob zwischen 2.000 und 4.100 Euro in den ersten fünf Jahren.
Geht es nach den Regelungen des Berliner Klimaanpassungsgesetzes („Baumversprechen“: eine Million Bäume bis 2024), dann müssten in Berlin bis 2040 mindestens 500.000 Bäume gepflanzt werden. Verteilt man diese Summe pauschal auf alle 12 Bezirke, dann würden auf Spandau als groben Wert in den nächsten 14 Jahren rund 41.000 Bäume entfallen, rund 2928 Bäume pro Jahr… ;-)
Für einen Bezirk hieße das also grob: je nach Ansatz zwischen 83 und 171 Millionen Euro über den gesamten Zeitraum bis 2040. Die Spannbreite entsteht, weil die zugrunde gelegte Pro-Baum-Rechnung nicht nur Pflanzung, sondern auch Wässerung, Anwachspflege und Folgejahre umfasst.



