Zum wiederholten Mal macht sich Changing Cities auf die Suche nach sicheren Radwegen in Berlin – diesmal im Rahmen des Stadtradelns 2026. Die Lage hat sich dabei keineswegs verbessert: Der Radwegebau stagniert von Jahr zu Jahr stärker. Nach dem Radwegestopp 2023 und dem Ende der Radschnellwege hat die CDU/SPD-Koalition nun auch die Radinfrastruktur an Hauptstraßen auf den Prüfstand gestellt. Der vermeintlich einfache Ratschlag „Weicht doch auf Nebenstraßen aus“ klingt harmloser, als er ist – tatsächlich sind davon weit mehr Streckenkilometer betroffen als durch beide vorherigen Kürzungen zusammen. Als Gegenpol zur nach Ansicht von Changing Cities heuchlerischen Imagekampagne des Senats startet die Organisation daher eine Petition für sichere Radwege in Berlin.
Drei Wochen lang nutzt der Senat das Stadtradeln, um Radfahren als klimafreundliches und vergnügliches Freizeitvergnügen zu bewerben. Den Rest des Jahres spielen weder Verkehrssicherheit noch Klimaschutz eine nennenswerte Rolle. Für Berliner Radfahrende ist das eine bittere Realität: Jedes Jahr verlieren Menschen ihr Leben, allein weil sie auf dem Fahrrad unterwegs sind. Acht Jahre nach Verabschiedung des Mobilitätsgesetzes sind gerade einmal 6,8 Prozent des geplanten Radnetzes fertiggestellt – es besteht noch immer fast ausschließlich aus Lücken.
„Es ist beschämend zu beobachten, mit welcher Energie CDU und SPD alles daran setzen, Radwege nicht bauen zu müssen. Berlin hätte eigentlich genug Platz für eine faire und sichere Verkehrsinfrastruktur – mit ein wenig politischem Willen wäre das gar nicht so schwer. Warum stemmen sich CDU und SPD so massiv gegen die Verkehrswende? Glaubt die SPD ernsthaft, mit dem Verzicht auf Radwege an Hauptverkehrsstraßen Wählerstimmen zu gewinnen?“, fragt Milena Rauhaus von Changing Cities.
Obwohl 19 Prozent aller Wege in Berlin mit dem Rad zurückgelegt werden, sollen Autofahrende – die lediglich 20 Prozent des Verkehrs ausmachen – die Hauptstraßen künftig für sich allein beanspruchen. Da viele alltägliche Ziele eben genau an diesen Straßen liegen, werden Menschen weiterhin Rad fahren – nur deutlich gefährlicher. Oder verfolgt der Senat tatsächlich das Ziel, weniger Radfahrende zu schützen und stattdessen noch mehr Autos auf die Straßen zu bringen, die Luft zu verschmutzen und den Lärmpegel zu erhöhen?
Warum Berlin Radwege braucht
- Grundlage urbaner Mobilität: Die Stadt würde zusammenbrechen, wenn alle Radfahrenden auf Autos umstiegen. Auch der ohnehin überlastete ÖPNV profitiert davon, wenn Menschen das Fahrrad nutzen.
- Gleichberechtigung im Verkehr: Wer Rad fahren will, sollte dafür nicht jung und körperlich stark sein müssen. Sichere Radwege öffnen die Straße für alle – und schaffen so Raum für jene, die wirklich auf ein Auto angewiesen sind.
- Lebensrettende Infrastruktur: Eine physische Trennung vom motorisierten Verkehr senkt das Risiko schwerer Unfälle drastisch.
- Wirtschaftliche Vernunft: Radwege sind günstiger zu bauen und zu unterhalten als Kfz-Straßen. Hinzu kommen enorme Einsparungen im Gesundheitssystem, denn regelmäßiges Radfahren reduziert langfristig die Krankheitskosten.
- Klimaschutz in der Praxis: Gute Fahrradinfrastruktur bringt Menschen dazu, vom Auto aufs Rad umzusteigen – und das spart CO₂. So einfach ist es.
Petition „Sichere Radwege jetzt!“: changing-cities.org/sichere-radwege-jetzt



