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Ein Reiseführer für Spandau – Mitstreiter gesucht

Der Bezirk hat viel zu bieten, schreiben wir es auf!

Der Bezirk hat viel zu bieten, schreiben wir es auf! (Fotos: Ralf Salecker)

Der Bezirk hat viel zu bieten, schreiben wir es auf! (Fotos: Ralf Salecker)

Spandau lohnt sich! Darin sind sich viele Bewohner des Bezirks einig. Trotzdem überrascht es  immer wieder, wie wenig sich manche vor ihrer eigenen Haustüre auskennen.

Der letzte Reiseführer in Buchform kam vor rund 20 Jahren auf den Markt. Zu Mauerzeiten hat es noch einen Baedeker gegeben. Seitdem ist viel Wasser die Havel heruntergeflossen. Ein Blick in aktuelle Berlin-Reiseführer stimmt nicht unbedingt froh. Manche Beschreibungen scheinen sehr oberflächlich geschrieben.

Touristen und andere Besucher kommen nur, wenn sie durch ansprechende Informationen neugierig gemacht wurden. Wenn diese nicht existieren, dann muss man sie selbst schaffen!

Da sich kein Verlag für Spandau interessiert, ist es an der Zeit, dieses kleine Problem selbst anzugehen. Darum begann Ralf Salecker im Mai mit dem Projekt „Reiseführer Spandau“. Alle „touristisch“ relevanten Informationen über Spandau sollen zusammengetragen, ausprobiert und aufbereitet werden.

In der ersten Stufe wird es spätestens zum April 2015 eine Online-Version mit allen wichtigen Orten, Sehenswürdigkeiten, Wander- und Radwegen, touristischen Dienstleistern usw. aus Spandau geben. Diese Internetseite ist selbstverständlich für die modernen Kommunikationsmittel optimiert. In der zweiten Stufe wird es dann eine gedruckte Version des Spandau-Reiseführers geben – für diesen späteren Schritt werden noch Sponsoren gesucht.

Mitstreiter, Mitradler, Mitwanderer und Mitdenker gesucht

In dieses Projekt sollen möglichst viele unterschiedliche Ideen einfließen, um die breite Vielfalt Spandaus abbilden zu können.

Auf „Unterwegs in Spandau“ beschreibt Ralf Salecker seit vielen Jahren Sehenswertes aus, in und um Spandau. Um möglichst alles zu sammeln, was Touristen und Einheimische in Spandau und der Umgebung interessieren könnte,  möchte Ralf Salecker alle Spandauer aufrufen, sich mit Ideen an diesem Reiseführer-Projekt zu beteiligen.

Zuerst geht es darum, eine Liste mit Sehenswürdigkeiten, Wander- und Radwegen zu erstellen. Diese Liste soll nach und nach mit Inhalten versehen werden. Schreiben Sie ihm, welche Orte warum sehenswert sind, wo man gut übernachten kann, welche Wander-, Boots- und Radtouren auch für andere interessant sind!

Möglichst viel davon soll gemeinsam praktisch erprobt werden. Diese Touren sollen dann noch in diesem Jahr gemeinsam erwandert und/oder erradelt werden, um zu sehen, ob sie sich eignen, wie sie verbessert werden können, was an spannenden Orten am Rande der Touren empfehlenswert ist. Dabei gehören selbstverständlich auch gastronomische Einrichtungen dazu.

„Lassen Sie uns gemeinsam an einem Reiseführer für Spandau arbeiten“, meint Ralf Salecker. Wer soll es besser machen können, als die Spandauer selbst?

Kontakt: info@unterwegs-in-spandau.de

Spandauer Media Verlag
Spandau heute
Karin Schneider
13597 Berlin
Breite Str. 35
Tel: 01775101129

E-Mail: info@spandau-heute.de

 

Spandaus Dorfkirche Alt-Staaken

Ein Kleinod am Ende des Bullengraben-Grünzugs

 Dorfkirche Alt-Staaken: Glasaltar (Foto: Ralf Salecker)

Dorfkirche Alt-Staaken: Glasaltar (Foto: Ralf Salecker)

Am Rande Spandaus liegt eine unscheinbare kleine Dorfkirche, die aus ganz unterschiedlichen Gründen ein Besuch lohnt. Autofahrer, die den Nennhauser Damm regelmäßig nutzen, wird die Kirche in Alt-Staaken durchaus vertraut sein. Außen wirkt sich außerordentlich schlicht. Im Inneren verbergen sich kleine künstlerische Juwelen. Nicht nur wegen ihres eigentlichen Alters ist sie von historischem Interesse, sondern weil sie als Opfer der Teilung Spandaus lange Jahre im Grenzbereich lag und ein Dornröschendasein führte. Es ist ein glücklicher Umstand, dass sie in dieser Zeit nicht abgerissen wurde.

Wanderer, Skater oder Spaziergänger, die den Bullengrabengrünzug von der Wilhelmstadt bis nach Staaken wandern, sollten einen Besuch dieses Kleinods unbedingt einplanen. Die Kirche ist gleichermaßen Symbol der Teilung, wie auch der Wiedervereinigung. Immer Samstags, im Rahmen der „Offenen Kirche“ kann sie besichtigt werden. Wer rechtzeitig anfragt, bekommt bestimmt auch zu anderen Zeiten eine Gelegenheit.

Emfehlenswert ist ein Besuch – nicht nur zum Gottesdienst – auch im Rahmen der vielen Konzerte, die dort stattfinden. Ein Blick auf die Internetseite des Förderkreises der Dorfkirche Alt-Staaken lohnt immer wieder. Dieser gibt regelmäßig mit der „Staakener Wetterfahne“ eine Publikation heraus, die auch für Außenstehende lesenswert ist. Einmal im Jahr gibt es dann noch einen spannenden kleinen Kalender. (Ralf Salecker)

Dorfkirche Alt-Staaken

Die Anfänge der alten Kirche liegen im Dunkeln der Geschichte. Ein eigentlicher Name hat sich leider nicht erhalten. Die Alt-Staakener Kirche wurde nach archäologischem Befund etwa Anfang des 14. Jahrhunderts als rechteckiger und flachgedeckter Saalbau in gotischen Formen errichtet. Wahrscheinlich erfolgte 1436–1438 nach einem Dorfbrand ein Wiederaufbau.

 Dorfkirche Alt-Staaken: Kreuz der Teilung (Foto: Ralf Salecker)

Dorfkirche Alt-Staaken: Kreuz der Teilung (Foto: Ralf Salecker)

Auf ein Feldsteinfundament aus grob behauenen Natursteinen wurden Backsteinmauern gesetzt. Gotische Reste bilden das 2002 rekonstruierte Ostfenster und verdeckte Teile. Reste eines kleinen gotischen Flügelaltars um 1500 (Staakener Madonna u. a.) befinden sich seit 1896 als Leihgaben im Märkischen Museum Berlin.

Einen Turm bekam die Kirche erst 1558, eine neue Kanzel 1648. In den Jahren 1711/12 – also vor genau 300 Jahren – erfolgte eine barocke Umgestaltung. Daran erinnert die Wetterfahne mit der Jahreszahl 1712. Aus der Zeit stammt auch ein Taufengel, der sich ebenfalls als Leihgabe im Märkischen Museum befindet.

Im Befreiungskrieg 1813 nutzen russische Truppen während der Belagerung Spandaus die Kirche als Schlachthaus. Im Jahr 1837 erfolgte außen und innen eine klassizistische Neugestaltung. Daran erinnern noch heute Taufe, Leuchter und Kreuz in Eisenguss aus der Schinkelzeit.

Nach dem Mauerbau entfernte man unter dem Aspekt der „neuen Sachlichkeit“ fast das ganze Inventar, hatte jedoch als Grenzgemeinde keine Kraft zur Neugestaltung. Erst kurz vor dem Mauerfall sorgten Gemeindeglieder für eine einfache Instandsetzung. In den Jahren 2000–2002 konnte man dann aus Denkmalsmitteln und aus Mitteln der Kirchengemeinde unter Leitung von Prof. Karsten Westphal eine umfangreiche Neugestaltung in der Formsprache unserer Zeit realisieren.

 Dorfkirche Alt-Staaken im Winter (Foto: Ralf Salecker)

Dorfkirche Alt-Staaken im Winter (Foto: Ralf Salecker)

Die liturgische Mittelachse kam durch das wieder geöffnete alte Ostfenster zum Tragen. Altartisch und Ostfenster erhielten eine einheitliche Form aus grünlichem Schichtglas. Die alte Kanzel hatte bereits 1995/96 der Modelltischler Wilhelm Weinke „für Gotteslohn“ rekonstruiert.

Nach Entwürfen des italienischen Malers Gabriele Mucchi (1899–2002) und unter theologischer Begleitung des damaligen Pfarrers konnte nach langem Bemühen an der inneren Südseite das 30 Quadratmeter große Wandbild „Versöhnte Einheit“ durch den Berliner Maler Joachim Bayer vollendet werden.

Das Wandbild will zur Überwindung von Teilung beitragen und ein Zeichen der Hoffnung setzen. Es stellt eine Verfremdung der jüngeren Geschichte dar durch Übertragung in das 16. Jahrhundert vor dem gedanklichen Hintergrund der ehemaligen Grenzlandschaft an der Heerstraße in Staaken. Gemeint ist die Einheit des Ortes, der Stadt, des Landes, der Christenheit, aber auch die der Völker und Kulturen in Europa.

Norbert Rauer

 

Handlicher Kunstführer zur Dorfkirche Alt-Staaken

Kunstführer: Dorfkirche Alt-Staaken - Versöhnte Einheit (Cover)

Kunstführer: Dorfkirche Alt-Staaken – Versöhnte Einheit (Cover)

Angefangen von der Baugeschichte, der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kirche, der Entwicklung ihres Kirchhofes, in dessen Umgrenzungsmauer Steine aus Spandaus Stadtmauer verbaut sind, über ihr sakrales Innenleben, die Neugestaltung Anfang 2000 bis zur Ausgestaltung der Wandmalerei „Versöhnte Einheit“ des Malers Gabriele Mucchi wird ein breiter spannender Bogen geschlagen, der erstmals umfangreich Fakten zur Entwicklung der Dorfkirche Alt-Staaken zusammenträgt.

Für gerade einmal 3,- Euro erhält der neugierige Leser ein lesenswertes und informatives Büchlein im Taschenformat. In der Kirche selbst ist es Samstag in der Zeit von 11 bis 16 Uhr erhältlich. Selbstverständlich gibt es sie auch in allen Spandauer Buchhandlungen.

Dorfkirche Alt-Staaken, Berlin-Spandau, Versöhnte Einheit

  • Kunstführer Nr. 2840
  • Autor: Norbert Rauer in Zusammenarbeit mit Andreas Kalesse
  • Kleine Kunstführer / Kirchen u. Klöster
  • ISBN: 978-3-7954-6998-6
  • Seitenzahl:    20
  • Format:    12 x 17 cm
  • Preis: 3,- Euro
  • www.schnell-und-steiner.de/reihe_52.ahtml
  • Verlag: Schnell & Steiner GmbH

Ralf Salecker

Evangelische Dorfkirche Alt-Staaken

  • Hauptstrasse 12 / Ecke Nennhauser Damm 72
  • 13591 Berlin
  • Tel. 030 3632603
  • Freundeskreis der Dorfkirche Alt-Staaken
  • Verkehrsverbindungen:
    BUS M32 ab Rathaus Spandau bis Hauptstr.
    BUS M37 ab Rathaus Spandau bis Hahneberg
    BUS 149 ab Zoo bis Hahneberg
    BUS X49 ab S Messe Nord / ICC bis Hahneberg

 

Anmerkung:

Die Dorfkirche kann Endpunkt einer gemütlichen Wanderung durch den Bullengrabengrünzug sein, der sich von der Havel bis nach Staaken hin erstreckt.

 

Fotos: Kreuz in Erinnerung an die Teilung Staakens; Wintermotiv;

Bullengraben; Altar und Ostfenster aus Schichtglas

Volkshochschulkurs von Ralf Salecker – Spaziergänge „Unterwegs in Spandau“

Tour I: Rund um Pichelswerder und die Tiefwerder Wiesen

Kursnummer: Sp1.430SH

Tiefwerder Wiesen, Klein Venedig (Foto: Ralf Salecker)

Tiefwerder Wiesen, Klein Venedig (Foto: Ralf Salecker)

Der VHS-Kurs von Ralf Salecker verknüpft Wanderung, Fotokurs für Anfänger und Stadtführung miteinander.

Es gibt wundersame Geschichten von wie von Zauberhand entstehenden und vergehenden Inseln oder von Heldentaten bei Flugzeugabstürzen, „explodierenden Gasspeichern“. Wer Spandau hört, denkt nicht unbedingt an Venedig. Spandau hat sein eigenes „Klein-Venedig“. .
Tausende Fahrzeuge wälzen sich tagtäglich über die Freybrücke, die bald Geschichte sein wird. Dabei ist vielen nicht bewusst, welche schöne Natur rechts und links der Heerstraße zu finden ist. Früher einmal, war gerade Pichelswerder ein beliebtes Ausflugsziel für die Berliner gewesen. Hier wurden einst große Schiffe gebaut. Architekten hatten hochfliegende Pläne. Es gibt wundersame Geschichten von wie von Zauberhand entstehenden und vergehenden Inseln. u.v.m.

Allgemeines

Besonders Anfängern soll mit dieser „Fotografischen Wanderung“ die „Angst“ vor der eigenen Kamera genommen werden. Wer seine Kamera im Gepäck hat, hat während der Tour die Gelegenheit zu Fragen „rund ums Fotografieren“.

In der Regel gibt es Kurse, in denen Wanderungen, Stadtführungen und Fotografie den alleinigen Schwerpunkt bilden. Dieser Kurs will dies alles miteinander verknüpfen. Dabei richtet sich der Kurs ganz bewusst an diejenigen, denen das „Erlebnis“ im Vordergrund steht.

Spandau hat viele sehenswerte Ecken zu bieten. Diese sind meist gut erreichbar – und trotzdem scheinbar ein Geheimtipp. Mit „Unterwegs in Spandau“ soll es nun zu Fuß „vor der Haustüre“ auf Entdeckungstouren durch den Bezirk gehen.

Das sinnliche Erleben, der gemütliche Spaziergang, stehen dabei im Vordergrund. Nebenher gibt es natürlich die eine oder andere interessante Information. Das können historische Fakten aber auch nette Anekdoten sein. Eigene Beiträge und Anekdoten der Teilnehmer sind dabei herzlich willkommen.

Der freie Fotograf und Journalist Ralf Salecker ist seit vielen Jahren unentwegt in Spandau unterwegs. In Kalendern und mehr zeigt er immer aufs Neue mit viel Leidenschaft die spannendsten Seiten des Bezirks.

Kurs-Daten

Die Anmeldung zum Volkshochschulkurs erfolgt direkt bei der Volkshochschule Spandau

Tour I: Rund um Pichelswerder und die Tiefwerder Wiesen

  • Termin: 27.8.2014 um 14 Uhr
  • Kursnummer: Sp1.430SH
  • Dozent: Ralf Salecker
  • Treffpunkt: Alt-Pichelsdorf Ecke Heerstraße (Rundweg)
  • Länge: etwa 6 km
  • Dauer: etwa 3 Stunden, viele Sandwege
  • Volkshochschule Spandau
  • www.berlin.de/vhs-spandau/index.php
  • Kosten: 8,- Euro /ermäßigt 4,- Euro
  • Kursanmeldung: Online

Paddeln durch Klein-Venedig und um Pichelswerder

Auf dem Wasser unterwegs von den Tiefwerder Wiesen über die Havel

Klein Venedig in den Tiefwerder Wiesen (Foto: Ralf Salecker)

Klein Venedig in den Tiefwerder Wiesen (Foto: Ralf Salecker)

Wer Venedig hört, denkt nicht unbedingt an Spandau. Vielmehr entsteht sofort ein Bild von der Stadt der Kanäle in Italien, manch einer denkt dabei noch an Köpenicks Ortsteil Neu Venedig. Ein wenig versteckt liegt Spandaus Klein Venedig in den Tiefwerder Wiesen. Kleine Känäle verlocken zu einer Bootstour, die Natur, Geschichte, Geschichten und Erholung miteinander verknüpft.

Nach all den kleinen Touren an Land und entlang der Uferwege, begeben wir uns endlich einmal aufs Wasser. Wir schnappen uns ein Paddelboot und erkunden den Bezirk aus einer anderen Perspektive.
Ein schöner Startpunkt für dieses Vergnügen ist Klein-Venedig auf der Halbinsel Tiefwerder im Spandauer Ortsteil Wilhelmstadt. Vor Ort kann man sich gleich das passende Boot mieten.

Vom lautstarken Verkehr der Heerstraße verabschieden wir uns, wenn wir in den Brandensteinweg einbiegen. Am Stößensee entlang führt der Weg bis zum Bootsladen von Axel Sauer. Hier mieten wir uns unseren Kanadier oder Kajak und können sofort im Hauptgraben starten.

Klein-Venedig, ein guter Ort für Paddelanfänger und Naturliebhaber

Märchenhafte Gebäude am Jürgengraben auf Tiefwerder (Foto: Ralf Salecker)

Märchenhafte Gebäude am Jürgengraben auf Tiefwerder (Foto: Ralf Salecker)

Klein-Venedig ist ein Gebiet mit weitläufigen Wiesenflächen, Havel-Altarmen und röhrichtbe­standenen Ufern sowie auwald­ähnlichen Gehölzen. Genau richtig, um in den ruhigen Wasserläufen die ersten Paddelversuche zu unternehmen. Größeren Booten ist hier der Zugang verwehrt.

Am Schulzenwall, einem Teilstück des Hauptgrabens, lassen wir unser Boot zu Wasser. Zuerst paddeln wir gemütlich in Richtung Norden und genießen den schmalen Wasserlauf. Viel Verkehr oder heftige Wasserbewegungen sind hier nicht zu erwarten. Perfekte Bedingungen, um mit dem Boot vertraut zu werden. Ein Gefühl von Dschungel kommt auf. Dichtes Grün überall. Kleingärten sind das einzige Zeichen von Zivilisation. Ab und an ist ein Boot am Ufer zu sehen.

Viele Parzellen sind leergeräumt und verwildern. An anderen Stellen geht die aktive Umgestaltung der Landschaft ihrem Ende entgegen. Das Ergebniss ist sehenswert. Nun gelangen an wenigen Stellen auch Spaziergänger direkt ans Wasser, ein Umstand, der vorher nicht möglich war. Anderswo grasen in abgesperrten Arealen asiatische Wasserbüffel und Galloway-Rinder. Beide dienen im Bereich der Tiefwerder Wiesen als biologische Rasenmäher. Später landen sie als Bio-Fleisch in der Pfanne. Bis dahin führen sie aber ein glückliches Leben.

Eine versunkene Insel

Malerische Landschaft am Zusammenfluss von Jürgengräben und Faulem See (Foto: Ralf Salecker)

Malerische Landschaft am Zusammenfluss von Jürgengräben und Faulem See (Foto: Ralf Salecker)

Vom Hauptgraben wollen wir nach rechts in den Faulen See einbiegen. Eine Insel kurz davor verführt uns zu einer kleinen Umrundung – jetzt fehlen nur noch die Krokodile. Unseren stauenenden Augen präsentiert sich eine größere Wasserfläche. Kleiner Jürgengraben, Großer Jürgengraben, Fauler See (Rest eines Havelaltarms) und der Hauptgraben treffen hier zusammen. Seerosen bilden einen dichten Teppich in der Mitte des „Sees“.

Wir paddeln hier auf historischem Boden. Am Ostufer des Faulen Sees bestand vom 6. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts eine frühslawische Siedlung. Wenn dies zutrifft, wäre diese Siedlung älter, als der Spandauer Burgwall, der „Urzelle“ Spandaus.

Betreten verboten, steht auf einem Schild, mitten im See. Dies soll kein Hinweis für mögliche Hobbyarchäologen sein. Eine Geschichte, die eher an einen Schildbürgerstreich erinnert, erzählt von einer versunkenen Insel an dieser Stelle. Kein mystisches Geheimnis verbirgt sich hier. Vielmehr schüttete man hier vor vielen Jahren eine künstliche Insel auf. Die Natur wollte es anders. Die Insel versank. Umgerechnet 1,3 Millionen Euro gingen hier unter.

Wir nehmen den Großen Jürgengraben und bewegen uns weiter, begleitet von Entenfamilien, die sich nicht in ihrer Ruhe stören lassen. Dieser Weg führt uns direkt ins Herz von Tiefwerder. Unter der Tiefwerder Brücke hindurch geht es direkt in den Spandauer Südhafen (errichtet 1906 bis 1911), oder auch Unterhafen, einem Altarm der Havel. Die alten Öltanklager existieren schon seit vielen Jahren nicht mehr. Der Hafen selbst, mit eigenem Bahnanschluss, wird rege genutzt.

Wir wollen Klein Venedig noch nicht verlassen, sondern biegen nach etwa 400 Metern links in den Kleinen Jürgengraben ein. Deutlich schmaler und kurviger geht es voran, bis wir rechts einschwenkend in den uns schon bekannten Hauptgraben gelangen. Diesem folgen wir bis in den Stößensee.

Über Stößensee und Stößenseebrücke in die Havel

Über 100 Jahre alt ist die Stößenseebrücke zur Überbrückung der Havelniederung (Foto: Ralf Salecker)

Über 100 Jahre alt ist die Stößenseebrücke zur Überbrückung der Havelniederung (Foto: Ralf Salecker)

Dicht an dicht drängen sich die Bootsvereine. Beeindruckend erhebt sich die vor einigen Jahren restaurierte Stößenseebrücke mehr als 20 Meter hoch über unseren Köpfen. Ein technisches Meisterwerk, welches 1908/09 unter erheblichen Schwierigkeiten in den schlammigen Boden gebaut wurde. Seine Schönheit erschließt sich dem Besucher nur von unten. Für den Autofahrer erscheint sie von oben wie jede andere gewöhnliche Brücke. Manchmal seilen sich hier Kletterer ab, um ihre Fähigkeiten zu trainieren.

Die filmreifen Kletterübungen passen gut zu einem Stück Filmgeschichte in Spandau. Nicht nur in Haselhorst und Staaken hatte Spandau Filmstudios. Wenige wissen es, bis 2002 entstanden hier am nördlichen Ufer des Stößensees Spielfilme. Der umgebaute Saal des 1911 als Ausflugsgaststätte gebauten „Seeschloss Pichelswerder“ diente nach dem zweiten Weltkrieg als Filmstudio.

Gasspeicher am Stößensee

Moderne Wohn-Bauten an den Hängen der Havel (Foto: Ralf Salecker)

Moderne Wohn-Bauten an den Hängen der Havel (Foto: Ralf Salecker)

Berlins sichere Reserve für kalte Zeit liegt mehrere hundert Meter unter der Erdoberfläche. Der Versuch vor mehreren Jahrzehnten unter dem Spandauer Boden Gas oder Erdöl zu finden, war nicht von Erfolg gekrönt. Bei den Bohrungen, die in über 4000 Meter Tiefe vordrangen, entdeckte man dagegen Sandsteinschichten, die als Gas-Speicher geeignet waren.

Im Osten des Stößensees liegt ein unterirdischer Gasspeicher mit einem Fassungsvermögen von Anfangs 700 Millionen und heute um 1 Milliarde Kubikmetern. Gespeichert wird das Gas nicht in Hohlräumen, sondern in den Poren des sog. Detfurth-Sandstein aus denen das Wasser verdrängt wurde. Ton-, Salz- und Kalkschichten sorgen dafür, das kein Gas an die Oberfläche entweicht. 1992 wurde der Edgasspeicher in Betrieb genommen. Die Baukosten betrugen ca. 80 Millionen Euro. Der Speicher war die notwendige Voraussetzung des Anschlusses West-Berlins an das russische Gasnetz. Andere begründeten dies mit einer Angst vor einer neuerlichen Blockade West-Berlins…

Im kalten Winter 2013 sank die Reserve auf nur noch 1,5 Millionen Kubikmeter Erdgas. 2004 kam es bei Reinigungs- und Wartungsarbeiten es auf dem Sondenplatz des Gasag-Erdgasspeichers zu einer Explosion mit mehreren Schwerverletzten. 30 Meter hoch soll die Stichflamme gewesen sein. Die Heerstraße wurde aus Sicherheitsgründen über Stunden vollständig gesprerrt.

Der Erdgasspeicher in rund 800 Meter Tiefe hat messbare Auswirkungen auf seine direkte Umgebung. Der Boden hebt und senkt sich in Abhängigkeit des Füllstandes. 2009 wurde bei Messungen durch die Radarsatelliten ERS-1 und ERS-2 eine Anhebung des Bodens um 8 cm festgestellt.

2008 wunderten sich viele Spandauer über seltsame Geräte und kilometerlange Kabel, die im Bezirk verlegt wurden. Dabei handelte es sich um spezielle Rüttelgeräte, die ein dreidimensionales Schallbild des Bodens erstellen sollten. Mit diesem Vorarbeiten sollten erkundet werden, wie weit der unterirdische erdgasspeicher noch ausgebaut werden kann.

Russisches Militärflugzeug stürzt in den Stößensee

Um die Spitze von Pichelswerder geht es weiter in das Pichelsdorfer Gmünd (Foto: Ralf Salecker)

Um die Spitze von Pichelswerder geht es weiter in das Pichelsdorfer Gmünd (Foto: Ralf Salecker)

Dramatisch wurde es am Stößensee in den 60er Jahren des letzten jahrhunderts. Am 22. April 1966 stürte ein russisches Militärflugzeug vom Typ Yak 28 (Yakowlew) in den Stößensee. Der Kampfjet war auf dem Militärflughafen in Eberswalde zu einem Übungsflug gestartet. Solche Flüge führten in der Zeit des kalten Krieges auch immer wieder über die Stadt Berlin.

In 4000 Metern Höhe verlor der Pilot die Kontrolle über die Maschine. Der Pilot und ein Besatzungsmitglied bekamen den Befehl, erst über DDR-Gebiet den Notausstieg zu betätigen. Als der Absturz sich nicht mehr verhindern ließ, wählte der Pilot den gelenkten Abturz in den Stößensee, um nicht mitten im Stadtgebiet aufzuschlagen und opferte so beider Leben. Er wendete damit möglicherweise eine große Katastrophe ab.

Der damalige Bürgermeister Willy Brand sprach für diese mutige Entscheidung seinen tief empfundenen Dank aus. Britische Militärs sperrten sofort das Gelände ab und verwehrten den hinzugekommennen Sowjets den Zugriff auf das Wrack. Eine Woche dauerte die Bergung. Die Westalliierten gelangten durch diesen Zwischenfall zu bisher geheimen Militärinformationen.

Pichelswerder, eine waldige Halbinsel

Hier ging gerade Rotkäppchen entlang (Foto: Ralf Salecker)

Hier ging gerade Rotkäppchen entlang (Foto: Ralf Salecker)

Nun wird das Wasser etwas unruhiger. Über eine schmale Durchfahrt geht es unter der Brücke hindurch vorbei an der Ostseite der Halbinsel Pichelswerder. Dicht bewaldet mit Laub‑ und Nadelbäumen ist sie seit 1936 Landschaftsschutzgebiet. Früher einmal kam halb Berlin hierher, um hier lustzuwandeln und in einem der unzähligen Lokale den Tag zu genießen. Als Turnvater Jahn 1818 das Gebiet besuchte, ertrank einer seiner Schüler im Stößensee. Die Halbinsel Pichelswerder galt als einer der schönsten Plätze in und um Berlin. Es gab Pläne für ein großes Sport- und Theaterforum, welches in gigantomanischer antiker Manier entstehen sollte.

Kurz bevor wir die Landspitze umrunden, gönnen wir uns eine Picknickpause am kleinen Badestrand. Diesen muss man sich mit Hunden teilen. Auf Pichelswerder ist eines der großen Hundeauslaufgebiete Spandaus. Der Aufenthalt lohnt sich. Fast wie ein großer See liegt die Havel vor uns. Im Südosten, Richtung Havelchaussee, sehen wir das Restaurantschiff Alte Liebe am Ufer liegen. Rechter Hand, kurz vor dem Pichelsdorfer Gmünd, lag einst das Restauranschiff Sabine.

Pichelsdorfer Gmünd

Zwei Leuchtfeuer markieren die Einfahrt in das schmale Pichelsdorfer Gmünd. Hier sollten wir uns tunlichst immer nahe am Ufer halten. Frachtschiffe, Ausflugsdampfer und schnell daherbrausende Motorboote lassen uns kräftig hin und herschaukeln. Größere Wellen sollten nach Möglichkeit nicht längst „mitgenommen“ werden. Anfänger könnten dabei leicht kenten. Es empfiehlt sich, das Boot lieber im 90-Grad-Winkel in die Welle zu richten, dann kann nichts passieren.

Nach 250 Metern verbreitert sich das Gewässer zum Pichelssee. Gleich rechts lädt eine rustikale Kneipe direkt am Wasser zu einer weiteren Pause ein. Sie ist über einen kleinen Steg direkt vom Wasser aus erreichbar. Bei einem Gläschen und einem rustikalen Happen genießen wir den Blick auf den regen Schiffsverkehr.

Das Pichelsdorfer Sackwunder

Zwei Leuchtfeuer markieren das Pichelsdorfer Gmünd (Foto: Ralf Salecker)

Zwei Leuchtfeuer markieren das Pichelsdorfer Gmünd (Foto: Ralf Salecker)

Während auf Tiefwerder der menschliche Versuch, eine Insel für viel Geld in den See zu setzen in die Hose ging, kam es vor mehr als 200 Jahren zu einem umgekehrten, dafür aber kostenlosen Ereignis. Am 17. Mai 1807 tobte ein besonders heftiges Gewitter über Spandau, welches quasi über nacht Land entstehen ließ. Im Bereich des Pichelsees, früher einmal prosaisch Sack genannt, erhob sich eine etwa 50 Meter lange Landmasse aus den Fluten der Havel. Tausende Berliner strömten nach Spandau, um das Pichelsdorfer Sackwunder zu bestaunen.

Weiter in Richtung Freybrücke

Weiter geht´s dann die kanalisierte Havel entlang Richtung Norden. Auch hier gibt es noch einmal den Tanz auf dem Wasser. Nicht nur die direkten Wellen der großen Kähne treffen uns; von den Kanalwänden zurückgeworfen schütteln sie uns gleich wieder durch. Wer mit dem Paddelboot nicht vertraut ist, sollte hier sehr vorsichtig sein.

Freybrücke über die Havel (Foto: Ralf Salecker)

Freybrücke über die Havel (Foto: Ralf Salecker)

Diesmal unterqueren wir die Heerstraße unterhalb der Freybrücke, die bald durch eine neue ersetzt wird. Derzeit ragt die Ersatzbrücke schon über die Havel. Der Neubau wird gerade am Südhafen zusammengebaut. Bevor wir wieder rechts den Unterhafen – und damit Klein-Venedig – erreichen, sehen wir linker Hand einen schmalen Zugang zum Grimnitzsee und dem Grimnitzsee-Park. Wer Zeit und Muße hat, sollte auch diesen kleinen bstecher „mitnehmen“. Der Park selbst ist ein durchaus lohnenwertes Ziel für einen kleinen Spaziergang in der Wilhelmstadt.

Unsere Endstation erreichen wir kurz vor dem Spandauer Südhafen. Ein Havelaltarm zweigt rechts von der Havel ab. Hier finden wir die beiden Zugänge zum Kleinen und Großen Jürgengraben, die wir Anfangs schon einmal befahren hatten. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zur Bootsvermietung.

Bootsvermietung auf Tiefwerder

Der Bootsladen – Das Kanufachgeschäft in Berlin Spandau

  • Axel Sauer
  • Brandensteinweg 37
  • 13595 Berlin
  • E-Mail: info@der-bootsladen.de
  • Telefon: 030 3625685
  • www.der-bootsladen.de

Ein paar passende LINKS zum Ortsteil Wilhelmstadt

Fotoimpression Klein Venedig, Tiefwerder, Pichelswerder

 

Spekte-Niederung in Spandau

Spekte-Grünzug in Spandau

Spekte-Grünzug Spandau, zwischen verlängerter Schulzenstraße und Bötzow-Bahn (Foto: Ralf Salecker)

Spekte-Grünzug Spandau, zwischen verlängerter Schulzenstraße und Bötzow-Bahn (Foto: Ralf Salecker)

Die Spekte-Niederung gehört zu einem ausgedehnten Senkengebiet, welches sich von Falkensee im Havelland bis nach Spandau hinein erstreckt. Dieser Grünzug ist ein Teil des Warschau-Berliner-Urstromtales. Er entstand während der letzten Eiszeit, der Weichsel-Eiszeit. Schon im Mittelalter wurde dieser Bereich genutzt, damals aber eher als Grünland. Die feuchten Wiesen und flachen Moore ließen eine Viehwirtschaft kaum zu.

Die Spekte-Niederung beginnt am Südrand des Spandauer Forstes, „folgt“ der Berliner Stadtgrenze und knickt mit der Spektelake nach Süden ab. Sie hat eine Länge von fünf Kilometern und eine Breite zwischen 200 und 500 Metern.

Bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein existierte hier noch die Spekte als ein kleiner Fluss, der in den Feuchtgebieten des Havellandes entsprang und bei Spandau in die Havel mündete. Die Urbarmachung des Havellandes in den vergangenen Jahrhunderten, sowie Grundwasserabsenkungen durch die Inbetriebnahme des Wasserwerks Spandau 1897, ließen das Flüsschen praktisch verschwinden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für den Wiederaufbau der Stadt Berlin eine enorme Menge an Sand und Kies benötigt. Die natürlichen Rohstoffe wurden ab 1950 im so genannten Nassbaggerverfahren gefördert. Der Große Spektesee – heute allgemein nur der „Kiesteich“ genannt – im Spektefeld und die in den Spektewiesen liegende Spektelake sind ehemalige Kiesteiche aus dieser Zeit. Beide gehören mit zu den größeren Seen Berlins. In den Jahren von 1955 bis 1965 wurde ein Teil dieser Kiesseen mit Bauschutt, Abraum aus dem Straßen- und U-Bahnbau sowie Hausabfall verfüllt. So hat der Kiesteich heute weniger als die Hälfte seiner alten Größe.

Die geologische Beschaffenheit dieser „Rinne“ führte dazu, dass nur die Randbereiche bebaut wurden. (1965 war Baubeginn der Großsiedlung Falkenhagener Feld – für 50 000 Menschen). Dieser Umstand, kam einer späteren Neugestaltung der Landschaft sehr entgegen.

Im Jahre 1973 begann der Bezirk Spandau von Berlin diesen Bereich zu einem Naherholungsgebiet auszubauen, wenn auch das Gebiet eher als Parkanlage gesehen wurde. 1974 wurden viele alte Planungen, wie etwa ein Schwimmbad oder eine große Anzahl von Kleingartenparzellen, verworfen. Ökologische Interessen traten stärker in den Vordergrund. Auch wenn einige schützenswerte Tiere und Pflanzen dabei den Arbeiten zum Opfer fielen. Bisher gewerblich oder landwirtschaftlich genutzte oder einfach brachliegende Flächen wurden umgestaltet.

Die vormals existierende Situation eines Tales sollte durch Rekultivierungsmaßnahmen in Ansätzen wieder hergestellt werden. Biotope für Pflanzen und Tiere sollten ebenso Teil der landschaftlichen Planung sein, wie der Erholungswert für die Anwohner der Umgebung. Liegewiesen, Spielplätze, Wander- und Radwege gehörten damit ebenso in das Konzept, wie Bereiche, die dem Menschen nicht zugänglich sein sollten, damit die Natur sich dort frei entfalten konnte.

Seit 1980 wurden im Spektefeld aus dem zur Verfüllung verwendeten Bauschutt Hügel errichtet, die inzwischen mit Gehölzen bewachsen sind. Im Sommer 1984 wurde das Areal um den Kiesteich fertig gestellt. Der westliche Uferbereich wurde als Überschwemmungswiese mit passenden Pflanzen für die höheren Wasserstände im Frühjahr gestaltet. Die Pegelstände der Spekteseen schwanken um bis zu zwei Meter. Im nordwestlichen Bereich bieten Steilufer Nistplätze für Uferschwalben, während nordöstlich eine Flachwasserzone mit Unterwasserböschungen angelegt wurde. Mit dem Landschaftsprogramm von 1987 strebt Berlin die Ausweisung des Spekte-Grünzuges als Landschaftsschutzgebiet an. Vorrangig hervorgehoben wird die Entwicklung des Grabens als „Biotop mit Verbindungsfunktion für Arten der Gewässerränder“. Die gesamte Fläche soll der Grundwasseranreicherung wie auch dem Schutz des Stadtklimas dienen. Als Kaltluftentstehungsgebiet führt es mit dem Westwind frische Luft in die Innenstadt.

Im Jahr 2013 wurde im Spektepark, dem Bereich rund um den Kiesteich, viele Sportmöglichkeiten für jung und alt geschaffen.

Noch weiter nach Westen ist, wenn auch eher als symbolische Anlehnung, das alte Fließgewässer der Spektelake (Fertigstellung 1997) wieder in die Natur modelliert worden. Der Spektegraben, für den eine Absenkung des Geländes um drei Meter notwendig war, verbindet die Spektelake mit dem Großen Spektesee. Feuchtwiesen mit ihrer typischen Pflanzenwelt konnten hier wieder entstehen.

Nördlich der Falkenseer Chaussee schließt sich ein Areal an, dass vom Menschen so ungestört wie möglich verbleiben soll. Ziel ist eine naturnahe Flachmoorniederung mit Nass-, Feucht- und Trockenzonen in den Übergangsbereichen zu den höher gelegenen Talsandrücken. Im Juli 2014 beginnt hier ein Beweidungsprojekt mit Wasserbüffeln, die auch schon in der Tiefwerder Wiesen erfolgreich als biologische Rasenmäher eingesetzt werden.

Im Osten des Spektesees, also zwischen Zeppelinstraße und Hohenzollernring, befindet sich die, im Jahre 2003 fertig gestellte Ausbaustufe des Grünzuges. Zweieinhalb Millionen Euro kamen hierzu unter anderem von der Deutschen Bundesbahn als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in die Natur während des Streckenausbaus Berlin-Hamburg. 18 Monate lang wurde hier die Landschaft neu gestaltet. Die weitläufigen Wiesen umfassen eine Fläche von rund 13 Hektar.

Der durchgehender Grünzug von Spandau bis nach Falkensee (von Rathaus zu Rathaus) ist inzwischen kein Wunschbild beider Nachbargemeinden mehr. Auf Spandauer Seite kann man inzwischen durchweg im Grünen unterwegs sein.

Der Versuch einer gemeinsamen Beteiligung an der Landesgartenschau 2009, in der Flächen mit einer Ausdehnung von über 319 Hektar zusammengeführt werden sollten, scheiterte. Oranienburg bekam damals den Zuschlag. Einige Lücken auf Falkenseer Seite müssen noch geschlossen werden bis sich wirklich ein durchgehendes grünes Band zwischen Falkensee und Spandau erstreckt. Die Bereitschaft und entsprechende Aktivitäten sind auf beiden Seiten vorhanden.

Mehr als 20 Millionen Euro sind bis heute in die Umgestaltung des Spekte-Grünzuges als natürlich geprägten Landschaftsraum geflossen. Das Ergebnis ist ein mehr als 60 Hektar großes Parkgelände mit Platz für seltene Pflanzen und Tiere – aber auch für den erholungssuchenden Menschen.

Grenzüberschreitend, Umland

Falkensee – Eine Stadt vor den Toren Spandaus

Das „grüne Band der Sympathie“ verbindet

Falkensee: Angler auf dem Falkenhagener See (Foto: Ralf Salecker)

Falkensee: Angler auf dem Falkenhagener See (Foto: Ralf Salecker)

Erst ein paar Tage nach dem Mauerbau bekam Falkensee die Stadtrechte verliehen und feierte 2011 sein 50-jähriges Bestehen. Als „Landgemeinde“ wurde Falkensee dagegen schon am 1.April 1923 gefründet. So steht dann 2013 auch das 90jährige Jubiläum ins Haus. Seit den 1990er Jahren haben 20.000 Menschen das Städtchen westlich von Spandau zu ihrem neuen Zuhause gemacht, sodass die Einwohnerzahl heute bei gut 41.000 liegt. Die Stadt besteht fast zu 80 Prozent aus Einfamilienhäusern.

Verbunden sind Spandau und Falkensee durch das „grüne Band der Sympathie“: Wer gut zu Fuß ist oder gern mit dem Fahrrad fährt, kann vom Rathaus Spandau bis in die „Gartenstadt Falkensee“ spazieren oder radeln und sich dabei fast immer im Grünen bewegen. Schon allein das ist Grund genug, sich unsere Nachbarstadt im Havelland einmal näher anzuschauen. Alternativ besteht die Möglichkeit, vom Bahnhof Spandau  aus die Regionalbahn zu nutzen und ein paar Minuten später entweder in Falkensee oder Finkenkrug zu einer Erkundungstour aussteigen.

Ein lebendiges Zentrum sollte man allerdings nicht suchen, denn eine Altstadt wie in Spandau gibt es in Falkensee nicht. Das verwundert nicht, schließlich ist unsere Nachbarstadt 1923 aus der Fusion der beiden Dörfer Falkenhagen und Seegefeld entstanden.

Viel ist über die Geschichte des nördlich gelegenen Ortsteils Falkenhagen nicht bekannt. Immer wieder wüteten Großbrände, die kaum Aufzeichnungen übrig ließen. Geprägt wird der Ortsteil vor allem durch zwei Gewässer, den Falkenhagener See 1 und den kleineren Neuen See 2. Während man den von lichtem Wald umgebenen Neuen See umwandern kann, wird es bei seinem großen Nachbarn schon schwieriger, denn die meisten Uferbereiche sind bebaut. Dafür kann man direkt am See Hunger und Durst in einem Restaurant 3 stillen. Nördlich des Sees erstreckt sich der Staatsforst Falkenhagen mit seinen Falkenhagener Alpen. Der an eine große Sanddüne erinnernde Scheinwerferberg 4 ist immerhin 40 Meter hoch.

Ein weiteres lauschiges, wenn auch sehr kleines Gewässer ist der Lindenweiher 5 an der Rembrandstraße. Der kleine See wurde beim Bau der Villenkolonie Neufinkenkrug durch Vertiefung der eiszeitlichen Abflussrinne geschaffen.

Wer kleine Dorfkirchen mag, wird in jedem der beiden Ortsteile fündig. Der bestehende Bau der Falkenhagener Kirche 6 mit ihrem holzeingefassten Turm entstand im 17. Jahrhundert auf dem Platz ihrer niedergebrannten Vorgängerin und liegt direkt neben dem Anger mit einem kleinen Teich.

Die Dorfkirche Seegefeld 7 unweit des Bahnhofs ist das älteste Bauwerk in Falkensee. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde sie als rechteckige Feldsteinkirche errichtet und im 18. Jahrhundert um ein Nord- und Südschiff erweitert. Nahe dabei stand einmal das Gutshaus des Rittergutes Seegefeld, welches um 1960 abgerissen wurde.

In Falkensee haben die Ribbecks ihre Spuren hinterlassen. Einst gehörte einem Georg von Ribbeck der Falkenhagener See. Im 18. Jahrhundert stiftete ein anderer der Seegefelder Kirche Altar, Taufbecken und Kanzel.

Einem düsteren Kapitel der Vergangenheit begegnet man im Geschichtspark Falkensee 8 an der Hamburger Straße. Auf dem Gelände des ehemaligen Außenlagers Staaken-Falkensee des KZ Sachsenhausen leisteten die Häftlinge Zwangsarbeit im Rüstungsbetrieb der Deutsche Maschinenbau AG.

Wer mehr über die Geschichte Falkensees erfahren möchte, sollte sich unbedingt ins ehemalige Heimatmuseum, nun „Museum und Galerie Falkensee“, begeben. Manchmal locken auch der dazugehörige Museumsgarten und historische Backofen mit besonderen Veranstaltungen. Nicht nur die „inneren Werte“ des Gebäudes sind interessant, auch ansonsten hat es mit ihm eine ganz besondere Bewandtnis: Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stand es noch als „Wohnhaus zur Ölmühle“ in der Spandauer Altstadt. Sein Besitzer, ein Zimmermann, nahm es bei seinem Umzug einfach mit.

Falkensee im Internet

  • www.falkensee.de

Museum und Galerie Falkensee

  • Falkenhagener Str. 77
  • 14612 Falkensee
  • www.museum-galerie.falkensee.de

Öffnungszeiten

  • Di + Mi 10–16 Uhr; Do, Sa + So 14–18 Uhr
  • an Feiertagen geschlossen

Eintrittspreise

  • Erwachsene: 1,00 €
  • ermäßigt: 0,50 €

Ralf Salecker

Ein paar Bilder aus Falkensee