Die AfD hat der CDU den größten Gefallen getan

Eine Broschüre, die monatelang unbeachtet im Regal verstaubte, wird plötzlich zum meistdiskutierten politischen Dokument des Frühjahrs. Und schuld daran ist ausgerechnet die AfD selbst.

Seit Februar liegt die CDU-Schrift „Abstieg für Deutschland. Keine Alternative.“ in der Berliner Parteizentrale aus. Kaum jemand hat sie beachtet. Dann kommt Bernd Baumann, marschiert demonstrativ durch die Eingangstür des Adenauer-Hauses, filmt sich dabei, nennt die Broschüre ein „Pamphlet voller Lügen“, und sorgt so für mehr Aufmerksamkeit, als jede CDU-Pressestelle je hätte erzeugen können. Die Broschüre ist seitdem ausverkauft. 7.000 neue Exemplare werden gedruckt.

Man muss die CDU nicht mögen, um festzustellen: Diese Reaktion der AfD war ein klassischer Eigentor-Moment. Wer schreit, dass er verleumdet wird, lenkt die Öffentlichkeit unweigerlich auf die Fragen: Was steht da eigentlich drin? Und stimmt es?

Die Antwort auf die zweite Frage ist unbequem für die AfD. Denn die Broschüre arbeitet überwiegend mit Originalzitaten. Millionenfache Remigration, „aufräumen und ausmisten“, Staatsbürger als Menschen zweiter Klasse, das haben AfD-Politiker tatsächlich so gesagt. Man kann über die Einordnung streiten, nicht aber über die Quellen. Juristisch werden Klagen gegen die CDU daher wohl kaum Erfolg haben, das wissen auch AfD-Strategen intern, weshalb die öffentlichen Drohungen leiser werden, sobald Kameras weg sind.

Gleichzeitig wäre es falsch, die CDU-Broschüre als rein sachliche Aufklärungsarbeit zu loben, so recht sie mit den Inhalten auch hat. Zu oft vertritt sie Positionen, die denen der AfD sehr nahe sind. Es verwundert seit Jahren, dass es die Strategen der CDU immer noch nicht begreifen, dass es erwiesenermaßen völlig unsinnig ist, zu hoffen, wenn man Thesen der Rechten vertritt, dann mehr Wählende zu erreichen. Das Gegenteil ist immer der Fall. Die inhaltlich richtige Broschüre erscheint in einer Phase, in der die AfD in bundesweiten Umfragen vor der CDU liegt – in Sachsen-Anhalt sogar bei 42 Prozent, mit Blick auf eine mögliche absolute Mehrheit. Die Broschüre ist also auch ein Wahlkampfinstrument einer Partei, die unter Druck steht. Dass dabei Themen wie Antifeminismus oder Queer- und Transfeindlichkeit schlicht ausgeblendet werden, verrät, wo die CDU eigene Berührungsängste hat.

Und doch: Der Kern stimmt. Wer Mitbewerber als illegitime „Altparteien“ bezeichnet, wer „millionenfache Remigration“ fordert und dabei so tut, als meine er nur die verfassungskonforme Abschiebung von 232.000 ausreisepflichtigen Personen, der spielt mit Worten, und mit dem Feuer. Denn wir alle wissen: aus Worten werden taten! Die CDU sagt das nun laut. Dass ihr das die AfD so übelnimmt, spricht für sich.

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