Christopher Nolans „Die Odyssee“, die Verfilmung von Homers antikem griechischen Mythos, ist nicht nur ein filmisches Ereignis, es ist ein technisches Statement. Der Regisseur, bekannt für seine Liebe zum analogen Film und seine Präferenz für größtmögliche Leinwandformate, hat sein neuestes Werk so gedreht, dass es in unterschiedlichen Projektionsformaten völlig verschiedene Erlebnisse bietet. In Berlin stehen zwei Premium-Kinos für die maximale Erfahrung zur Verfügung: der historische Zoo Palast in Charlottenburg und das hypermoderne UCI Luxe an der East Side Gallery in Friedrichshain. Beide bieten Top-Qualität, aber auf völlig unterschiedliche Weise.
Mehr zur Odyssee: Bilder und Bedeutung des Epos
Homers Odyssee: Die Geschichte, das Epos (Teil I: Gesang 1 bis 12)
- Hier wird das Epos von Homer, die Odyssee, in Form einer kurzen Bildergeschichte erzählt.
- Homers Odyssee erzählt nicht nur von der langen Heimkehr des griechischen Helden Odysseus nach Ithaka, sondern auch von seiner inneren Entwicklung.
Zoo Palast: Das Analog-Erlebnis in Charlottenburg
Historie und Ausstattung
Der Zoo Palast ist eine Berliner Kino-Ikone. Ursprünglich 1957 eröffnet, wurde das Kino 2013 nach mehrjähriger Renovierung neu eröffnet und verbindet seitdem klassischen Kinoglamour mit modernster Technik. Mit fast 800 Plätzen in Saal 1 und einer 21 × 9 Meter großen Leinwand gehört er zu den größten Einzelsälen Deutschlands.
Das wahre Juwel des Zoo Palast ist jedoch sein analoger 70mm-Projektor vom Typ Philips DP75 aus den 1980er-Jahren. Dieses generalüberholte technische Denkmal ist eines der wenigen verbliebenen 70mm-Abspielgeräte in Deutschland und wird gezielt für Christopher-Nolan-Vorführungen eingesetzt, so auch bei „Die Odyssee“.
Das Bild: Organisch, warm, cinematisch
Die 70mm-Projektion im Zoo Palast nutzt das klassische 70mm-5-Perf-Format mit einem Seitenverhältnis von ca. 2,2:1. Damit wird zwar nicht das volle IMAX-15-Perf-Format (1,43:1) abgedeckt, aber das Ergebnis ist dennoch beeindruckend:
- Auflösung: Theoretisch bis zu 12K-Äquivalent durch die grobe Filmfläche, mehr als genug für selbstkritische Augen.
- Bildcharakter: Die analoge Projektion zeigt eine organische, leicht körnige Textur (das klassische Filmkorn), die besonders bei Großaufnahmen und natürlichen Motiven eine warme, lebendige Tiefe erzeugt.
- Farbgebung: Farben wirken weicher und natürlicher, mit einer gewissen „Patina“, die Kinoliebhaber als authentisch und cinematisch beschreiben.
- Helligkeit: Etwas geringer als bei digitaler Laserprojektion, was bei dunklen Szenen minimalen Kontrastverlust bedeuten kann.
- Mechanische Eigenheiten: Leichte Flackereffekte oder minimale Unschärfen bei Hochkontrast-Szenen sind möglich, für manche ein Makel, für andere Teil des analogen Charme.
Das Erlebnis: Kino wie einst gedacht
Der Zoo Palast ist ein Ort für Filmromantiker. Hier wird Kino nicht nur gezeigt, es wird zelebriert. Das Summen des Projektorgeräts, das Rattern beim Filmwechsel, das lebendige Bild auf historischem Material: All das macht den Zoo Palast zu einem Tempel des analogen Films.
Für „Die Odyssee“ bietet der Zoo Palast explizite 70mm-Termine an, sowohl in deutscher Synchronisation als auch in Originalversion (OV) und mit deutschen Untertiteln.
UCI Luxe East Side Gallery: Das digitale IMAX in Friedrichshain
Moderne auf ehemaligem Mauerstreifen
Das UCI Luxe an der Mühlenstraße zählt zu den modernsten IMAX-Kinos in Deutschland. Seit 2020 betreibt UCI hier einen Premium-Saal mit 4K-Laserprojektion, verstärktem IMAX-Soundsystem und einer der größten Leinwände des Landes: ca. 22,3 × 11,7 Meter.
Im Gegensatz zum Zoo Palast ist das UCI Luxe ein rein digitales Kino, aber mit einem entscheidenden Vorteil: Es ist für IMAX 1,9:1 zertifiziert, das spezielle Seitenverhältnis, das Nolan für „Die Odyssee“ in IMAX-Sequenzen nutzt.
Das Bild: Scharf, hell, immersiv
Die 4K-Laserprojektion im UCI Luxe liefert ein völlig anderes Bild als das analoge 70mm:
- Auflösung: 4K digital (4096 × 2160 Pixel), weniger als die theoretische 12K-Äquivalenz von 70mm-Film, aber konstant und ohne Abnutzung.
- Bildschärfe: Extrem kristallklar, ohne Filmkorn oder mechanische Unreinheiten, perfekt für VFX- und CGI-reiche Szenen.
- Kontrast & Helligkeit: Deutlich heller und kontrastreicher dank Laserprojektion, was besonders in dunklen Szenen und bei schnellen Action-Sequenzen überzeugt.
- Leinwandnutzung: Das 1,9:1-Format füllt bis zu 26% mehr der IMAX-Leinwand aus als Standardformate, bei „Die Odyssee“ werden IMAX-optimierte Sequenzen in vollem Format gezeigt.
- Farbbrillanz: Breiterer Farbraum (DCI-P3), lebendigere, gesättigtere Farben, ideal für epische Landschaftsaufnahmen.
Das Erlebnis: Immersion auf Maximum
Das UCI Luxe ist darauf ausgelegt, Zuschauer in die Filmwelt zu ziehen. Die riesige Leinwand füllt das gesamte Sichtfeld aus, das Soundsystem liefert druckvolle Bässe und kristallklare Höhen, und die digitale Projektion sorgt für ein makelloses Bild von Anfang bis Ende.
Für „Die Odyssee“ gibt es mehrere tägliche IMAX-Vorführungen, teilweise ab 8:00 Uhr morgens, sowie reguläre Termine um 12:00, 16:00, 20:00 und 23:59 Uhr. Tickets sind über uci.plus/Odyssee erhältlich, aufgrund der großen Nachfrage sollten sie früh gebucht werden.
Direkter Vergleich: Zoo Palast vs. UCI Luxe
| Merkmal | Zoo Palast (70mm analog) | UCI Luxe (IMAX digital Laser) |
|---|---|---|
| Projektortechnologie | Philips DP75, analoger 70mm-Film | 4K-Laserprojektion, digital |
| Format | 70mm, 5-Perf, 2,2:1 | Digital 4K, 1,9:1 (IMAX) |
| Leinwandgröße | ca. 19,4 × 8,8 m | ca. 22,3 × 11,7 m |
| Sitzplätze | fast 800 | ca. 344 (Premium-Kino) |
| Bildauflösung | ~12K äquivalent (analog) | 4K digital (Laser) |
| Bildcharakter | Organisch, Filmkorn, warme Farbtiefe | Extrem scharf, hoher Kontrast, brillante Farben |
| Helligkeit | Etwas dimmer, leichte Schwankungen möglich | Sehr hell, gleichmäßig stabil |
| Farbraum | Natürlich, weich | DCI-P3, lebendig, gesättigt |
| Sound | 70mm 6-Spur analog, verstärkt | IMAX 12-Kanal digital, bassstark |
| Besonderheit | Echtes Filmmaterial, cinematischer Charme | Maximale Leinwandfläche, immersives IMAX-Erlebnis |
| Preisniveau | Premium (ca. 18–22 €) | Premium (ca. 20–25 €) |
| Zielgruppe | Filmromantiker, Analog-Puristen | Blockbuster-Fans, Technik-Enthusiasten |
Zwei Meisterwerke der Kinotechnik
Der Zoo Palast und das UCI Luxe sind beide herausragende Adressen für „Die Odyssee“, aber sie sprechen unterschiedliche Kinoliebhaber an.
Der Zoo Palast ist die Wahl für alle, die Kino als analoge Kunstform zelebrieren. Hier wird Film nicht nur gezeigt, er wird erlebbar in seiner urtümlichsten Form: auf echtem 70mm-Material, mit all den kleinen Unvollkommenheiten, die ihn menschlich und authentisch machen.
Das UCI Luxe ist die Wahl für alle, die das spektakulärste, modernste und immersivste Erlebnis wollen. Größere Leinwand, brillanteres Bild, druckvollerer Sound, hier wird „Die Odyssee“ zur audiovisuellen Wucht, die den Zuschauer in die Welt des Odysseus zieht.
Beide Kinos sind Premium-Kinos mit Premium-Preisen, aber für ein once-in-a-lifetime-Erlebnis wie „Die Odyssee“ ist das Geld gut angelegt. Die Entscheidung liegt letztlich beim Zuschauer: Will er das warme, organische Bild des analogen Films, oder das kristallklare, immersive Feuerwerk des digitalen IMAX?
Eines ist sicher: In beiden Fällen wird Christopher Nolans Epos in Berlin in bestmöglicher Qualität gezeigt.
Das IMAX-15/70-Format
Christopher Nolan ist ein leidenschaftlicher Verfechter des IMAX-15/70-Formats, des höchstauflösenden analogen Filmformats, das jemals für die Kinoprojektion entwickelt wurde. Die Bezeichnung leitet sich von den technischen Spezifikationen ab: Der verwendete Filmstreifen ist 70 Millimeter breit, und jedes Einzelbild benötigt 15 Perforationslöcher (Perfs) am Filmlink. Dieses Format, auch als IMAX 15/70 oder „IMAX 70mm 15-Perf“ bekannt, bietet eine Bildfläche von rund 930 Quadratzentimetern, mehr als das Zehnfache eines herkömmlichen 35mm-Kinobildes.
Mit „Die Odyssee“, Nolans monumentaler Verfilmung von Homers antiker griechischer Dichtung, hat der Regisseur einen historischen Meilenstein gesetzt: Es handelt sich um den ersten abendfüllenden Spielfilm in der Geschichte des Kinos, der vollständig mit speziellen IMAX-15/70-Kameras gedreht wurde. Zuvor nutzte Nolan das Format bereits für einzelne Sequenzen in Filmen wie „The Dark Knight“ (2008), „The Dark Knight Rises“ (2012), „Dunkirk“ (2017) und „Oppenheimer“ (2023), doch nie zuvor wurde ein kompletter Spielfilm in diesem Format produziert.
Das Problem: Die technische Infrastruktur für die Vorführung von IMAX 15/70 ist extrem aufwendig. Die analogen Filmrollen sind riesig, eine einzelne Rolle für einen abendfüllenden Film kann bis zu 100 Kilogramm wiegen und erfordert spezielle Projektoren, die nur in einer Handvoll Kinos weltweit installiert sind. Diese Projektoren arbeiten mit horizontaler Filmlaufbahn (das Filmmaterial wird quer durch den Projektor gezogen) und benötigen einen enormen Logistikaufwand, da die Filmkopien physisch zwischen den Kinos transportiert werden müssen.
Deshalb gibt es global gesehen nur 41 Kinos in sieben Ländern, die in der Lage sind, „Die Odyssee“ im originalen IMAX-15/70-Format zu zeigen, darunter ausgewählte Spielstätten in den USA, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Japan, Australien und Südkorea. In Deutschland hingegen existiert kein einziges Kino mehr, das dieses Format vorführen kann. Das ursprüngliche IMAX-15/70-Verfahren wurde hierzulande vollständig durch digitale IMAX-Systeme ersetzt.
Wer „Die Odyssee“ in Deutschland in bestmöglicher Qualität sehen möchte, muss sich also zwischen zwei Alternativen entscheiden: der digitalen IMAX-Präsentation (1,9:1) oder der analogen 70mm-5-Perf-Projektion (2,2:1), wie sie beispielsweise im Berliner Zoo Palast angeboten wird. Das ursprüngliche 15/70-Format, das Nolan als das ideale Medium für seine filmische Vision betrachtet, bleibt deutschen Zuschauern leider versperrt.



