Freiheit im Heizungskeller

Es gibt Freiheiten, für die Menschen einst auf die Straße gingen. Und es gibt die Freiheit, die CDU und CSU verteidigt haben: das unveräußerliche Recht auf eine Gas- oder Ölheizung im Jahr 2050. Am 10. Juli beschloss der Bundestag die Novelle des Heizungsgesetzes, mit der Weiterbetrieb und Neueinbau von Öl- und Gasheizungen langfristig möglich bleiben sollen. Ein historischer Moment, den man getrost mit der Erfindung des Rades vergleichen könnte, nur eben umgekehrt.

Die Union ging dabei noch weiter: Sie wollte die vorherige GEG-Novelle komplett zurücknehmen und zur Fassung von 2020 zurückkehren, jener Version, unter der Ölheizungen künftig nur noch eingeschränkt erlaubt gewesen wären. Das ist, als würde man einen Rückruf für ein Sicherheitsgurt-Gesetz fordern, weil Gurte angeblich die persönliche Freiheit einschränken, durch die Windschutzscheibe zu fliegen.

Bemerkenswert ist die Chronologie der Gefühle. Noch vor wenigen Jahren war die Wärmepumpe in der öffentlichen Erzählung der Union das Symbol für Verbotspolitik, Enteignung und ruinierte Häuslebesitzer. Heute, mit etwas Abstand und ganz ohne ideologischen Nebel von CDU/CSU, zeigen unabhängige Kostenrechnungen ein anderes Bild: Bei einem Gaspreis von rund 11 bis 14 Cent pro Kilowattstunde und einer Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl von 3,5 bis 4,0 heizt diese schon heute 30 bis 40 Prozent günstiger als eine Gasheizung. Über zehn Jahre gerechnet liegt der wirtschaftliche Vorteil der Wärmepumpe je nach Modellrechnung zwischen 10.000 und über 24.000 Euro. Über zwanzig Jahre wächst die Differenz durch den steigenden CO2-Preis kontinuierlich weiter. Sind dann noch Solar-Panele auf dem Dach, sieht es noch viel besser aus.

Das Beste daran: Die einst als „Heizhammer“ verteufelte Technologie schützt nebenbei auch noch vor genau jener Abhängigkeit, die deutsche Verbraucher seit 2022 schmerzhaft kennengelernt haben. Während Öl- und Gaspreise weiterhin von geopolitischen Krisen, Importquoten und internationalen Märkten getrieben werden, produziert eine Wärmepumpe ihre Wärme aus Strom, der zunehmend aus heimischer Sonne und Wind kommt, mit bis zu 90 Prozent weniger CO2-Ausstoß im Betrieb. Wer also für „Freiheit“ beim Öl und Gas plädiert, verteidigt in Wahrheit die Freiheit, weiterhin von Diktaturen und Krisenregionen abhängig zu sein, nur mit mehr Patriotismus im Ton.

Die eigentliche Pointe der Erzählung ist aber die vorsätzliche Umkehrung von Ursache und Wirkung. Nicht die Wärmepumpe hat Menschen in die Armut getrieben, das haben explodierende Gaspreise während der Energiekrise erledigt. Nicht die Klimapolitik zerstört Häuser, das tun steigende Betriebskosten einer Technologie, deren wirtschaftliches Ablaufdatum längst überschritten ist. Und dennoch hat die Union diese Kausalität monatelang erfolgreich verdreht, mit Begriffen wie „Heizungsverbot“, während Sachverständige inzwischen selbst am Nachfolgegesetz massive Kritik wegen bürokratischer Überlastung und ungelöster sozialer Risiken üben, Risiken, die interessanterweise durch den Fortbestand der teureren fossilen Systeme eher verschärft als gelöst werden.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer heute noch mit Öl und Gas heizt „weil die Freiheit wichtig ist“, finanziert im Zweifel nicht seine Unabhängigkeit, sondern seine eigene ökonomische Geiselnahme. Die wahre Freiheit steht längst im Garten, brummt leise und hat eine Amortisationszeit. Nur eben nicht auf dem Wahlplakat.

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