Gedenkveranstaltung zum 65. Jahrestag des Mauerbaus in Spandau

Bezirk erinnert an Opfer der gewaltsamen Teilung Berlins

Am Mittwoch, dem 12. August 2026, gedenkt der Bezirk Spandau des 65. Jahrestages des Baus der Berliner Mauer. Die Gedenkveranstaltung findet um 17:00 Uhr an der Heerstraße Ecke Bergstraße in 13591 Berlin-Spandau statt.

5–7 Minuten

Wie in jedem Jahr erinnert die Veranstaltung an die Menschen, die der gewaltsamen Teilung Berlins zum Opfer fielen; insbesondere an jene, deren Schicksale untrennbar mit Spandau verbunden sind. Die Gedenkstätte an der Heerstraße markiert einen historischen Ort, an dem die Grenzanlagen zwischen Ost und West einst verliefen.

Spurensuche Berliner Mauer

Mauerradweg

Veranstalter und Programm

Die Gedenkveranstaltung wird gemeinsam vom Bezirksamt Spandau von Berlin und der Heimatkundlichen Vereinigung Spandau 1954 e. V. ausgerichtet. Die Veranstaltung wird mit einem Grußwort von Bezirksstadtrat Thorsten Schatz eröffnet.

Die Festrede hält Norbert Rauer, Pfarrer im Ruhestand. Darüber hinaus spricht Ina Bittroff, Vorsitzende der Heimatkundlichen Vereinigung Spandau 1954 e. V. Gemeinsam erinnern sie an die Folgen der deutschen Teilung und unterstreichen die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur für Gegenwart und Zukunft.

Den Abschluss der Gedenkveranstaltung bildet die gemeinsame Kranzniederlegung an der Gedenkstätte. In vergangenen Jahren wurden im Rahmen der Zeremonie auch die Namen der Mauertoten aus Spandau verlesen.

Dorfkirche Alt-Staaken. Ein Wandbild symbolisiert die Kirchengeschichte, wie auch die Geschichte des geteilten Spandaus. (Panoramafoto: Ralf Salecker)
Dorfkirche Alt-Staaken. Ein Wandbild (Versöhnte Einheit) symbolisiert die Kirchengeschichte, wie auch die Geschichte des geteilten Spandaus. (Panoramafoto: www.salecker.info)

Historischer Hintergrund

Am 13. August 1961 begann der Bau der Berliner Mauer, der die Teilung Berlins und Deutschlands für nahezu drei Jahrzehnte zementierte. Die Sperranlagen verliefen auch durch Spandau, wo die Grenznähe und die militärischen Installationen den Alltag der Bewohner prägten. Der Bezirk lag im Westen Berlins und war durch die Grenzziehung besonders betroffen.

Zum 65. Jahrestag finden in ganz Berlin verschiedene Veranstaltungen statt. Die zentrale Gedenkveranstaltung des Landes Berlin und des Bundes findet am 13. August 2026 in der Gedenkstätte Berliner Mauer statt. Das stadtweite Programm umfasst Ausstellungen, Führungen, Konzerte und Gespräche mit Zeitzeugen.

Die Gedenkveranstaltung in Spandau ist Teil dieses übergreifenden Programms und stellt die lokale Erinnerung an die Teilung in den Mittelpunkt.

An der Heerstraße erinnert ein Schild an die Teilung Deutschlands (Foto: Ralf Salecker)
An der Heerstraße erinnert ein Schild an die Teilung Deutschlands (Foto: Ralf Salecker)

Teilnahme ohne Anmeldung möglich

Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind zur Teilnahme eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung richtet sich an die Öffentlichkeit und soll ein gemeinsames Zeichen gegen das Vergessen setzen.

Öffentliche Verkehrsmittel: Die Gedenkstätte ist mit den Buslinien M 37 oder M 49 erreichbar (Haltestelle Hahneberg).

Veranstaltungsdaten:
Datum: Mittwoch, 12. August 2026
Uhrzeit: 17:00 Uhr
Ort: Heerstraße / Ecke Bergstraße, 13591 Berlin-Spandau
Eintritt: frei, keine Anmeldung erforderlich

Veranstalter
Bezirksamt Spandau von Berlin
Heimatkundliche Vereinigung Spandau 1954 e. V.

Die Teilung Spandaus: Grenze mitten durch den Bezirk

An der Heerstraße erinnert ein Schild an die Teilung Deutschlands (Foto: Ralf Salecker)
An der Heerstraße erinnert ein Schild an die Teilung Deutschlands (Foto: Ralf Salecker)

Wo verlief die Trennung?

Die Grenze zwischen Ost und West verlief nicht nur um Spandau herum, sondern auch durch den Bezirk selbst. Spandau lag als westlichster Bezirk West-Berlins direkt an der Grenze zur DDR und grenzte an Potsdam, Falkensee und Hennigsdorf.

Innerhalb Spandaus betraf die Teilung besonders den Ortsteil Staaken, der im Zuge eines Gebietsaustausches zwischen den Alliierten kurz nach Kriegsende 1945 aufgeteilt wurde. Der westliche Teil Staakens wurde der sowjetischen Besatzungszone zugewiesen, der östliche Teil verblieb im britischen Sektor West-Berlins. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde diese Trennung durch Stacheldraht und Grenzanlagen zementiert.

An der Heerstraße erinnert ein Schild an die Teilung Deutschlands (Foto: Ralf Salecker)
An der Heerstraße erinnert ein Schild an die Teilung Deutschlands (Foto: Ralf Salecker)

Welche Bereiche waren Teil der DDR?

West-Staaken gehörte von 1945 bis 1990 zur DDR. Es war der einzige Teil Spandaus, der jahrzehntelang unter ostdeutscher Verwaltung stand. Die Bewohner von West-Staaken waren von ihren Nachbarn in Ost-Staaken durch die Grenzanlagen getrennt.

Zusätzlich gab es auf DDR-Gebiet liegende Spandauer Exklaven: Eiskeller, Fichtewiese und Erlengrund. Diese Siedlungen gehörten zwar zu West-Berlin, waren aber vollständig von DDR-Territorium umgeben. Die Anwohner konnten sie nur über einen schmalen Korridor erreichen. 1988 wurden diese Exklaven an das West-Berliner Netz angeschlossen.

Welche Gebiete kamen nach dem Mauerfall zu Spandau?

Nach dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde West-Staaken wieder mit Ost-Staaken vereint und als sogenanntes Beitrittsgebiet dem Bezirk Spandau zugeführt. Damit war die jahrzehntelange Teilung des Ortsteils beendet.

Mit dem Einigungsvertrag vom 3. Oktober 1990 kam West-Staaken offiziell zu Berlin zurück. Die frühere innerdeutsche Grenze wurde zur Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg, die weiter westlich verläuft als die ehemalige Mauer.

Grenzübergänge und Erinnerungsorte

Zwei Grenzübergänge stellten die einzige Verbindung zwischen den beiden Spandauer Teilen dar: der Grenzübergang Heerstraße und der Bahnübergang Staaken. Letzterer war Schauplatz einer spektakulären Flucht mit einer Eisenbahn.

Heute erinnern zahlreiche Orte entlang der ehemaligen Grenze an die Teilungsgeschichte. Der Berliner Mauerweg, der die Westgrenze der Spandauer Ortsteile Hakenfelde, Falkenhagener Feld, Staaken, Gatow und Kladow markiert, führt auf einer rund 20 Kilometer langen Strecke durch Spandau.

An der Heerstraße Ecke Bergstraße steht eine Gedenksäule, die an den historischen Grenzübergang erinnert. Ein weiteres Mauersegment befindet sich am Groß Glienicker See.

Kuriosum Seeburger Zipfel

Was war der Seeburger Zipfel?

Der Seeburger Zipfel (auch Seeburg-Streifen genannt) war ein brandenburgisches Gebiet, das wie ein Keil in die Stadtgrenze Groß-Berlins hineinragte. Er umfasste das Wohngebiet Weinmeisterhöhe und Teile von Groß Glienicke.

Warum war der Seeburger Zipfel problematisch?

Das Gebiet stellte während der Besatzungszeit ein erhebliches logistisches Problem dar: Die wichtigsten Zufahrtsstraßen zum britischen Militärflugplatz RAF Gatow verliefen durch das Territorium von Seeburg in Brandenburg, das zur sowjetischen Besatzungszone gehörte. Die Briten konnten den bereits 1935 eröffneten Flugplatz Gatow auf dem Landweg nur über teilweise von den Sowjets kontrollierte Straßen erreichen.

Der Gebietsaustausch von 1945

Am 30. August 1945 einigten sich die Alliierten im Rahmen eines Gebietsaustausches darauf, den Seeburger Zipfel gegen West-Staaken zu tauschen:

  • An Großbritannien/West-Berlin gingen: Der Seeburger Zipfel (mit Weinmeisterhöhe) und ein Teil von Groß Glienicke
  • An die Sowjetunion/DDR ging: West-Staaken, ein Teil des britischen Sektors

Dieser Austausch wurde am 30. August 1945 vom Alliierten Kontrollrat ratifiziert und trat noch am selben Tag um 23:59 Uhr in Kraft. Der Grenzverlauf wurde vom Grenzkomitee der Alliierten Kommandantur festgelegt und am 27. September 1945 ratifiziert.

Grenze nach 1945

Nach dem Gebietsaustausch verlief die neue Grenze westlich der Potsdamer Chaussee und des Ritterfelddamms, sodass die Zufahrt zum Flugplatz Gatow nun vollständig im britischen Sektor lag. Die Bevölkerung von Seeburg (ca. 1.350 Einwohner) wurde damit Teil West-Berlins.

Spätere Entwicklung

Im Rahmen eines weiteren Gebietsaustausches im Jahr 1980 wurde der Seeburger Zipfel endgültig an Berlin angegliedert. Dies löste langjährige Probleme mit der Zufahrt zu Gatow und Kladow. Interessanterweise wurden die Tiefwerder Wiesen, die von der DDR als Tauschobjekt angeboten wurden, vom Westen nicht übernommen – sie blieben bis zum Ende der DDR deren Eigentum und kamen erst mit dem Einigungsvertrag 1990 unter Berliner Verwaltung.

Nach der Wiedervereinigung

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 gelangte nur West-Staaken zurück nach Berlin. Der Seeburger Zipfel verblieb als Teil Berlins und ist heute in die Bezirksgrenzen Spandaus integriert.

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