Genossenschaft gegen Jugendarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel (Illu: Ralf Salecker)

Genossenschaft gegen Jugendarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel

Unterstützung und Hilfe für Unternehmen bei der Personalentwicklung

Genossenschaft gegen Jugendarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel (Illu: Ralf Salecker)
Genossenschaft gegen Jugendarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel (Illu: Ralf Salecker)

Die Situation scheint paradox: Einerseits klagen viele Unternehmen über fehlenden Nachwuchs und andererseits ist im Großraum Berlin die Jugendarbeitslosigkeit immer noch weitaus höher als im Bundesvergleich.

Der Bürgermeister von Spandau Helmut Kleebank hat daher die Initiative ergriffen und stellt erste Ergebnisse vor: Mit Unterstützung durch die bbw Berufsvorbereitungs- und Ausbildungsgesellschaft GmbH, wird ein Projekt zur gezielten Unterstützung und Hilfe für Unternehmen bei der Personalentwicklung vorbereitet! Diese Initiative wird aus Mitteln der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen unterstützt.

Ziel ist die Gründung einer Genossenschaft, die den Mitgliedern eine Plattform für gemeinsame Maßnahmen der Personalentwicklung bietet. Angestrebt werden u.a. Angebote zur Berufsorientierung, zur Berufsvorbereitung und die berufliche Ausbildung in einem betrieblichen Verbundsystem. Je nach Bedarf der Mitgliedsunternehmen sind weitere Angebote möglich.

Die Genossenschaftsmitglieder können auf verschiedene Arten von der Arbeit der Genossenschaft profitieren. Sie können sich an den Maßnahmen der Genossenschaft beteiligen. Oder sie können bei speziellen Bedarfen gemeinsam mit anderen Unternehmen neue Projekte ins Leben rufen. Darüber hinaus ist es den Mitgliedsunternehmen möglich, Ausbildungsprojekte als Dienstleistung für das eigene Unternehmen zu beauftragen.

Der Entwurf einer Satzung der Genossenschaft liegt bereits vor. Jedes Unternehmen und jede Privatperson kann Mitglied der Genossenschaft werden. Ein Genossenschaftsanteil kostet 100,- Euro. Die Genossenschaft wird zum Jahresende zunächst in einer vorgenossenschaftlichen Phase gegründet. Es folgt die Erstellung eines Wirtschaftsplanes mit der anschließenden vollständigen Gründung zum Sommer 2015.

Interessierte Unternehmen oder Privatpersonen können unter buergermeister@ba-spandau.berlin.de ihr Interesse bekunden.

Hintergrundinformation:

Zunehmend spüren Berliner Unternehmen den Fachkräfteengpass bei Absolventen mit dualer Ausbildung und Weiterbildungsabschlüssen. Gefordert wird allseits eine hohe Bereitschaft der Unternehmen zur eigenen Ausbildung. Nur rund 50% der Berliner Betriebe mit einer Ausbildungsberechtigung bilden noch aus.

Dies ist aber keinesfalls nur mit einer Interessenlosigkeit der Unternehmen zu begründen! Oftmals finden Betriebe keine geeigneten Bewerber, die sich für eine betriebliche Ausbildung in ihrem Unternehmen entscheiden. Die Gründe sind vielschichtig: Schüler der Abgangsklassen der allgemeinbildenden Schulen haben keine oder nur lückenhafte Informationen über die Ausbildungsangebote, die Anforderungen, aber auch Chancen im Beruf sind nicht bekannt, es fehlen Qualifikationen und die Motivation der potenziellen Bewerber ist oft unzureichend. Unterstützung und Hilfe ist sowohl für die potenziellen Bewerber als auch für die Unternehmen dringend gefordert!

 

Ergänzung am 9. November 2014

Kai Wegner, Vorsitzender der CDU Spandau und Bundestagsabgeordneter erklärt zur Initiativ-Gründung einer Berufsgenossenschaft gegen Jugendarbeitslosigkeit:

„Ich bin schon einigermaßen verwundert über die Initiative von SPD-Bezirksbürgermeister Kleebank. Ich habe mich im vergangenen Jahr mehrfach an Bildungssenatorin Scheeres gewandt und darum gebeten, die Berufsausbildungsstätte bbw am Brunsbütteler Damm weiterhin finanziell zu unterstützen. Nach Zahlen der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit verzeichnet Berlin in Bezug auf die Jugendarbeitslosigkeit weiterhin einen negativen Spitzenwert. Gleichzeitig besteht ein großer Bedarf an ausgebildeten Fachkräften.

Ich habe vor diesem Hintergrund darum gebeten, im Bildungsetat die notwendigen Mittel zur Fortführung der Berufsqualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Wohl bemerkt SPD-Bildungssenatorin ließ mich seinerzeit dazu wissen, dass keine Notwendigkeit über den Förderungszeitraum hinaus gesehen wird und strich die Mittel in Höhe vier Millionen Euro aus ihrem Haushalt.

Nun verkauft Kleebank eine Unterstützung der bbw Berufsvorbereitungs- und Ausbildungsinitiative in Höhe von 70.000 Euro durch das SPD-Ressort für Arbeit als Erfolg. Ich finde das ist für den Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit zu wenig.

Ein solches Berufsqualifizierungsangebot ist für Spandau von hoher Bedeutung und muss deshalb zwingend erhalten bleiben. Der Bezirksbürgermeister sollte sich lieber bei seinen Parteigenossinnen Scheeres und Kolat dafür einsetzen, dass das bbw wieder vom Senat gefördert wird und seine wichtige Arbeit für junge Menschen fortsetzen kann.“

About Ralf Salecker

Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist