Gutspark Neukladow: Ein Ort mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft

Einladung zur Informationsveranstaltung

Das Bezirksamt Spandau öffnet die Türen für alle Interessierten: Am Donnerstag, dem 28. Mai 2026, um 15:00 Uhr findet im Gutspark Neukladow eine öffentliche Informationsveranstaltung statt. Treffpunkt ist der Platz vor dem Gutshaus, Neukladower Allee 12, 14089 Berlin.

Im Mittelpunkt stehen die anstehenden Entwicklungsmaßnahmen im Park. Fachleute aus den zuständigen Bereichen stellen die Planungen vor und ordnen sie in den Gesamtzusammenhang ein, darunter auch konkrete Arbeiten entlang des Havelradwegs. Nach einer einführenden Übersicht der Entwicklungsziele haben alle Anwesenden Gelegenheit, Rückfragen zu stellen.

Der Gutspark Neukladow ist weit mehr als eine Grünanlage: Er ist ein landschaftlich außergewöhnlicher Ort direkt an der Havel, ein historisch gewachsenes Ensemble und ein lebendiger Begegnungsraum für die gesamte Nachbarschaft. Der Bezirk Spandau sieht es als seine Aufgabe, diesen Ort sorgfältig für kommende Generationen zu bewahren und behutsam weiterzuentwickeln, und lädt dazu ein, diesen Prozess gemeinsam zu gestalten.

Wer mit dem Drahtesel den Havelradweg entlang der Havel zwischen Spandauer Altstadt und Kladow unterwegs ist, wird das schöne Parkgelände sicherlich schon längst entdeckt haben. Für manche ist die Wiese am Ufer der Havel, zu Füßen des Gutshauses, ein gemütlicher Platz zum Picknicken, oder für andere eine inoffizielle Badestelle. Wer am Pfingstwochenende nichts vorhat, dem seien Park, Gebäude, Café und Uferbereich ans Herz gelegt, oder die Familie macht einen gemeinsamen Ausflug entlang der Havel.

Inoffizielle Badewiese am Fuße des Gutsparks Neukladow
Inoffizielle Badewiese am Fuße des Gutsparks Neukladow (Foto: www.salecker.info)

Kleiner Kladow-Exkurs

Ganz im Süden Spandaus liegt Kladow. Von Großstadt und Häusermeeren der Spandauer Wohnsiedlungen keine Spur, dafür Villen, lockere Bebauung und wieder viel Grün.
Das Dorf Kladow wird 1267 das erste Mal urkundlich erwähnt. 1799 erfolgt die Umwandlung des Lehnschulzengutes Kladow in ein Erbzinsgut; der Geheime Kabinettsrat Mencken bekommt es vom König geschenkt. 1920 erhält Kladow elektrisches Licht, stimmt gegen die Eingemeindung Spandaus in Groß-Berlin und 1924 wird die erste regelmäßige Buslinie nach Kladow eröffnet. Durch den Mauerbau 1961 gerät Kladow in eine abgeschiedene Lage. Seit der Wiedervereinigung ist es nicht mehr von seinem Umland abgeschnitten.

Vergangenheit: Von Bismarcks Mutter bis zur Berliner Kunstszene

Die Geschichte des Gutshofs reicht bis an die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zurück. Kabinettsrat Ludwig Mencken ließ das Gutshaus im klassizistischen Stil der Gilly-Schule auf dem Gelände eines älteren Lehnschulzenguts errichten. Ein bemerkenswertes historisches Detail: Menckens Tochter Louise Wilhelmine verbrachte hier ihre Kindheit. Sie wurde später als Mutter von Reichskanzler Otto von Bismarck bekannt.

1887 erwarb der Berliner Zementfabrikant Robert Guthmann das Anwesen. Sein Sohn Johannes Guthmann gab dem Gut ab 1909 ein neues Gesicht: Er beauftragte den Architekten Paul Schultze-Naumburg mit dem Umbau des Herrenhauses und schuf einen gepflegten Landschaftspark, der die Berliner Kunst- und Kulturszene anzog. Rosengarten, Naturtheater und großzügige Parkanlagen machten Neukladow in dieser Zeit zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt von überregionaler Bedeutung.

1928 ging das Gut durch Kauf an die Stadt Berlin über. Damit begann eine lange Phase des Wandels und des schleichenden Verfalls: Ab 1935 nutzte zunächst das Militär das Gelände; nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Arbeiterwohlfahrt (AWO) das Herrenhaus als Erholungsheim und errichtete unter anderem einen Casino-Trakt. Als die AWO das Gelände verließ, stand das Gutshaus ab 1995 leer und verfiel zusehends.

Gegenwart: Kulturort mit Café und Galerie

Seit 2006 wird das Gutspark-Ensemble wieder kulturell belebt. Der Bezirk Spandau entschied sich bewusst gegen eine Privatisierung und für eine gemeinschaftlich getragene Nutzung. Im Gutshaus ist ein Ausflugscafé entstanden, das durch Konzerte, Lesungen und Ausstellungen ergänzt wird.

Das Kladower Forum betreibt im Torhaus die Galerie Neukladow, die sich gezielt der Förderung junger Künstlerinnen und Künstler widmet. Der Park selbst, mit seinen charakteristischen Alleen, weiten Wiesenflächen und dem einzigartigen Panoramablick über Havel und Wannsee, ist als öffentliche Grünanlage für alle frei zugänglich. Das gesamte Ensemble steht unter Denkmalschutz.

Ein sichtbares Problemzeichen der Gegenwart ist der marode Casino-Trakt aus den 1950er Jahren: Das AWO-Gebäude steht seit 1995 leer und war zuletzt Schauplatz illegaler Partys.

Zukunft: Museum, Galerie und behutsame Parkrestaurierung

Die Pläne für Neukladow sind konkret, aber auch von Einschränkungen geprägt. Der alte Casino-Trakt soll abgerissen werden; die veranschlagten Kosten von 50.000 bis 100.000 Euro sind noch nicht vollständig finanziert. Das Haupthaus soll ein Kunstmuseum beherbergen, das eine Spandauer Gemälde- und Möbelsammlung aus der Gründerzeit zeigt; im Souterrain bleibt dabei Platz für das Café. Für das Vorhaben wurden ursprünglich für einen Casino-Neubau bewilligte 2,9 Millionen Euro aus der Lottostiftung zur Umwidmung beantragt.

Das benachbarte Verwalterhaus wird zur kommunalen Galerie ausgebaut; ursprüngliche Restaurantpläne wurden aufgegeben, da der Raum dafür zu beengt ist. Das Berliner Architekturbüro BASD, bekannt von Projekten wie Schloss Biesdorf, ist mit der Planung beauftragt. Für die Außensanierung stehen 200.000 Euro bereit; der Innenausbau erfordert weitere rund eine Million Euro. Die Fundamentsanierung des Verwalterhauses hat bereits im Februar 2026 begonnen.

Auch der Park selbst soll in Anlehnung an den historischen Zustand der Guthmann-Ära um 1910 behutsam wiederhergestellt werden: Blumengarten, Rosengarten mit Pergola und Naturtheater sollen neu entstehen. Allerdings musste der ursprünglich geplante Scheunenneubau für Veranstaltungen infolge von Fördermittelkürzungen gestrichen werden, ein spürbarer Rückschlag für das Gesamtkonzept. Dennoch bleibt das langfristige Ziel bestehen: Neukladow soll zu einem vollwertigen Kulturraum am Wannsee werden, der die bestehende Kulturlandschaft am Westufer der Havel nachhaltig bereichert.

Öffnungszeiten und Erreichbarkeit des Gutsparks Neukladow

Öffnungszeiten

Park (Grünanlage): Der Gutspark ist als öffentliche Grünanlage jederzeit frei und kostenlos zugänglich.

Gutshaus (Café): Laut der offiziellen Website des Gutshauses aktuell geöffnet:

  • Donnerstag bis Sonntag: 12:00–17:00 Uhr
  • Samstags und sonntags bei gutem Wetter teils bis 18:00 Uhr
  • Montag bis Mittwoch geschlossen
  • Für Gruppen sind Termine auch außerhalb der regulären Zeiten möglich

Die Öffnungszeiten können saisonal variieren. Eine vorherige Überprüfung auf gutshausneukladow.de oder per Telefon wird empfohlen.

Kontakt:
Tel. 030 36413892
info@gutshausneukladow.de

Erreichbarkeit

Adresse: Neukladower Allee 12, 14089 Berlin-Kladow

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

  • Bus X34, 134 oder 697 bis Haltestelle Kladower Damm / Neukladower Allee
  • BVG-Fähre F10 ab S-Bahnhof Wannsee nach Alt-Kladow, dann ca. 10 Minuten Fußweg zum Park; die Fähre gilt als normaler BVG-Tarif (kein Aufpreis) und bietet eine ca. 20-minütige Überfahrt über den Großen Wannsee

Mit dem Auto:

  • Über die Heerstraße / Kladower Damm aus Richtung Spandau
  • Kein eigener Parkplatz vorhanden, nur öffentliche Parkmöglichkeiten in der Umgebunswert: Sie gilt als normaler BVG-Tarif (kein Aufpreis) und bietet eine ca. 20-minütige Überfahrt über den Großen Wannsee.
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