Auf Eiswerder sollten Träume wachsen (Foto: Ralf Salecker)

Keine Insel der schönen Dinge in Spandau?

Das Meilenwerk ist pleite

Auf Eiswerder sollten Träume wachsen (Foto: Ralf Salecker)
Auf Eiswerder sollten Träume wachsen (Foto: Ralf Salecker)

Aus dem „Glücksfall für Spandau“ auf der Insel Eiswerder wird nicht werden: Keine Investition von 100 Millionen Euro, kein Hotel und auch keine Oldtimerausstellung. Die „Meilenwerk-AG“ ist pleite, sie meldete am 25. Januar Insolvenz an. Eine Auffanggesellschaft soll dafür sorgen, dass es mit den geplanten Neubauten auf der Insel weitergehen kann.

Im Frühjahr 2014 hätte der Ausbau der Hallen beginnen sollen. Rege Bautätigkeiten hätten Träume in den Himmel wachsen lassen sollen, damit die geplante Eröffnung des Meilenwerks 2015 eigehalten werden könnte. Viel hatte Martin Halder vom „Meilenwerk – Forum für Fahrkultur“ den Spandauern versprochen. In der Eigenwerbung heißt es: „Das Meilenwerk sei das größte private Oldtimerprojekt Deutschlands“. Als das neue Mekka für die Liebhaber alter Autos pries man es an. Nach und nach bröckelten die vollmundigen Versprechungen in sich zusammen. Monat um Monat verging – und nichts geschah.

Was war geplant?

Der Wunsch Spandaus, das Gebiet Eiswerder endlich zu entwickeln, schien zum Greifen nahe. Rund 100 Millionen Euro Investitionen standen im Raum. In den denkmalgeschützten Gebäuden des ehemaligen preußischen Feuerwerkslaboratoriums war ein großes Oldtimer Zentrum geplant, wie es vergleichbar an anderen Orten in Berlin und Deutschland existiert. Das Erdgeschoss, der alten Backsteinhallen soll später die Ausstellungsfläche für die Oldtimer aufnehmen. Alt und Neu sollten in einer behutsamen Sanierung miteinander verschmelzen. Die Hallen sollten in der Höhe der ersten Etage mit einem Glasdach verbunden werden, so dass weitere witterungsgeschützte Nutzflächen zur Verfügung ständen. Kleingärten und eine Werkstatt an der Südseite Eiswerders mussten vorab dafür weichen.

Früher gab es schon einmal ein Meilenwerk in Berlin. Ein Straßenbahndepot in der Moabiter Wiebestraße wurde zu einem Ort an dem vieles rund um Oldtimer angesiedelt wurde. Heute trägt das Oldtimerzentrum den Namen Classic-Remisen. Martin Halder und seine ehemaligen Partner hatten sich im Streit getrennt. Er nahm den Namen mit, seine ehemaligen Partner betrieben den Standort weiter.

In den Hallen sollten Besitzer alter Autos ihre Lieblinge in Glasboxen unterstellen. Besucher hätten sich diese Dauerausstellung kostenlos anschauen dürfen. Dienstleistungen, Werkstätten und edles Handwerk, nicht nur rund um alte Fahrzeuge waren geplant. Vor den Hallen sollte später eine kleine Marina Platz für alte Boote bieten, dazu noch Wohnlofts und ein Hotel mit 120 Betten, alles eine Kombination von Entspannung, Kultur und Zeitgeist. Ein besonderes Highlight hätte das rund 3500 Quadratmeter große Eventufer sein können, für große Veranstaltungen mit einem unmittelbaren Blick auf die Havel.

Auch anderswo ging es mit dem Meilenwerk nicht voran. In Hamburgs historischem Kraftwerk Bille hätte es mit dem Meilenwerk 2012 losgehen sollen. Anfang 2015 war dort immer noch nichts passiert. Auch im Süden Hamburgs herrschte anfangs große Euphorie. Halder behauptete zu diesem Zeitpunkt immer noch, dass das Hamburger Meilenwerk Ende 2016 eröffnet werden könne. Auch hier löste sich zuerst die Idee eines Hotels in Luft auf. In Hamburg hätten angeblich baurechtliche Fragen zu den langen Verzögerungen geführt. In Spandau soll angeblich die Planung für das Meilenwerk viel Geld verschlungen haben.

Nun stellt sich die Frage, wie sehr der Ankündigung zu trauen ist, dass es der Auffanggesellschaft gelingt, die restlichen Projekte auf Eiswerder weiterzuführen. Eine Holding soll zukünftig alles richten – auf Grund und Boden, der ihr nicht gehört. Begeisterte Geldgeber wären angeblich immer noch vorhanden.

Schön wäre es ja… aber …

 

Ergänzung:

Der Bauträger „Insignium – Gebaute Marken GmbH“ (Handelsregister beim Amtsgericht Berlin (Charlottenburg) unter der Nummer HRB 94209 B), der das Düsseldorfer Meilenwerk baute ging 2006 in die Insolvenz (Insolvenzverfahren der Insignium GmbH vor dem Amtsgericht Charlottenburg: Az 36i IN 6029/06). Geschäftsführer war damals Martin Halder. Das Geschäftsmodell hatte dort anscheinend nicht funktioniert. Die Gesellschaft ist auf Grund der Eröffnung des Insolvenzverfahrens aufgelöst. (9.2.2007). Am 6.1.2015 erfolgte die Löschung der GmbH.

 

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Ralf Salecker, freier Fotograf und Journalist

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