Kiezspaziergang: Vom Salzhof der Pulverfabrik zum Neubaugebiet

Im Neubaugebiet Waterkant lassen sich bis heute historische Spuren entdecken, die auf die wechselvolle Vergangenheit des Areals hinweisen. An der Ecke Am Havelgarten/Rhenaniastraße steht noch eine Baracke, die einst Teil des größten Zwangsarbeitslagers von Siemens in Berlin war. Wenige Meter entfernt befindet sich hinter der Bushaltestelle Daumstraße/Rhenaniastraße die Ruine einer ehemaligen Pulverfabrik.

Das Gelände, auf dem seit 2020 Wohnraum für mehr als 6.000 Menschen entsteht, wurde zuvor industriell genutzt. Hier befanden sich unter anderem Tanks des Unternehmens Shell, die auch Teile der sogenannten Senatsreserven lagerten. Die heutigen Bauprojekte stehen damit in deutlichem Kontrast zur historischen Nutzung des Standorts.

Anmeldung erforderlich unter: anmeldung@zitadelle-berlin.de

Tel. 030 354 944 445
Sonntag, 7. Juni 2026, 14:00 Uhr
Treffpunkt: HeimatHavel, Schwielowseestr. 20, 13599 Berlin
Svenja Tietz (Historikerin)

Die Veranstaltung ist Teil des Projekts „Erinnern, Erforschen, Engagieren – Eine Entdeckungsreise im Neubaugebiet Waterkant“ und der „Langen Woche der Kiezgeschichte – Straßengeschichte(n)“.

Pulverfabrik
Die ehemalige Königliche Pulverfabrik in Spandau gehört zu den prägenden Orten der Berliner Industriegeschichte. Seit den 1830er Jahren wurde hier am Havelufer Schießpulver für die preußische Armee produziert; später kamen weitere militärische Anlagen hinzu, bevor der Betrieb 1919 im Zuge der Entmilitarisierung endete. Heute erinnert das Areal als Teil der Havelwerke an einen Ort, an dem sich Rüstungsproduktion, Stadtentwicklung und neuer Gebrauch des Geländes überlagern.

Salzhof
Der Salzhof in Spandau war ein unscheinbarer, aber zentraler Baustein dieser Produktionslandschaft: Dort wurde ab etwa 1890 die für die Pulverherstellung benötigte Nitriersäure hergestellt. Der Ort steht damit für die oft übersehene chemische Infrastruktur hinter der Industriegeschichte des Bezirks und ist zugleich Teil jener historischen Spuren, die im heutigen Neubaugebiet Waterkant noch nachzulesen sind.

Siemens Zwangsarbeiterlager

Am Ecke Am Havelgarten/Rhenaniastraße in Spandau befand sich im Zweiten Weltkrieg ein großes Siemens-Zwangsarbeitslager in Haselhorst; das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit bezeichnet es sogar als „vermutlich größtes Lager“ an diesem Ort. Siemens unterhielt laut taz („Zwangsarbeit in Berlin: Arbeitszwang“) in den Kriegsjahren 127 Zwangsarbeiterlager in Berlin, mehr als jedes vierte davon in Spandau, was die Bedeutung des Bezirks als Standort der NS-Zwangsarbeit unterstreicht.

Heute liegt der Ort in einem veränderten Stadtbild, doch die Geschichte bleibt sichtbar: Der Platz steht exemplarisch für die Verflechtung von Industriekonzern, Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Berlin.

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