Berlin verstärkt den Kampf gegen weggeworfene Zigarettenstummel. Vom 29. Juni bis 5. Juli beteiligt sich der Bezirk Spandau an einer berlinweiten Schwerpunktwoche, bei der Ordnungsamtskräfte gezielt gegen das illegale Entsorgen von Kippen vorgehen. Wer erwischt wird, muss mit empfindlichen Bußgeldern rechnen.
Zigarettenstummel sind allgegenwärtig auf Berlins Gehwegen, in Parks und an Bushaltestellen, und längst kein Kavaliersdelikt mehr. Zigarettenkippen gehören zu den häufigsten Umweltverschmutzern im öffentlichen Raum. Sie enthalten zahlreiche Schadstoffe wie Nikotin und Schwermetalle, die nicht nur Böden und Gewässer belasten, sondern auch eine Gefahr für Tiere und Menschen darstellen können. Besonders Kleinkinder und Haustiere seien gefährdet, wenn sie mit achtlos entsorgten Kippen in Kontakt kämen. Jede weggeworfene Kippe ist ein vermeidbares Umwelt- und Gesundheitsrisiko.
Eine weggeworfene Zigarettenkippe benötigt 1 bis 5 Jahre, um in der Umwelt vollständig zu verrotten.
Die tatsächliche Dauer hängt stark von den Umgebungsbedingungen ab:
- Im Wasser: Rund 1 bis 5 Jahre (der Filter zerfällt in Mikroplastik und gibt Giftstoffe wie Nikotin und Schwermetalle ab).
- Auf der Straße: Bis zu 5 Jahre (Verwitterung durch UV-Strahlung, Wind und Regen).
- Im Boden: Bis zu 10 oder mehr Jahre (der biologische Abbau wird durch die enthaltenen Chemikalien und den Kunststoff Zelluloseacetat stark verlangsamt).
Uniform und Zivil: Kontrollen an bekannten Hotspots
Die Einsatzkräfte werden während der Schwerpunktwoche sowohl in Uniform als auch in ziviler Kleidung unterwegs sein, gezielt an Orten, die als besonders stark verschmutzt bekannt sind. Dieses Vorgehen ist Teil eines stadtweiten Konzepts: Berlins sogenannte „Waste-Watcher“ des Allgemeinen Außendienstes (AOD) der Ordnungsämter kontrollieren sowohl kleine Ablagerungen wie Kippen und Hundekot als auch größere illegale Entsorgungen im öffentlichen Straßenland und in Grünanlagen.
Höhere Bußgelder seit November 2025
Der Griff in den Geldbeutel ist für Kippen-Sünder deutlich schmerzhafter geworden: Seit November 2025 gelten in Berlin verschärfte Bußgeldvorschriften. Wer seine Zigarette vorsätzlich auf den Boden wirft, muss mit einem Bußgeld zwischen 250 und 3.000 Euro rechnen. Zuvor waren die Strafen deutlich niedriger; Barverwarnungen und förmliche Bußgeldverfahren (OWIs) werden nun systematisch erfasst und berlinweit verglichen. Die Frage darf erlaubt sein, ob diese Strafen auch wirklich verhängt werden oder ob es bei einer freundlichen Ermahnung bleibt, die sicherlich keine Verhaltensänderung bewirken wird. Erfahrungsgemäß funktioniert eine solche Bewusstseinsänderung am ehesten über den Geldbeutel.
Das steckt dahinter: Die Berliner Zielvereinbarung Sauberkeit und Ordnung
Die Schwerpunktwoche ist kein isoliertes Ereignis, sondern eingebettet in eine umfassende stadtpolitische Strategie. Senat und alle zwölf Berliner Bezirke haben im Dezember 2024 die Zielvereinbarung „Sauberkeit und Ordnung im öffentlichen Raum“ (ZV 4) unterzeichnet – ein verbindliches Instrument, das Kontrollen, Prävention und Ressourcen koordiniert. Zum 1. Januar 2026 wurde diese Vereinbarung für die Jahre 2026 und 2027 fortgeschrieben und die bisherigen Ziele ausgeweitet.
Die Vereinbarung setzt auf vier Säulen:
- Kontrollen: Ausweitung der Präsenz des Außendienstes, insbesondere durch zusätzliche Zivilstreifen an Müll-Hotspots
- Prävention: Informationskampagnen, Schulbesuche, Social-Media-Beiträge und Verteilaktionen (z. B. Taschenaschenbecher)
- Personal: Jeder der zwölf Bezirke erhält zwei zusätzliche Außendienstkräfte; im Bezirk Mitte wurde eine zentrale Koordinierungsstelle eingerichtet
- Messung: Regelmäßige Erhebung von Kennzahlen wie Anzahl der Feststellungen, verhängter Bußgelder und Schulungsquoten
Die finanziellen Mittel für die Umsetzung belaufen sich auf jährlich rund 1,625 Millionen Euro für Personalkosten sowie bis zu 240.000 Euro Sachmittel, davon bis zu 20.000 Euro je Bezirk. Insgesamt wurden für die Fortschreibung 2026/2027 die nötigen Ressourcen im Doppelhaushalt verankert.
Allein die genannten Kosten lassen hoffen, dass die möglichen Bußgelder auch durchgesetzt werden.
Mehr Qualifikation für die Kontrollkräfte
Parallel zu den Kontrollen werden die Mitarbeitenden des Außendienstes gezielt geschult. In Zusammenarbeit mit der Verwaltungsakademie Berlin wurden bereits 2024 rund 60 Dienstkräfte im Bereich „Waste-Watching“ qualifiziert; 2025 laufen weitere Kurse. Eine fundierte Ausbildung verbessere nicht nur die Beweissicherung, sondern auch die Präventions- und Aufklärungsarbeit vor Ort, heißt es in der Zielvereinbarung.
Es soll sich was ändern…
Ziel der Schwerpunktkontrollen ist es, das Bewusstsein für die Folgen achtlos entsorgter Kippen zu schärfen und nachhaltige Verhaltensänderungen anzustoßen. Saubere Straßen, Parks und Plätze steigern die Lebensqualität aller Berlinerinnen und Berliner, das ist der gemeinsame Anspruch von Senat und Bezirken. Bürgerinnen und Bürger, die selbst Verstöße beobachten oder Müllansammlungen melden möchten, können sich an das zuständige Ordnungsamt oder die Berliner Ordnungs-App wenden.



