Berlin treibt die Klimaanpassung mit einem neu konstituierten wissenschaftlichen Beirat voran: Das Gremium soll sich am 30. Juni 2026 erstmals treffen und den Senat bei der Umsetzung des Berliner Klimaanpassungsgesetzes fachlich beraten. Es ist auf fünf Jahre berufen, ehrenamtlich organisiert und soll Gutachten zu Maßnahmen und Programmen für mehr Klimaresilienz vorlegen.
Berlin setzt auf Fachwissen
Die Senatsverwaltung betont, dass wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch in politische Entscheidungen einfließen sollen, um Klimaanpassung wirksamer und schneller umzusetzen. Staatssekretär Andreas Kraus spricht von einer „Generationenaufgabe“ und hebt die enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft hervor.
Der Beirat ist interdisziplinär besetzt und deckt laut Senat unter anderem Stadt- und Siedlungsentwicklung, Landschaftsarchitektur, Umweltmedizin, soziale Fragen der Klimapolitik sowie den klimagerechten Umbau von Verkehrsinfrastruktur ab. Diese breite Aufstellung soll helfen, Anpassung nicht nur technisch, sondern auch sozial und gesundheitlich mitzudenken.
Zusammensetzung des Gremiums
Zum Beirat gehören laut Senatsseite fünf Fachleute: Alexander Buttgereit, Claudia Traidl-Hoffmann, Gabriele G. Kiefer, Julia Teebken und Martin Berchtold, die insgesamt Berlin Expertise aus Planung, Infrastruktur, Gesundheit, Governance und Klimaforschung bündeln.
Besonders sichtbar wird der Praxisbezug bei den Themen, die die Mitglieder mitbringen: von Straßenbau und Verkehrsinfrastruktur über Umweltmedizin bis zur sozial gerechten Klimaanpassung in der Stadt. Damit bekommt der Senat Beratung, die sowohl die bauliche als auch die gesellschaftliche Dimension von Klimafolgen abdeckt.
Politischer Hintergrund
Der Beirat ist Teil der Umsetzung des Berliner Klimaanpassungsgesetzes, das den rechtlichen Rahmen für die Anpassungsstrategie der Stadt setzt. Nach Senatsangaben ist das Gremium ausdrücklich als unabhängiges Beratungsgremium vorgesehen, dessen Aufgaben und Zusammensetzung im Gesetz festgelegt sind.
Berlin will mit dem Gesetz unter anderem mehr Hitzeschutz und einen deutlich größeren Baumbestand erreichen. Wie wichtig dies ist, zeigen die aktuelle extremen Temperaturen und deren Folgen. Die schnelle Konstituierung des Beirats signalisiert, dass der Senat bei der Umsetzung Tempo machen will.
Berlin versucht Klimaanpassung stärker zu professionalisieren und mit wissenschaftlicher Expertise zu unterfüttern. Der Nutzen des Gremiums dürfte vor allem darin liegen, Zielkonflikte zwischen Stadtentwicklung, Infrastruktur, Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit früh sichtbar zu machen.
Gleichzeitig wird sich zeigen müssen, ob der Beirat mehr ist als ein Beratungssignal. Entscheidend wird sein, ob seine Empfehlungen tatsächlich in konkrete Maßnahmen, Zeitpläne und finanzierte Programme münden.



