Eine Bibliothek als sozialer Treffpunkt, Lernraum und Freizeitraum für das Quartier Hakenfelde. Die wenn auch bescheidene Beteiligung im öffentlichen Raum zeigt, dass die Erwartungen an die Bibliothek weit über klassische Ausleihe hinausgehen und vor allem auf Aufenthaltsqualität, Familienfreundlichkeit und flexible Nutzung zielen.
Erste Erkenntnisse der Befragung
In Hakenfelde wächst ein Projekt mit möglicher stadtteilpolitischer Strahlkraft: In den ersten beiden Etagen eines Neubaus entsteht eine neue Stadtteilbibliothek, deren künftige Ausgestaltung die Spandauerinnen und Spandauer aktiv mitbestimmen konnten. Eine jetzt vorliegende Beteiligungsdokumentation des Bezirksamts Spandau zeigt, wie breit die Vorstellungen der Teilnehmenden sind, und wie stark sich das Bild der Bibliothek verändert hat.
Hier geht es zu Bildern vom Baugeschehen.
Viele tausend Wohneinheiten sind im Laufe weniger Jahre im direkten Umfeld entstanden. Der Bedarf nach einer Bibliothek vor Ort war schon zuvor vorhanden, zeigt sich jetzt als noch deutlich notwendiger.
Statt nur als Ort für Bücher wird die Bibliothek von vielen als multifunktionaler Treffpunkt verstanden: als Lernort, Aufenthaltsraum, Kulturort, kreativer Arbeitsraum und niedrigschwelliger Begegnungsort im Quartier. Diese Entwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch die Auswertung der vier Vor-Ort-Termine, an denen insgesamt 92 Menschen die Fragebögen vollständig beantworteten und etwa 140 Personen zumindest zeitweise mit den Moderatorinnen und Moderatoren ins Gespräch kamen.
Die Beteiligung fand an vier Orten und Terminen statt, jeweils an Haltestellen der Fahrbibliothek oder in deren Umfeld: am Rustweg, an der Hakenfelder Straße sowie an der Evangelischen Schule im Johannesstift. Ziel war es, Menschen dort zu erreichen, wo sie sich im Alltag ohnehin aufhalten, und zugleich eine Online-Beteiligung zu ergänzen.
Was die Menschen wollen
Die Rückmeldungen machen deutlich, dass die neue Bibliothek vor allem alltagsnah und offen sein soll. Besonders häufig genannt wurden längere Öffnungszeiten, Wochenend- und Abendnutzung, selbstständige Ausleihe und Rückgabe sowie ein gutes Orientierungssystem. Gleichzeitig zeigt sich ein starkes Sicherheitsbedürfnis: Die Offenheit der Bibliothek soll mit Schutz vor Vandalismus, Sauberkeit, Ordnung und einer angenehmen Atmosphäre verbunden werden.
Auch bei den Medienwünschen ist der Horizont weit. Neben Kinder- und Jugendbüchern, Comics, Fantasy und Sachliteratur wurden ausdrücklich mehrsprachige Angebote, Lernmaterialien, Medien für ältere Menschen, Angebote für sehbehinderte Personen sowie digitale Formate wie Tablets, PCs, Konsolen und interaktive Medien genannt. Die Bibliothek wird damit als hybrider Ort gedacht, in dem klassische Bücher und digitale Teilhabe nebeneinanderstehen.
Begegnung und Programm
Besonders stark ist der Wunsch nach Veranstaltungen. Genannt wurden Kinderworkshops, Bastel- und Kreativangebote, Lesungen, Buchclubs, Filmabende, Konzerte, Gaming-Angebote, Hausaufgabenhilfe und Ferienprogramme. Die Dokumentation wertet das als deutliches Signal, dass die Bibliothek nicht nur Wissensvermittlung leisten, sondern auch Begegnung und Gemeinschaft fördern soll.
Auffällig ist dabei die klare Ausrichtung auf Kinder, Jugendliche und Familien. Gleichzeitig wurden auch generationenübergreifende und inklusive Formate, politische Bildung und Angebote gegen Einsamkeit genannt. Die Bibliothek soll also nicht exklusiv wirken, sondern möglichst viele Gruppen des Viertels ansprechen.
Werkstatt statt nur Regal
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Wunsch nach einem Makerspace und einer „Bibliothek der Dinge“. Genannt werden 3D-Drucker, Robotik, offene Werkstätten, Fahrradwerkstätten, Reparaturangebote, Nähmaschinen, Tonstudios und kreative Arbeitsräume. Dazu kommen ausleihbare Alltags- und Freizeitgegenstände wie Spielekonsolen, Instrumente, Werkzeuge, Picknickbedarf oder Sportgeräte.
Die Auswertung deutet das als Interesse an gemeinschaftlich nutzbaren Ressourcen und nachhaltigen Ausleihformen. Die Bibliothek soll damit nicht nur Medien, sondern auch praktische Hilfe, Kreativität und gemeinsames Arbeiten ermöglichen.
Außenraum als sozialer Ort
Auch der Außenbereich spielt eine zentrale Rolle. Gewünscht werden Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten, Picknickflächen, Begrünung, Spiel- und Bewegungsangebote, Tischtennis, Lern- und Lesebereiche im Freien sowie sichere und saubere Aufenthaltszonen. Die Nähe zum Wasser wird von vielen Beteiligten als besondere Qualität des Standorts wahrgenommen und ausdrücklich in die Gestaltungsideen einbezogen.
Damit wird der Außenraum nicht nur als Ergänzung verstanden, sondern als eigenständiger öffentlicher Ort mit hoher Aufenthaltsqualität. Gerade für Familien und jüngere Zielgruppen scheint er ein wichtiger Baustein der künftigen Bibliothek zu sein.
Bedeutung fürs Quartier
Die Dokumentation macht deutlich, dass die neue Stadtteilbibliothek in Hakenfelde mehr sein soll als ein kommunales Gebäude mit Büchern. Sie soll ein Ort werden, der Bildung, Freizeit, Kultur, digitale Teilhabe und nachbarschaftliches Miteinander verbindet. Aus der Beteiligung spricht der Wunsch nach einer offenen, flexiblen und zugleich sicheren Einrichtung, die im Alltag des Quartiers wirklich ankommt.
Die Ergebnisse der Vor-Ort-Beteiligung wurden auf die Plattform meinBerlin.de übertragen und sollen in die weitere Abwägung und Gestaltung einfließen. Für Hakenfelde könnte daraus ein Stadtraum entstehen, der die klassische Bibliothek neu denkt: als Treffpunkt, Werkstatt, Lernort und sozialer Anker im Viertel.
Theoretisch sollte die Eröffnung im August 2026 stattfinden. Dieser Termin wird sicherlich nicht gehalten werden können, wahrscheinlich noch nicht einmal 2026.
Onlinebeteiligung zur neuen Stadtteilbibliothek Hakenfelde
13 aktive Teilnehmende brachten 371 Ideen ein. Sieben Beiträge wurden kommentiert und 44 bewertet. Wie so oft, bei Beteiligungen, zeigt sich auch hier ein sehr überschaubares Interesse, sich an der kulturellen Entwicklung seines Umfeldes zu beteiligen. Nicht anders ist dies bei anderen Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, sei es politisch, gesellschaftlich oder bei kleinen Gestaltungsoptionen für die eigene Umgebung, so gering er auch sein mag. Umso lautstärker ist die Fraktion derjenigen, die immer wieder behaupten, nie gefragt zu werden, nie auch nur einen Hauch von Mitsprache zu haben.
Bildergalerie Bibliothek Hakenfelde
Ergebnisdokumentation des Beteiligungsverfahrens an vier Orten in Hakenfelde als PDF
Rauchstraße 34-40 in Berlin Spandau – Spandau bewegt 2025
Video auf YouTube zum Bauprojekt
Stadtteilbibliothek Hakenfelde
Iznikstr. 2
direkt an der Rauchstraße
13587 Berlin
Zentrale Beteiligungsplattform des Landes Berlin
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Galerie mit fantasievollen, augenzwinkernden Ideen



