Größenwahn trotz knapper Kassen
Berlin, 5.5.2026: Der Berliner Senat präsentiert heute sein offizielles Konzept für die Olympiabewerbung und will damit im innerdeutschen Wettbewerb punkten. Dabei lehnt ein Großteil der Berliner Bevölkerung das Vorhaben laut Umfragen und dem laufenden Volksbegehren von NOlympia Berlin deutlich ab. Dennoch plant der Senat erneut massive Ausgaben für das Prestigeprojekt, während in anderen Bereichen gespart wird.
Überdimensioniertes Prestigevorhaben
Die Aussagen der beteiligten Initiativen und Personen zeichnen ein einheitliches Bild der Kritik an den Olympiaplänen des Berliner Senats. Im Zentrum steht der Vorwurf, dass es sich weniger um ein zukunftsorientiertes Stadtentwicklungsprojekt handelt, sondern um ein überdimensioniertes Prestigevorhaben, das ohne ausreichende Rücksicht auf Kosten, Nutzen und die Bedürfnisse der Stadtgesellschaft vorangetrieben wird. Statt sinnvoller Investitionen in Infrastruktur und Alltagssport werde ein Großevent priorisiert, das enorme finanzielle Mittel bindet, während in anderen Bereichen gespart wird.
Zugleich wird die Darstellung der Spiele als klimaneutral oder gar klimapositive Veranstaltung deutlich infrage gestellt. Symbolträchtige Inszenierungen wie architektonische Großprojekte oder spektakuläre Lichtinstallationen werden als weder ökologisch nachhaltig noch gesellschaftlich verantwortungsvoll bewertet. Kritiker sehen darin vielmehr Ausdruck einer Politik der Selbstdarstellung, die historische Sensibilitäten ausblendet und fragwürdige Bilder reproduziert.
Grundlegende Bedürfnisse weiterhin unzureichend erfüllt
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt betrifft die sozialen Auswirkungen: Berlin sei keine Bühne für internationale Großinszenierungen, sondern ein Lebensraum, in dem die Bevölkerung letztlich die finanziellen und strukturellen Folgen tragen müsse. Insbesondere wird bemängelt, dass grundlegende Bedürfnisse – etwa funktionierende Sportstätten, Schwimmbäder oder schulische Infrastruktur – weiterhin unzureichend erfüllt sind, während gleichzeitig Milliarden für ein einmaliges Event eingeplant werden.
Auch die geplante Nutzung des Tempelhofer Feldes stößt auf deutlichen Widerstand. Die Fläche wird als wichtiger Ort für frei zugänglichen Breitensport und als schützenswerter Freiraum hervorgehoben. Ihre mögliche Bebauung im Zuge der Olympiapläne wird daher als weiterer Beleg dafür gesehen, dass städtische Interessen zugunsten kurzfristiger Großprojekte zurückgestellt werden.
Insgesamt verdichtet sich die Kritik zu dem Vorwurf, dass der Senat die Prioritäten falsch setzt: Statt nachhaltiger, sozial gerechter und ökologisch verantwortlicher Stadtpolitik werde ein kostspieliges Großereignis verfolgt, dessen Nutzen für die breite Bevölkerung stark bezweifelt wird.
NOlympia Berlin sammelt Unterschriften für ein Volksbegehren
Am 26. September wird der DOSB entscheiden, wer den Zuschlag zur Bewerbung erhält. NOlympia Berlin sammelt derzeit Unterschriften für ein Volksbegehren, mit dem die Bürger*innen selbst abstimmen dürfen, ob sie sich die Spiele ans Bein binden.
Unterschriftsbögen für das Volksbegehren zum Download:
nolympia.berlin/wp-content/uploads/2026/04/Unterschriftsliste_NOlympia.pdf
Die Bündnis-Organisationen sammeln in den nächsten Wochen Unterschiften bei unterschiedlichen Veranstaltungen, so am 8. Mai beim Demokratiefest auf dem Tempelhofer Feld, am 9. Mai auf der Langen Buchnacht in der Oranienstraße, auf dem Karneval der Kulturen und am 7. Juni auf dem Umweltfestival am Brandenburger Tor.
Weitere Infos unter: nolympia.berlin
Kontakt für Rückfragen:
Uwe Hiksch, hiksch(at)naturfreunde.de, 0176 62 0159 02
Dr. Gabriele Hiller, drghiller(at)gmail.com, 0174 37 250 58
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