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Eine kleine grüne Halbinsel an der Heerstraße

Pichelswerder Spandau - Idyll im Winter (Foto: Ralf Salecker)

Pichelswerder Spandau – Idyll im Winter (Foto: Ralf Salecker)

Die Halbinsel Pichelswerder liegt direkt an der Heerstraße, zwischen Freybrücke und Stößenseebrücke. An ihrer Ostseite finden wir den Stößensee, an ihrer Westseite den von der Havel durchflossenen Pichelssee. Dicht bewaldet mit Laub- und Nadelbäumen ist Pichelswerder auf einer Fläche von fast 30 Hektar seit 1936 Landschaftsschutzgebiet. Viele Wassersportvereine haben hier hier Domizil.

Vor hundert Jahren war die Halbinsel noch eine Insel. Für den Bau der Heerstraße nach Dallgow-Döberitz war die Errichtung eines hohen Dammes im Stößensee notwendig. Eine Million Kubikmeter Erde wurden hierfür aufgeschüttet.

Von der Straße betrachtet scheint Pichelswerder „nur“ ein Waldstückchen zu sein. Dem beherzten Wanderer stehen aber nicht nur die hineinführenden beiden autotauglichen Wege zur Verfügung. Genau dazwischen gelegen, geht ein kleiner Pfad in den Wald hinein. Diesen erreicht man aber auch jeweils von den beiden großen Zugängen, auch wenn die kleinen Trampelpfade durchaus zu übersehen sind.

Blick von Pichelswerder auf den Pichelssee und das Pichelsdorfer Gemünd (Foto: Ralf Salecker)

Blick von Pichelswerder auf den Pichelssee und das Pichelsdorfer Gemünd (Foto: Ralf Salecker)

Die erste Überraschung präsentiert sich nach wenigen Schritten. Es geht abwärts in eine kleine „Schlucht“. Gut 20 Meter hohe Hänge mit lichtem Baumbestand lassen bei passendem Sonnenschein ein märchenhaftes Licht entstehen. Das Gefühl der Großstadt verlässt uns an diesem Ort schnell.

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts zog es viele Berliner hierher. Künstler malten die Sicht von der Spitze Pichelswerders auf Schildhorn, den Grunewald oder blickten von ihrem höchsten Punkt über die seenartige Erweiterung der Havel (Pichelsdorfer Fenster) bis nach Gatow.

Viele Ausflugslokale entstanden um die Ausflügler zu bewirten. Einzig vom „Königgrätzer Garten“ (Siemenswerder) existiert noch heute das denkmalgeschützte Gebäude. Sogar eine Ponton-Brücke, die Sechserbrücke (soviel kostete die Passage) vom Rupenhorn nach Pichelswerder wurde errichtet.
Unzählige kleine und größere Wege durchziehen Pichelswerder, so dass ein Spaziergang nie langweilig wird. Hundebesitzer sind in diesem offiziellen Hundeauslaufgebiet häufig anzutreffen. Nach Entwicklungsplänen des Landes Berlin soll der Wald sich in Zukunft zu einem naturnahen Eichenmischwald entwickeln.
Pläne für Baumaßnahmen auf Pichelswerder gab es viele. 1903 kursierten Gerüchte über einen geplanten Festungsbau, zum Schutze des Kaisers und der kaiserlichen Familie. 1910 gab es Baupläne für die Errichtung eines Gymnasions, einer Mischung aus Sportstätte und Ort kultureller Begegnung. In den 1920er sollte hier ein monumentales Ehrenmal entstehen. In den 1950er Jahren hätte es ein Jugendsportpark sein können.
An der südwestlichen Spitze der Halbinsel am schmalen Pichelsdorfer Gemünd kann fast hautnah reger Schiffsverkehr beobachtet werden. Zwei Leuchtfeuer weisen den von Potsdam kommenden Schiffern den richtigen Weg in die Havel.

Bei soviel Wasser vor Augen kann der Wunsch nach einem erfrischenden Bad in der Havel auf  der südöstlichen Seite Pichelswerders an einem kleinen Strand schnell in die Tat umgesetzt werden.

Ralf Salecker