„Rhizomatischer Spaziergang“ des Künstlers Julien Paccard in der Galerie Historischer Keller

„Rhizomatischer Spaziergang“ des Künstlers Julien Paccard

Julien Paccard (*1988) lädt mit seinem „Rhizomatischen Spaziergang“ zu einer besonderen Form der Annäherung ein: weniger als klassischer Rundgang, vielmehr als gedankliche Bewegung durch ein offenes Geflecht aus Übergängen, Brüchen und Bezügen – inspiriert von Musiktheorie, Skateboarding und der Konzeptkunst der 1960er und 70er Jahre. Der im Spandauer Untergrund gelegene Ausstellungsraum wird dabei zum Ausgangspunkt für eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Raum und Bedeutung.

In Anlehnung an den von Gilles Deleuze und Félix Guattari geprägten Begriff des Rhizoms entfaltet sich ein System, in dem sich Zusammenhänge nicht linear erschließen, sondern sprunghaft, widersprüchlich und vielstimmig. Temporäre Konstellationen aus Gemälden, Videoarbeiten, Objekten und Partituren treten in Beziehung zueinander, folgen eigenen Regeln – und unterlaufen diese zugleich. Es entsteht ein spannungsreiches Gefüge, das sich bewusst eindeutigen Lesarten entzieht.

Die Ausstellung versteht sich als lebendiger Prozess: Durch regelmäßig stattfindende musikalische Aktivierungen wird sie fortlaufend verändert und erweitert. Wahrnehmung wird hier nicht bestätigt, sondern in Bewegung versetzt – Realität entsteht im Erleben.

Informationen auf einen Blick:

  • Eröffnung: 29. April 2026, 19 Uhr
  • Es sprechen: Dr. Carola Brückner (Bezirksstadträtin für Kultur) und Dr. Jens-Ole Rey (Künstlerischer Leiter der Galerie Historischer Keller)
  • Ort: Galerie Historischer Keller, Carl-Schurz-Str. 49, 13597 Berlin-Spandau

Der Historische Keller in Spandau

Spandaus verborgener Kunstraum mit langer Geschichte

Mitten in der Spandauer Altstadt liegt ein Ausstellungsort, der so unscheinbar wie außergewöhnlich ist: der Historische Keller. Der unterirdische Raum in der Carl-Schurz-Straße ist nicht nur ein Relikt aus mehreren Jahrhunderten Stadtgeschichte, sondern heute auch eine Galerie für zeitgenössische Kunst.

Seine Wurzeln reichen bis in das Jahr 1464 zurück. Das ehemalige Patrizierhaus beherbergte über die Jahrhunderte wohlhabende Spandauer Familien, später wurde es zum Palais für Regimentskommandeure umgebaut und schließlich als Gasthaus und Gericht genutzt. Der Zweite Weltkrieg setzte der Geschichte des Gebäudes ein jähes Ende: 1944 wurde es durch einen Bombenangriff zerstört.

Doch damit war die Geschichte des Kellers nicht vorbei. Nachdem die Reste in den 1950er Jahren beseitigt und der Keller zugeschüttet worden waren, kam er 1987 beim Abriss eines Neubaus wieder ans Licht. Die archäologische Untersuchung machte den Weg frei für eine neue Nutzung: Heute ist der Historische Keller ein besonderer Ort für Kunstausstellungen, an dem historische Bausubstanz und Gegenwartskunst eng aufeinandertreffen.

Die Galerie gehört zu den kommunalen Galerien des Bezirks Spandau und präsentiert vor allem experimentelle Positionen, die auf den Ort reagieren. Geöffnet ist sie nur während Ausstellungen, der Eintritt ist frei. Für die Spandauer Altstadt ist der Historische Keller damit nicht nur ein Stück lebendiger Vergangenheit, sondern auch ein kulturpolitisch bemerkenswerter Raum, der Geschichte nicht konserviert, sondern in die Gegenwart übersetzt.

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