Die Kritik des BUND an dem Entwurf des Berliner Nahverkehrsplans fällt deutlich aus: Aus Sicht des Umweltverbands setzt der Senat noch immer zu stark auf teure, langwierige und wenig wirksame Projekte, statt die Berliner Verkehrswende konsequent mit Straßenbahn, schnellen Busverbindungen und klaren Vorrangregeln voranzutreiben.
BUND fordert Kurswechsel
Für den BUND ist klar: Berlin braucht beim Nahverkehr keine Symbolpolitik, sondern spürbare Verbesserungen im Alltag. Öffentliche Mittel sollen dort eingesetzt werden, wo sie schnell wirken, viele Menschen erreichen und den Umweltverbund stärken. Dazu gehören vor allem der Ausbau der Straßenbahn, bessere Verknüpfungen mit Fuß- und Radverkehr sowie eine konsequente Bevorrechtigung von Bus und Tram im Straßenraum.
Der Verband kritisiert, dass der Nahverkehrsplan an mehreren Stellen auf falschen Prioritäten aufbaue. Statt den öffentlichen Verkehr effizient zu stärken, würden aus Sicht des BUND zu viele Ressourcen in umstrittene U-Bahn-Neubauten gelenkt, die teuer, langsam und in ihrer Wirkung begrenzt seien.
U-Bahn statt Nutzen?
Besonders scharf wendet sich der BUND gegen geplante U-Bahn-Verlängerungen wie die U8 ins Märkische Viertel oder die U3 zum Mexikoplatz. Nach seiner Auffassung erfüllen diese Vorhaben die selbst gesetzten Kriterien für eine U-Bahn nur unzureichend, binden aber enorme Mittel und schaffen zugleich neue Umwege, Umstiege und lange Realisierungszeiten.
Der Verband fordert deshalb mehr Transparenz über die zugrunde liegenden Studien und eine ehrliche Bewertung von Kosten und Nutzen. Aus Sicht des BUND würde der ÖPNV deutlich mehr gewinnen, wenn diese Mittel in Straßenbahnprojekte mit höherem Verlagerungseffekt flössen.
Straßenbahn als Priorität
Im Mittelpunkt der Stellungnahme steht die klare Forderung, den Straßenbahnausbau zur Priorität zu machen. Für den BUND ist die Tram das geeignetere Mittel, um schnell neue Verbindungen zu schaffen, Buskorridore zu entlasten und Stadtteile besser zu erschließen.
Besonders wichtig ist dem Verband, bereits weit fortgeschrittene, aber gestoppte Straßenbahnprojekte wieder aufzunehmen. Die „qualifiziert beendeten“ Planungen zum Kulturforum und in die Gropiusstadt wertet der BUND als schweren Fehler, weil damit nicht nur konkrete Strecken verloren gingen, sondern auch künftige Umstellungen überlasteter Buslinien erschwert würden.
Busverkehr nicht schwächen
Auch bei den Buslinien pocht der BUND auf Vernunft. Kürzungen und Taktverdünnungen lehnt der Verband ab, wenn sie direkte Verbindungen verschlechtern oder neue Umsteigezwänge schaffen. Gerade in der Außenstadt seien kurze, direkte und verlässliche Linien für viele Fahrgäste unverzichtbar.
Doppelgelenkbusse sieht der BUND nicht als echte Lösung, sondern höchstens als teure Übergangsidee mit großem Umbauaufwand. Auf stark belasteten Korridoren sei der Umstieg auf Straßenbahnbetrieb aus seiner Sicht die deutlich sinnvollere Perspektive.
Schneller und leiser
Ein weiterer Schwerpunkt der Kritik ist die mangelhafte Beschleunigung im bestehenden Netz. Der BUND verlangt Vorrangschaltungen für Busse und Straßenbahnen, durchgehende Busspuren und eine Verkehrssteuerung, die den ÖPNV wirklich bevorzugt.
Zugleich fordert der Verband mehr Lärmschutz bei Neubauten und Sanierungen. Straßenbahnstrecken müssten mit möglichst leisen und erschütterungsarmen Gleisanlagen gebaut werden, damit der Ausbau nicht auf Kosten der Anwohnerinnen und Anwohner gehe.
Schlussbild
Unterm Strich zeichnet der BUND das Bild eines Nahverkehrsplans, der an zu vielen Stellen noch zu zögerlich, zu teuer und zu kleinteilig denkt. Seine Botschaft ist eindeutig: Berlin braucht weniger Umwege und mehr Tempo, vor allem bei der Straßenbahn, bei der Beschleunigung des bestehenden Netzes und bei einem klaren Vorrang für den Umweltverbund.



